Die Digitalisierung und die immer weiter fortschreitende Migration von Unternehmens-Daten und -Anwendungen in die Cloud sind der Wachstumsmotor einer Wirtschaft, die immer effizienter, globaler und flexibler arbeitet. Global verteilte Teams, flexible Arbeitszeiten, eine zentrale Datensammlung und Auswertung: Das sind nur einige der Vorteile, die die Cloud mit sich bringt. Doch die Wolke hat auch eine dunkle Seite.

Ein Unternehmen, das langfristig mithalten will, muss auf globale Trends reagieren können und die besten und hellsten Köpfe an sich binden. Die Cloud ist dazu unerlässlich. Darin sind sich Experten, Politik und Fachmagazine einig. Gleichzeitig steigt mit der neuen Daten-Zentralisierung auch die Anfälligkeit für Cyberkriminalität. Darum sollten vor allem Startups darauf achten, eine sichere Cloud-Umgebung zu nutzen, um ihre Daten zu schützen. Denn ein Verlust von Daten kann für junge Unternehmen das Aus bedeuten.

Die Cloud ist einfach – für die Arbeit im Team, aber auch für Daten-Diebe

Ein verärgerter Mitarbeiter löscht die Daten hunderter oder gar tausender Kunden eines Cloud-Providers und nimmt deren Server offline. Ein anderer verkauft Daten aus Kunden-Datenbanken. Einem Online-Passwort-Manager kommen die Passwörter hochrangiger Unternehmensvertreter abhanden. Sicherheitskameras stehen für jeden offen im Internet und schlagen ein weit offenes Einfallstor in das Unternehmensnetzwerk. Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung betreiben sogar Regierungen Wirtschaftsspionage. Hacker beeinflussen Wahlen und Medien. Dies alles sind die Folgen der zentralisierten Datenhaltung in der Cloud. Lässt sich diese vernetzte Welt überhaupt noch unter Kontrolle behalten? Und vor allem: Was tun als kleines Unternehmen, das irgendwie den Anschluss behalten muss?

Klar ist: Die Zentralisierung der Cloud, also die Konzentration der Rechen- und Speicherkapazitäten auf einige wenige Anbieter wie Amazon (AWS) und Microsoft (Azure) birgt enorme Gefahren. Die Cloud-Dienste, die in den letzten Jahren ans Netz gegangen sind, laufen nur selten auf den Servern des Anbieters. Meist werden die Anwendungen auf Servern von großen Anbietern betrieben und damit auch die Daten dorthin weitergereicht.
Startups greifen schnell auf die einfachen Lösungen wie Google Drive, Dropbox und Co. zurück. Neben der simplen Bedienung sind auch die kostenlosen Angebote attraktiv. Doch niemand weiß, in welchem Rechenzentrum die Daten tatsächlich abgelegt werden und wie gut dieses betreut wird. Und vor allem: Wer darauf Zugriff hat. Denn mit der Zentralisierung steigt die Anzahl der Zugriffspunkte.

Dass die Freigabe auf den jeweiligen Ordner geregelt wird und man den Mitarbeitern verschiedene Zugriffe gewähren kann, ist bei weitem kein ausreichender Schutz. Denn wer weiß, welcher Mitarbeiter im Rechenzentrum sitzt und welche Sicherheitsmaßnahmen dort gegen Hacker getroffen werden? Mit dem Gang in die Cloud entgleitet uns zunehmend die Kontrolle über den Verbleib und die Sicherheit unserer Daten.

Private Cloud: Die Vorteile der Cloud nutzen, die Gefahren minimieren

Lastspitzen lassen sich schnell ausgleichen, der Speicherplatz kann mit der Datenmenge mitwachsen. Das sind die Argumente, die oft für die Zentralisierung der Cloud angeführt werden. Doch Startups sollten sich fragen, ob sie diese schnelle Skalierbarkeit überhaupt benötigen. Denn laut einer Studie von Forsa benötigen mehr als drei Viertel der Unternehmen die Flexibilität und Skalierbarkeit der Cloud gar nicht. Und ob es nicht Möglichkeiten gibt, von der Flexibilität großer Rechenzentren zu profitieren, ohne seine Privatsphäre aufzugeben.

