Amazon bietet derzeit weltweit den größten Marktplatz an. Über ihn werden nicht nur Produkte günstig angeboten; das breite Sortiment, die Bestsellerlisten sowie die Filterfunktionen bei Suchanfragen führen dazu, dass das größte digitale Warenhaus zur Suchmaschine wird. Google dürfte das nicht gefallen. Ein „Warum“.

amazon-Watchblog kürte am 21. April 2015 in einem Beitrag Amazon zum neuen Google. Laut Amazon entscheiden sich immer mehr kaufgetriebene Internetnutzer dazu, Amazon direkt als Suchmaschine für Produkte einzusetzen. Speziell die Prime-Kunden verzichten nach eigenen Angaben immer häufiger auf Google und informieren sich lieber direkt über den Amazon-Marktplatz. „Die Zahl der Nutzer, die ihre Suche über Amazon.com beginnen, ist im Vorjahresvergleich um 300 Prozent gewachsen“, so der Autor des Blogbeitrags. Glaubt man zudem den Analysten, könnte im Jahr 2020 sogar jeder zweite US-Haushalt von Amazon-Prime profitieren. Für Google eine „Kriegserklärung“.

Amazon Marktplatz: weltweit über 270 Millionen Verbraucher

Warum? Amazon steht in Deutschland für rund 24 Milliarden US-Doller E-Commerce-Volumen. 160 Millionen Produkte verzeichnet alleine das deutschsprachige Amazon: Das sind mal eben 40.000 Handelspartner, die dem Online-Riesen einen Umsatz hierzulande von satten 12 Milliarden US-Dollar bescheren. Dem US-amerikanischen Marktforscher Forrester zufolge nutzten im Jahr 2010 noch rund 24 Prozent der Käufer als erste Anlaufstelle Google, bis 2012 hatte sich dieser Anteil bereits halbiert. Projiziert man diese Tendenz nach Europa beziehungsweise nach Deutschland, würde jeder dritte Nutzer seine Einkäufe über Amazon vorbereiten – obwohl Google über 90 Prozent aller Suchmaschinen-Anfragen hierzulande generiert. Nach Angaben der Internet World 08/15 filtert die Amazon-Suche aus 160 Millionen Produkten zwei Millionen Angebote, wenn der Anwender beispielsweise nach Smartphone sucht. Setzt man dabei noch die zur Verfügung stehenden Filter ein, wird die Suche detaillierter als Google lieb ist. Auch weil Amazon mittlerweile brauchbare Rezensionen zum Produkt anbietet – alles mit einer Suchanfrage. Bei weltweit 270 Millionen Verbrauchern eine enorme Machtstellung. Denn allein in Deutschland besuchten im Oktober 2014 knapp 25 Millionen Nutzer Amazon Marketplace. Und dabei spielen speziell die Keywords eine entscheidende Rolle.

Klar wird Google durch Amazon nicht ersetzt. Zu unterschiedlich sind deren Ansätze. Doch einige Millionen Nutzer wird die „Suchmaschine“ Amazon dem Suchmaschinen-Primus abnehmen. Die Problematik ist zweifelsohne Googles Ranking der Suchergebnisse. Laut Chikita Insights beachten 92 Prozent der Nutzer nur die ersten Suchergebnisse bei der Google-Suche; nur 4,8 Prozent klicken sich auf Seite 2, 1,1 Prozent auf Seite 3 und gerade einmal 0,4 Prozent interessieren sich noch für Seite 4. Händler müssen sich bei Google also auf kurz oder lang dauerhaft Platzieren, sich einkaufen – wenn allerdings 39 Prozent der potenziellen Käufer ihre Suchanfrage bei Amazon beginnen, beschreibt diese Entwicklung einen herben Gewinnrückgang für Google – schließlich handelt es sich bei diesen Einnahmen um das Kerngeschäft von Google. Und ausgerechnet jetzt startet der Konzern sein neues Segment Amazon-Business. Ein spezieller „Marketplace“, der ausschließlich Geschäftskunden ansprechen soll. Vorerst allerdings nur in den USA. Amazon wirbt dabei um einen Bereich, der speziell zugeschnittene Produkte für Unternehmen anbietet, zu besseren Konditionen versteht sich. Man stelle sich nur mal vor, Microsoft dürfte seine Bing-Suche samt den Hunderttausenden Business-Kunden mit Amazon vereinen – Google könnte einpacken – obwohl Amazon in der Arbeitswelt einen schlechten Ruf genießt.

Teaserbild: Simon Steinberger / Lizenz: CC BY-SA 2.0

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