Ursprünglich hat sie ihren Namen vom NSA-Spähprogramm Prism – und um Überwachung in vielen virtuellen Facetten ging es auch bei der vierten Auflage der Anti-Prism-Party im ZKM. Höhepunkt der Veranstaltung mit Vorträgen, Workshops und Expertentischen war eine Podiumsdebatte zum „Auslaufmodell Datenschutz?“, moderiert vom IT-Security-Fachmann Christoph Schäfer. Mit dem Publikum diskutierten Datenschutz-Aktivist Malte Spitz, Jörn Müller-Quade vom Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie des KIT und Dirk Fox, IT-Sicherheitsexperte und Initiator der Anti-Prism-Party.

Wer schon mal aus Unachtsamkeit an eine heiße Herdplatte gefasst hat, lernt in der Regel instinktiv daraus. Wer hingegen mangelhaften Datenschutzerklärungen zustimmt, nicht: an fadenscheinigem Datenschutz verbrennt man sich eben nicht die Finger. „Die Folgen sind indirekt, wir lernen nichts dazu“, so Professor Dr. Jörn Müller-Quade vom Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie des Karlsruher Instituts für Technologie.

Datenschutzerklärung: die Einwilligung ist tot

Und Dirk Fox, Chef der IT-Beratungsfirma Secorvo, ergänzt in Bezug auf die vielen Datenschutzerklärungen, denen man permanent zustimmen muss – oder man ist eben von der Nutzung des Dienstes ausgeschlossen: „Die Einwilligung ist im Grunde genommen mausetot.“ Aus der Grundidee des souveränen Nutzers, der aktiv über die Verwertung seiner Daten entscheiden kann, ist laut Fox „eine Pervertierung geworden.“ Er sieht die Zukunft des Datenschutzes einzig in der dezentralen Verarbeitung von Daten und verordneten kurzen Löschfristen.

Andererseits: welche Datenschutzregelung schützt schon den Nutzer vor sich selbst? Denn gekauft werden Produkte, hinter denen sich Datenkraken verbergen, allemal: man denke nur an die zahlreichen Fitness-Wearables und Gesundheitstracker. Datenschutz-Aktivist Malte Spitz führt auch das Beispiel der Abhör-Barbie-Puppe auf, die das Kinderzimmer quasi ausspioniert und die transkribierten Aussagen der Kinder den Eltern zumailt.

Zweckbindung von Daten? Nicht Teil des Modells…

Dass das Sammeln personenbezogener Daten nicht per se verteufelt werden kann, zeigt Spitz anhand des Beispiels Smart Home beziehungsweise Ambient Assisted Living, mit durch Sensoren vernetzten Rauch- und Bewegungsmeldern, intelligenten Temperaturmessgeräten oder smarter Lichtschaltung. „Da gibt es zwei Sichten“, so Spitz. Auf der einen Seite könnten die smarten Geräte Überwachung bedeuten, auf der anderen Seite ermöglichten sie gerade älteren Menschen, länger selbstbestimmt in ihren eigenen Räumlichkeiten zu leben – zum Beispiel durch eingebaute Sensoren, die Alarm schlagen, wenn der Bewohner zu Boden fällt.

Entscheidend ist laut Professor Müller-Quade die „Zweckbindung der Daten“. Wenn zum Beispiel eine Smart Home Anwendung mit der Feuerwehr vernetzt sei, so sei das durchaus sinnvoll. Doch die Big Data Industrie tut laut Müller-Quade das Gegenteil.

Datenmengen verändern unser Leben

Und ja, schließlich basieren Big-Data-Geschäftsmodelle darauf, über die Zweckbindung der Daten hinaus immer weitere Zusammenhänge zu finden – auf deren Grundlage dem Internetnutzer zum Beispiel besonders individuelle Kaufempfehlungen gegeben werden.

Wenn wir aber aufgrund von Vorschlägen, die uns basierend auf den Analysen unserer Daten angezeigt werden, unsere Einkäufe tätigen – was kommt als nächstes? Werden wir nur noch die Artikel und Bücher lesen, die uns quasi vorgesetzt werden? Werden wir so unsere Politiker wählen? Verlernen wir, selbst zu denken und zu entscheiden, weil wir Algorithmen vertrauen, die uns durch Auswertung unserer vielen Datenquellen besser kennen, als wir uns selbst?

Informationen zur Anti-Prism-Party gibt es unter www.anti-prism-party.de

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