Eine Möglichkeit ist es, auf die Zentralisierung die Dezentralisierung folgen zu lassen. Damit ist nicht die Rückbesinnung auf komplizierte, vor Ort von Administratoren in fehleranfälliger Handarbeit per Konsole konfigurierter Server gemeint. Stattdessen werden Lösungen geschaffen, welche die Vorzüge lokaler Infrastruktur mit den Möglichkeiten großer Rechenzentren kombinieren. Denn auch wenn die Kerntechnologie eines Unternehmens maximal skalieren muss, gibt es immer interne Systeme, welche diese Faktoren nicht benötigen, aber dafür umso mehr von der überragenden Privatsphäre profitieren. Hardware vor Ort kann durch einheitliche Software und neue Ansätze zentral gemanagt werden und damit die gleichen Einfachheits-, Flexibilitäts- und Sicherheits-Level wie die Public Cloud erreichen. Gleichzeitig verringern sich mit der privaten Cloud die Kosten und vor allem bleibt die Kontrolle über die Daten in der eigenen Hand.

Mit solchen Lösungen können alle im Unternehmen benötigten Anwendungen lokal betrieben werden: Dokumentensynchronisation, Kollaboration, Lagerhaltung, Zeiterfassung und vieles mehr. Die sensiblen Unternehmensdaten bleiben im Unternehmen, keine Dritten erhalten Zugriff.

Was Startups bei der Auswahl von private Clouds beachten sollten

Startups, die skalieren, stehen häufig vor großen Herausforderungen, was die Infrastruktur betrifft. Denn nicht nur die Aufträge und der Umsatz wachsen, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter, die Komplexität der Prozesse und die Menge an Daten wachsen. Darum sollten Startups sich bei der Auswahl von Private-Cloud-Lösungen bewusst für eine Lösung entscheiden, die die Skalierung begleiten kann und flexibel erweiterbar ist. Denn nicht nur vertikal sondern auch horizontal muss die eigene Cloud skalieren: Welche Programme und Prozesse werden regelmäßig im Unternehmen angewendet? Gibt es Private-Cloud-Lösungen, die bereits einen Großteil davon abdecken oder leicht erweiterbar sind?

Dokumentenmanagement, Kundenbetreuung, Aufgabenmanagement, Zeiterfassung, Lagerhaltung, Projektmanagement, gemeinsame Kalender und Emails und vieles mehr. Die Liste der Dinge, die bereits kleine Unternehmen benötigen ist lang. Für all diese Bedürfnisse gibt es Cloud-Dienste. Diese kosten monatlich, oft auch pro Nutzer. Damit steigen die Kosten exponentiell. Was aber noch viel gefährlicher für das Wachstum ist: Viele Cloud-Dienste sind isolierte Silos. Stößt man an ihre Grenzen oder muss man weitere Anwendungen hinzufügen, arbeiten diese meist nicht zusammen und machen einen teuren Komplettumzug nötig. Nicht selten sitzt man so Tag für Tag daran, Daten von System A nach System B abzutippen. Und dann haben die Mitarbeiter auch noch überall andere Anmeldenamen und Passwörter. Das bedeutet einen Management-Aufwand und ein weiteres erhebliches Sicherheitsrisiko.

Für alle Unternehmensbedürfnisse gibt es auch Open-Source Software. Diese ist kostenlos erhältlich, durch den Open-Source Ansatz einfach erweiterbar und meist deutlich sicherer. Wächst das Unternehmen, kann man Supportverträge mit dem Hersteller abschließen und Enterprise-Funktionen dazu schalten.
Einige wichtige Fragen bei der Auswahl der Lösungen: Bieten diese Schnittstellen an, um sich intelligent zu verbinden? Ist eine zentrale Benutzer-Verwaltung möglich, in die sich die Dienste einklinken? Kann das Projektmanagement mit dem ERP-System und dem Online-Shop kommunizieren um einen Produkt-Launch zu koordinieren? Fehlen diese Verbindungen, so ist händisches Abgleichen der Daten erforderlich. Dies zahlt sich in den seltensten Fällen aus und nimmt meist schnell überhand. Arbeiten Systeme hingegen zusammen, dann steigt die Produktivität im Unternehmen.

Unabhängig davon, für welche Lösung sich ein Gründer entscheidet, sollte man sich immer fragen: Wo genau liegen die Daten? Und es gibt ein gutes Gefühl, wenn man sicher weiß: Zwei Meter weiter im eigenen Office und nicht in der „Cloud“, die letztendlich nur der Computer eines Fremden ist.

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