Alle guten Dinge sind drei: Der Verband der Internetwirtschaft eco hat sich zum dritten Mal die deutsche Internetwirtschaft im Detail angeschaut und die Ergebnisse in die Studie -Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019 einfließen lassen. Der O-Ton: „Die Internetwirtschaft wird auch in Zukunft einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftssektoren bleiben.“

„Die Digitalisierung bedeutet einen Transformationsprozess, der unser alltägliches Leben und unsere Gesellschaft prägen und auch die DNA unserer Wirtschaft nachhaltig verändern wird“, wird Sigmar Gabriel Bundesminister für Wirtschaft und Energie, anfangs zitiert. Die Studie Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019 will natürlich auch im dritten Anlauf die digitalen und wirtschaftlichen Vorzüge des Internets hervorheben. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Bereits das Vorwort verfolgt Ziele, die nur politisch getrieben in die passende Form gegossen werden können.

Sei es drum. Die virtuelle Welt organisiert sich derzeit selbst, trotzt sogar jeder Krise: Bis 2019 wird sich der Umsatz der deutschen Internetwirtschaft voraussichtlich um knapp 60 Prozent auf 114 Milliarden Euro erhöhen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von zwölf Prozent. Auf der anderen Seite konnte die deutsche Internetwirtschaft entgegen den Erwartungen zwischen 2012 und 2015 sogar um 2,5 Prozent jährlich schneller wachsen als 2013 prognostiziert. Dies führt im Jahr 2015 zu einem Marktvolumen von 72,6 Mrd. Euro; sprich, in drei Jahren kommen noch einmal rund 41 Milliarden Euro hinzu.

Internetwirtschaft: Die Studie in Zahlen

Der größte Umsatz wird über den Layer 3 generiert (siehe Abbildung). Das ist vor allem auf den Umsatz in den dominierenden Segmenten E-Commerce B2B und E-Commerce B2C zurückzuführen. Insgesamt ist die Rede von 43 Milliarden Euro. Zudem teilen sich auch die Online-Werbung sowie das Billing beziehungsweise das Payment ein Stück des Kuchens auf Ebene drei. Zusammen mit dem Layer zwei (Web Hosting & Domains / Public SaaS / Public IaaS / PaaS) ist ein relativ gleichmäßiges Wachstum von 13 bis 21 Prozent jährlich zu erwarten. Nur bei Layer eins, (Network, Infrastructure & Operations – Mobile Internet) ist aufgrund des fortgeschrittenen Reifegrads und der gesättigten Märkte mit einstelligen Wachstumszahlen (sieben Prozent) zu rechnen. Und obwohl Layer zwei und vier nur ein geringes Marktvolumen darstellen, rechnen die Analysten bis 2019 mit einem größeren Wachstumspotenzial.

 

Modell der Internetwirtschaft 2015: 140 Milliarden Umsatz werden 2019 erwartet. Bild: eco und Arthur D. Little
Das Modell der Internetwirtschaft 2015: 140 Milliarden Umsatz werden bis 2019 erwartet. Bild: eco und Arthur D. Little

Wenngleich die Internetwirtschaft bisher einen dauerhaften Boom erlebt, sehen genau darin einige Analysten auch die Gefahr beziehungsweise die Herausforderung. So sollen die „Effekte des kommerziellen Internets“ (für was auch immer das stehen mag) gravierend sein. „Während die Internetwirtschaft in den Jahren 2014 bis 2019 um jährlich zwölf Prozent wachsen wird, legten große deutsche Sektoren in den Jahren 2011 bis 2014 um jährlich rund ein bis vier Prozent zu oder schrumpften sogar leicht (Chemisch-Pharmazeutische Industrie, Elektroindustrie). Und geht man von einem anhaltenden Wachstum aller Sektoren auch in der Zukunft aus, würde die Internetwirtschaft die Automobilindustrie (gemessen an der deutschen Inlandsversorgung) im Jahr 2028 überholen“. So zumindest die Analysten der Studie.

Unfug: Industrie soll mit der Digitalisierung Schritt halten

In einer Welt, die sich immer intensiver virtuell abspielt, keine neuen Erkenntnisse, oder? Die Industriezweige werden sich meines Erachtens zunehmend an die Digitalisierung annähern, sie am Bestehenden teilhaben lassen um am Ende das Internet der Dinge Realität werden lassen. Sprich: Will ich Industrie 4.0 und das Internet der Dinge forcieren, muss die Digitalisierung (Internetwirtschaft) auch über der klassischen Industrie (Elektro & Robotik – Automobilindustrie) als übergeordneter Sektor stehen. Das sollte langsam aber sicher auch den Analysten klar sein. Und dass die Digitalisierung nicht sofort die Industriesegmente übernehmen wird, weist auf die Funktionsweise des Internets selbst – hier seien die Stichpunkte „Echtzeit und Latenz-freies Netz“ erwähnt.

Was meines Erachtens allerdings wesentlich mehr in den Fokus rücken sollte: Die vorherrschende digitale Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für Wachstum und Wohlstand in Deutschland – global gesehen natürlich auch. „Mit jedem Jahr, in dem die Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft von der Internetwirtschaft zunimmt, wächst auch die Verantwortung, die auf der Infrastruktur lastet. Diese Verantwortung sollte nicht allein auf den Schultern unserer Branche liegen. Sie sollte von allen geteilt werden, die von der digitalen Infrastruktur abhängig sind“, äußert sich eco-Geschäftsführer Harald A. Summa optimistisch – ohne die nötigen Investitionen von Seiten der Wirtschaft wird es aber auch nicht funktionieren. Zu diesem Thema haben die Kollegen von Edition F sieben Regeln der Digitalisierung zusammengefasst.