Anfang August entschied das Bundesverfassungsgericht: Der Rundfunkbeitrag darf steigen. Und das ist auch gut so, denn in Zeiten von Fake News und alternativer Fakten kommt den Öffentlich-Rechtlichen eine wichtige Rolle innerhalb unserer Demokratie zu. Ein Kommentar.

Das Internetzeitalter hat viele Dinge hervorgebracht, die unser Leben einfacher, ja in manchen Bereichen sogar besser machen. Mit Smartphones haben wir das gesammelte Wissen der Menschheit jederzeit in der Hosentasche. Videokonferenzen machen die Kommunikation mit Freunden und Familienangehörigen auf der ganzen Welt einfacher denn je. Autos fahren autonom, digitale Assistenten unterstützen uns im Alltag, Virtual-Reality-Anwendungen entführen uns vom Sofa aus an die entlegensten Orte dieser Erde. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten.

Eines der größten Probleme unserer Zeit sind Fake News und alternative Fakten. Freilich sind Falschmeldungen kein Phänomen der Digitalisierung. Schon seit jeher arbeiten Menschen mit falschen Informationen, um andere zu manipulieren. Was sich allerdings geändert hat, ist die Zahl der Menschen, die man damit erreicht.

Social Media wird zum Fake News-Inkubator

Wenn jemand im 14. Jahrhundert der Meinung war, dass die Pest nur eine harmlose Grippe sei, die von den Eliten dazu genutzt werde, um das Volk zu unterwerfen, dann konnte er dies seinen Nachbarn erzählen – und vielleicht noch seinen Freunden in der Dorfschenke. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese ihm glaubten und sich die Falschinformation weiterverbreitete, war jedoch relativ gering.

Im Zeitalter von Facebook, WhatsApp und Telegramm sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Theoretisch hat jeder die Möglichkeit, frei erfundene Behauptungen ins Netz zu stellen und damit Millionen andere zu erreichen. Je absurder, desto besser. Wichtig ist dabei nur, dass andere Menschen sich dadurch in ihrer Meinung bestärkt fühlen. Wer gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist, sich nicht gegen Corona impfen lassen will und den Klimawandel leugnet, der greift nach jeder Nachricht, die seine Meinung untermauert – ganz egal, wie absurd diese auch ist. Und schlimmer noch: Er verbreitet sie weiter. Der daraus resultierende Schneeballeffekt lässt sich nicht aufhalten – und plötzlich werden alternative Fakten zu alternativen Realitäten.

Denn wenn man sich tagtäglich nur noch in Facebook-Gruppen und Telegram-Chats bewegt, die behaupten, dass unsere Regierung von Reptiloiden unterwandert wurde und Corona-Leugner auf Demos mit speziell gezüchteten Impfmücken zwangsgeimpft werden sollen, dann verschwimmt plötzlich die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Wie gefährlich das ist, haben die vergangenen Monate gezeigt.

Die öffentlich-rechtlichen Medien als Gegenwicht zu Fake News

Aus diesem Grund ist es wichtiger denn je, eine neutrale Instanz zu haben, die die Bevölkerung objektiv über die wichtigsten Themen unserer Zeit informiert und mit Fakten versorgt. Im besten Fall gelingt es uns so, die Menschen, die ins Reich der Verschwörungstheorien abgedriftet sind, wieder zu erreichen. Aber auch wenn wir nur verhindern, dass noch mehr Menschen die Fähigkeit verlieren, zwischen Meinungen und Fakten zu unterscheiden, ist schon viel gewonnen.

Und eben diese Rolle kommt den öffentlich-rechtlichen Medien zu. Das Bundesverfassungsgericht begründet deshalb seine Entscheidung, dass der Rundfunkbeitrag steigen darf, auch wie folgt:

„Die Rundfunkfreiheit dient der freien, individuellen und öffentlichen Meinungsbildung. […] Dabei wächst die Bedeutung der dem beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk obliegenden Aufgabe, durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken, vielmehr ein vielfaltsicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden. Dies gilt gerade in Zeiten vermehrten komplexen Informationsaufkommens einerseits und von einseitigen Darstellungen, Filterblasen, Fake News, Deep Fakes andererseits.“

Für unsere Demokratie ist eine verlässliche, objektive Berichterstattung essentiell. Und diese muss auch finanziert werden. Zweifelsohne hat auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Schwächen, perspektivisch wird er dennoch eine wichtige Bastion im Kampf gegen Fake News bleiben.

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.