Die Nachricht stimmte nicht nur die die IT-Welt traurig. Im Alter von 74 Jahren ist in den USA der Programmierer Raymond Tomlinson gestorben. Er gilt als Erfinder der E-Mail und hat als erster Programmierer das @-Zeichen zum Versenden einer E-Mail benutzt. Die IT-Hochburg Karlsruhe hat eine besondere Beziehung zur elektronischen Post: So kam vor genau 32 Jahren Deutschlands erste E-Mail nicht in Berlin oder Hamburg an – sondern wurde im badischen Ländle empfangen.

Er gilt als erster Programmierer, der das @-Zeichen in E-Mail-Adressen verwendete. Mittlerweile wird er auch als Erfinder der elektronischen Post geadelt. Raymond Tomlinson hat zweifelsohne Geschichte geschrieben, nun ist der US-Amerikaner mit 74 Jahren gestorben. Dass die E-Mail eine besondere Beziehung zur Stadt Karlsruhe hat, den Standort samt der Region noch immer prägt, möchte ich im Folgenden kurz erläutern.

Seit der Erfindung der Post ärgert man sich über Mahnbriefe, seit der Erfindung des Telefons über das Klingeln im Morgengrauen, seit der Erfindung der E-Mail über den Werbemüll. Doch auch der reitende Bote vermeldet oft Unerwünschtes. Deshalb sollten wir uns vor dem eben verstorbenen Amerikaner Tomlinson, der vor 45 Jahren die E-Mail, diese komfortable Kommunikationsform, erfand, dankbar verneigen.

Die Zeit 10. März 2016

E-Mail am 3. August 1984: This is your official welcome to CSNET

Durch die Verwendung des @-Symbols war es erstmals möglich, E-Mails an einzelne Personen zu adressieren. Das @-Zeichen gab es zwar zuvor auch schon, doch wurde es hauptsächlich von Händlern für die Massen-Auszeichnung von Produkten verwendet. Beispiel: 20 Flaschen Wasser zu je zwei D-Mark wurde mit „20 Flaschen Wasser @ 2 D-Mark“ ausgezeichnet. Auch das Übertragungsmedium war damals ein anderes. Der Internet-Vorläufer ARPANET diente für den Transport und war rein auf wissenschaftlicher Basis nutzbar. ARPANET hatte die Zielvorgabe, die knappen Rechenkapazitäten der damals noch teuren Großrechner sinnvoll zu verteilen. 1990 wurde aus dem beschränkten ARPANET das Internet. Es war endlich in der Lage, außerhalb von Universitäten und Forschungszentren, Menschen zu vernetzen. Am 3. August 1984 um 10:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit landet die erste direkte E-Mail Deutschlands in den Postfächern von Professor Werner Zorn und seinem damaligen Mitarbeiter Michael Rotert. Mit den Worten „This is your official welcome to CSNET“ begrüßten die US-Kollegen die deutschen Wissenschaftler (siehe Abbildung unten). Die erste E-Mail wurde allerdings wesentlich früher versendet – allerdings nicht über das „Internet“.

Die erste deutsche E-Mail ging vor rund 30 Jahren an den CSNET-Server in Karlsruhe. Quelle: KIT
Wichtige Fakten zur E-Mail (Quelle):

• Die erste E-Mail weltweit wurde aber noch viel früher versendet. 1971 versendete Ray Tomlinson die erste elektronische Nachricht. Er gilt als Erfinder der E-Mail.

• 1982 tauchte das Wort „E-Mail“ zum ersten Mal im Sprachgebrauch auf.

• Ebenfalls 1982 wurde das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) zum Austausch von E-Mails in Computernetzen eingeführt.

• Anfang der 1990er-Jahre tauchen die ersten SPAM-Mails auf.

• 2007 führt Google weltweit die GMail ein.

• Microsoft Outlook ist das meistgenutzte E-Mail-Programm weltweit.

• Bis zum Jahr 2017 soll die Zahl der täglich versendeten E-Mails auf 206,6 Milliarden steigen.

Wortspiel mit Punktlandung: Karlsruhe, baden in Ideen

Die Internet-Ära begann damit auch in Deutschland. Was kaum jemand weiß: Der Erfinder Raymond Tomlinson hatte zu dieser Zeit keine Vorstellung vom Siegeszug, den die E-Mail Jahre später vollzog. Auch war Tomlinson an der Weiterentwicklung der E-Mail nicht mehr beteiligt. Fortan wurden am damaligen Monopolisten „Post“ Nachrichten vorbei gesendet, aus dem ARPANET entwickelten sich die Netzwerke CSNET und NSFNET heraus und am Ende bildete 1990 das World Wide Web das Internet. Fünf Jahre lang war Karlsruhe sogar der einzige Knotenpunkt für den gesamten Internetverkehr von und nach Deutschland. Mittlerweile übernimmt diese Aufgabe die Stadt Frankfurt – allerdings für den gesamten europäischen Raum.

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Und wie hat man nun 1984 E-Mails versendet? / Quelle: MobileGeeks

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Dennoch, die erste E-Mail ist somit ein gutes Beispiel für die praktische Verwertbarkeit wissenschaftlicher Grundlagenarbeit – auch in Karlsruhe: Als Symbol steht sie für die beispiellose Entwicklung des Karlsruher IT-Standorts. Innerhalb von über 30 Jahren hat sich Karlsruhe neben London, Paris, München und anderen Metropolen zum Spitzenzentrum für Informations- und Kommunikationstechnik in Europa entwickelt. Die IT-Branche ist zudem Teil der Kreativwirtschaft in Karlsruhe. Zahlreiche europäische Marktführer setzen hier immer wieder neue Trends, egal ob Industrie 4.0 oder Internet of Things, und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft von Karlsruhe. Und 2016 zählt die IT-Region Karlsruhe mittlerweile zu den führenden Innovationsstandorten und beherbergt über 4.200 namenhafte IT-Firmen; beispielsweise Microsoft, Intel, SAP, Bosch oder Mercedes. Und nebenbei: In Karlsruhe befindet sich das größte Rechenzentrum Europas, das von der United Internet AG gehostet wird. Mein Kollege Christian Birnesser hat kürzlich elf Gründe aufgelistet, warum Karlsruhe hinsichtlich der Digitalisierung gewappnet ist. Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch die Europäische Kommission. Neben der Funktion als Brutstätte für Unternehmen finde ich persönlich die Förderung des Wissenstransfers von digitaler Innovationen herausragend. Unzählige Veranstaltungen laden dazu ein, sich mit Unternehmen, mit deren Spezialisten auszutauschen – Jungunternehmer beziehungsweise Start-ups werden von Beginn an beratend begleitet. Kein Wunder also, dass die Stadt auch gerne Stadt-Slogans wie „Karlsruhe, baden in Ideen“ bevorzugt an den Bundesstraßen rund um die Stadt platziert.

Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, abschließend ist und bleibt Raymond Tomlinson ein Held. Er hat nicht nur die E-Mail erfunden. Nein, mehr noch: Ohne Raymond Tomlinson gäbe es die moderne E-Mail nicht einmal. Er erfand die Funktion des @-Symbols und revolutionierte damit die digitale Kommunikation. Egal ob im E-Mail-Marketing, in der Unternehmenskommunikation oder beim E-Mail-Inhalt selbst: Eine Revolution, die in Karlsruhe noch heute spürbar ist. Hut ab!

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