Die Logistik der Zukunft, wie sieht sie aus? Ein Projekt aus der Schweiz zeigt, wie sie aussehen könnte. So schafft ‚Cargo Sous Terrain‘ in der Schweiz einen neuen Verkehrsweg, der ausschließlich Gütern vorbehalten ist und den knappen Straßen- und Schienenraum entlastet. Es handelt sich dabei um ein unterirdisches Transporttunnel-System, welches bis 2030 nicht nur 450 Kilometer lang sein wird; es soll auch über eine Feinverteilung von Gütern in den städtischen Zentren verfügen.

In der Schweiz will man dem Verkehrschaos mit einem raffinierten Konzept entgegentreten. In dreispurigen Tunnels werden Transportfahrzeuge auf Rädern mit konstanter Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde verkehren. An explizit ausgewählten Zugangspunkten, sogenannten Logistik-Hubs, können Güter auf Paletten und Behälter vollautomatisch ins urbane Warenversorgungssystem eingespeist werden (siehe Video). Der Tunnel verläuft dabei in etwa 50 Metern Tiefe, von wo aus elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf Schienen mit Induktionsladung die Waren von A nach B transportieren sollen. Der Clou: Direkt unterhalb der Tunneldecke ist eine Seilbahn geplant, die leichte Güter befördern soll (Briefe, Päckchen) – ‚ähnlich‘ dem System in London (siehe Video). Ein solches Netz kann nach Angaben der Schweizer Planer bis zu 40 Prozent des Güterverkehrs abdecken. Das Projekt ist mit zirka 30 Milliarden Euro aber kein Schnäppchen.

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London’s hidden underground mail rail line

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E-Commerce in der Schweiz: Zalando Schuld an der Paketflut?

Die Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke Härkingen-Niederbipp bis Zürich ist im Jahr 2030 vorgesehen. Danach soll das Projekt stufenweise zu einem gesamtschweizerischen Netz ausgebaut werden, in dem sich Güter an jedem beliebigen Punkt einspeisen und an jeden beliebigen Ort, von Genf bis St. Gallen und von Basel bis Luzern, transportieren lassen. Was sich wie eine Schnapsidee liest, findet mittlerweile sogar auf Bundesebene breite Zustimmung. Der Schweizer Bundesrat will für die Realisierung von ‚Cargo sous terrain‘ sogar ein Gesetz auf den Weg bringen, welches dem Projekt zu einer rechtlichen Sonderstellung verhelfen soll. Und die Lösung könnte nicht nur in der Schweiz für Furore sorgen.

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Um die Problematik, das Warum, besser zu verstehen, folgen nun einige Kennzahlen aus der Transportlogistik: In der Schweiz beispielsweise hat der Güterverkehr laut Statistischem Bundesamt zwischen 2000 und 2015 um 19 Prozent zugenommen. Hierfür soll vor allem der stetig wachsende Onlinehandel verantwortlich sein. 2016 wuchs der E-Commerce allein um gut acht Prozent, so das Marktforschungsinstitut GfK. Die Schweizer Post beförderte alleine sechs Prozent mehr Pakete, sprich 122 Millionen Stück. Lustigerweise soll gerade der deutsche Onlinehändler Zalando, der seit 2011 in den Schweizer Markt drängt, mit verantwortlich sein – zwölf Millionen Zalando-Pakete waren es 2016, wie das Beratungsunternehmen Carpathia schreibt. Für die kleine Schweiz eine enorme Herausforderung.

Deutschland: drei Milliarden Sendungen pro Jahr

Und in Deutschland? Für den Güterverkehr wird erwartet, dass das Transportaufkommen hierzulande insgesamt von rund 4.275 Millionen Tonnen im Jahr (2016) auf rund 4.403 Millionen Tonnen im Jahr 2019 anwachsen wird. Die Transportleistung wird voraussichtlich im gleichen Zeitraum von 663 Milliarden Tonnenkilometer auf 693 Milliarden Tonnenkilometer steigen. In Deutschland sprechen wir mittlerweile von drei Milliarden Sendungen, die jedes Jahr ausgeliefert werden; die Tag für Tag dafür sorgen, dass unsere Straßen verstopft und wir kurz vorm urbanen Infarkt sind – hinzu kommen die Retouren, die nicht nur teuer sind, vielmehr für zusätzlichen Verkehrsstress sorgen.

Warum also nicht diese Art der urbanen Logistik berücksichtigen? Einfach weg vom Bestehenden, und völlig neue Infrastrukturen entwerfen. Vielleicht entwickeln wir so völlig neue Konzepte, die etwa wie RULS auf unterschiedliche Transportarten setzen.

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