Über 28.000 Menschen beteiligten sich im März 2020 an einem von der Bundesregierung initiierten Hackathon, bei dem innovative Lösungen zur Bewältigung der Corona-Krise gesucht wurden. Aber was wurde aus den Projekten?

Kaum ein anderes Projekt im Bereich Digitalisierung sorgte in den vergangenen Wochen für so viel Aufsehen, wie der #WirVsVirus Hackathon der Bundesregierung. In nur 48 Stunden haben 28.361 Menschen über 1.500 Lösungen erarbeitet, die die Gesellschaft im Kampf gegen die Corona-Pandemie unterstützen sollen.

Auf der offiziellen Kampagnenseite heißt es dazu:

Wir haben beim #WirVsVirus Hackathon mutige und innovative Ideen gesucht, die der Gesellschaft dabei helfen, jetzt solidarisch zu sein und gestärkt aus der aktuellen Situation durch Covid-19 hervorzugehen. […] Der Erfolg des #WirVsVirus Hackathons hat uns gezeigt, wie viele Lösungen aus der Gesellschaft heraus entstehen können, wenn Bürger:innen sich koordinieren und zusammenarbeiten. Der Hackathon war erst der Startschuss.

Bereits kurz nach dem Hackathon wurden 20 Projekte prämiert und in den „Solution Enabler“ der Initiative aufgenommen, der Unterstützung aus Politik und Wirtschaft verspricht. Eine Übersicht über die Top20 Lösungen finden Interessierte in der entsprechenden YouTube-Playlist von #WirVsVirus:

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Wer sich für die Beiträge des Digital Hubs Karlsruhe interessiert, kann sich darüber in den Webinaren des CyberForums informieren. Die nächste Q&A-Session (diesmal mit let’s dev) findet am 27. April um 14:30 Uhr statt. Hier geht’s zur Anmeldung.

#WirVsVirus – Vom theoretischen Konzept zur praxistauglichen Lösung

Netzpolitik.org beschrieb die Ideenfindung im Rahmen des Hackathons treffend als „Sprint“ – und die nun folgende Zeit als „Marathon“. Denn so schnell sich die Zivilgesellschaft dazu mobilisieren ließ, Ideen zu entwickeln, so lange dauert nun deren praktische Umsetzung.

Die Probleme sind vielfältig. Zum einen sollen unter anderem Ministerien und Behörden samt ihrer Expertise in die Entwicklung der Anwendungen integriert werden. Doch all diese Stellen, Ressourcen und Kompetenzen zusammenzuführen und zu koordinieren, gestaltet sich als schwierig. Zum anderen sind viele rechtliche Fragen ungeklärt. Viele der Teams begeben sich auf ein heikles Territorium, da im medizinischen Bereich jede Formulierung (auf der Website, in Apps, in Broschüren etc.) dreimal rechtlich geprüft werden muss. Vom Thema Datenschutz ganz zu schweigen.

Und dann wäre da noch das Thema Finanzierung. Die Mitglieder der Teams arbeiten zwar ehrenamtlich – neben ihrem regulären Beruf oder dem Studium. Aber es fallen auch Nebenkosten (zum Beispiel für Server) an – und die vom Hackathon zugesagte finanzielle Unterstützung für die prämierten Projekte steht derzeit noch aus, da sich die Verantwortlichen nicht darauf einigen können, wie diese aussehen soll.

#WirVsVirus – Einige Projekte sind bereits im Einsatz

Die fehlende finanzielle Unterstützung sowie die rechtlichen Probleme führen in erster Linie bei den umfangreichen und komplexen Projekten zu Verzögerungen. Es gibt aber auch einige Konzepte, die im Rahmen von #WirVsVirus entwickelt wurden und bereits bei der Bekämpfung der Corona-Krise aktiv genutzt werden:

  • MaskMaker unterstützt soziale Einrichtungen, indem die Plattform Privatpersonen die Möglichkeit bietet, Behelfs-Schutz-Masken zu nähen und diese im Anschluss an eine Einrichtung ihrer Wahl zu schicken. Über 140 Einrichtungen wurden auf diese Weise schon mit knapp 19.000 Masken versorgt.
  • Machbarschaft ist eine Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen ohne Internetzugang oder Internetkompetenz. Hotline und App befinden sich derzeit in der Testphase. Das Prinzip ist simpel: Ältere Menschen wählen die Machbarschafts-Hotline und stellen ihre Anfrage (Einkauf oder andere Erledigungen). Kurze Zeit später taucht selbige in der Machbarschafts-App auf und kann von Freiwilligen in der Nähe angenommen werden.
  • Mittelstand goes Home-Office berät mittelständische Unternehmen in Coachings zu Themen wie Home Office und Remote Working.
  • Pflegesterne sind ausgebildete (ehemalige) Pflegekräfte, die in der jetzigen Krise schnell und unbürokratisch helfen wollen. Die Plattform bringt sie zusammen.
  • Videobesuch ist eine App, die Familien, Verwandten und Freunden den virtuellen Besuch im Pflegeheim ermöglicht – ohne dass dafür eine bestehende IT-Infrastruktur oder entsprechende Kenntnisse notwendig sind.
  • Gemeinsamdadurch hilft Händlern, indem die Plattform ihnen die Möglichkeit gibt, ihren Kunden schnell und einfach Gutscheine zur Verfügung zu stellen, die sie nach der Krise einlösen können.
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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.