IT-Sicherheitsbedenken sorgen in Deutschland hinsichtlich der fehlenden Entscheidungsfreudigkeit für eine lahmende Industrie. Laut einer Studie betrifft die Entschleunigung bei der digitalen Transformation jedes zweite Unternehmen. Die Bundesdruckerei hat die verlinkte repräsentative Studie in Auftrag gegeben und warnt nun vor volkswirtschaftliche Auswirkungen. Eine Zusammenfassung.

IT-Sicherheitsbedenken verlangsamen die digitale Transformation bei jedem zweiten Unternehmen in Deutschland. Jedes fünfte Unternehmen befürchtet laut der Studie „IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung“ sogar Umsatzverluste, da es die Digitalisierung aus Angst vor IT-Sicherheitsvorfällen nicht schnell genug vorantreibt. Daher ist folglich die Kernaussage der Studie selbsterklärend: „Die Unternehmen legen großen Wert darauf, dass die Digitalisierung nicht auf Kosten der IT-Sicherheit vorangetrieben wird“. Und dabei geraten speziell kleinere Mittelständler ins Hintertreffen, da diese es grundsätzlich schwer haben, beide Wege (Digitalisierung und Sicherheit) mit der entsprechenden Fokussierung zu beschreiten. Technischer Basisschutz ist nach eigener Aussage zwar in allen Unternehmen vorhanden, allerdings fehle es oft an Szenarien und Schutzmaßnahmen, die greifen, wenn ein konkreter Sicherheitsvorfall vorliegt. Auch bei den personellen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen besteht Verbesserungspotenzial. Satte 74 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Digitalisierung nicht auf Kosten ihrer IT-Sicherheit vorantreiben. Eine Zwickmühle. Schon im April zeichnete sich ein ähnliches Bild ab – von einer Zweiklassengesellschaft war damals die rede.

Mehr als ein Drittel der Unternehmen (39 Prozent) stuft das Risiko, durch einen IT-Angriff geschädigt zu werden, als hoch oder sogar sehr hoch ein. Größere Unternehmen sehen ein höheres Risiko als kleinere.

Zwei Drittel aller befragten Unternehmen rechnen mit steigenden IT-Sicherheitsrisiken durch die Digitalisierung.

 

Digitalisierung
Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen Hand in Hand gehen. (Studie: IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung)

Was allerdings überrascht: 37 Prozent der Unternehmen definieren und implementieren ihre IT-Sicherheitsstrategie mithilfe externer Dienstleister. Jeder fünfte Betrieb hat dagegen bisher noch keine IT-Sicherheitsstrategie definiert. Beides ist meines Erachtens fahrlässig. IT-Sicherheit sollte in den Unternehmen passieren, intern von der eigenen IT-Abteilung. Letzteres dürfte zudem auf Dauer sogar günstiger kommen. Unternehmen, die sich überhaupt noch keine Gedanken zum Thema Sicherheit gemacht haben, werden in Zukunft vor enormen Herausforderungen stehen – die vielleicht sogar noch höhere finanzielle Hürden beschreiben, als derzeit geschätzt. Grund für die schlecht aufgestellten Unternehmen sind die gesetzlichen Vorgaben beziehungsweise erwähnten Hürden. 63 Prozent der Unternehmen fühlen sich zumindest ab und zu von den gesetzlichen Regeln zu IT-Sicherheit und Datenschutz überfordert. Dort muss die Regierung handeln.

Microsoft: Cloudsicherheit via made in germany

„Egal, ob IT-Sicherheitsbedenken berechtigt, übertrieben oder vorgeschoben sind: Fakt ist, sie haben volkswirtschaftliche Auswirkungen und verzögern die notwendige Digitalisierung der deutschen Wirtschaft“, sagt Ulrich Hamann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesdruckerei GmbH. „Die Umfrage zeigt, dass die Bundesdruckerei mit ihrer Strategie richtig liegt, den deutschen Mittelstand bei der sicheren Digitalisierung zu begleiten“, so Hamann. Das Berliner Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren selbst digitalisiert und vom Hersteller hoheitlicher Dokumente zum Anbieter von IT-Sicherheitslösungen für Behörden und Mittelständler gewandelt. Wie genau sich die Bundesdruckerei allerdings in die Digitalisierung des Mittelstands einbringt ist nur dunkel bekannt. Nach eigenen Angaben ermöglicht die Bundesdruckerei, Daten sicher zu erfassen und zu registrieren, sorgt für deren sichere Verarbeitung und Übermittlung, produziert Dokumente und stattet sie mit Sicherheitsmerkmalen aus. Immerhin: Sogar Microsoft arbeitet bei seinem Cloud-Angebot „Made in Germany“ mit der Bundesdruckerei als weiterem Partner zusammen. So soll beispielsweise der sichere Transport der Daten zwischen Kunden und Servern künftig mit Hilfe der Zertifizierungsstelle D-Trust der Bundesdruckerei erfolgen.

Digitalisierung
Sicherheitsrisiken steigen laut Studie durch die Digitalisierung enorm an. (Studie: IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung)
Digitalisierung
Im jahr 2015 gab es eine umfangreiche Studie des Digitalverbands Bitkom. (Studie: IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung)

Zurück zur Studie. Überdurchschnittlich viele Maschinen- und Anlagenbauer verzichten laut Studie auf Umsatz, weil sie aus Angst vor Cyberattacken ihre Prozesse, Produkte und Services langsamer digitalisieren. Das beschreibt auch die bereits zu Anfang beschriebene Kernaussage der Studie: Auf jedes sechste Unternehmen dieser Branche trifft diese Aussage voll und ganz zu, auf weitere 13 Prozent trifft sie „eher zu“, auf weitere 27 Prozent teilweise. Der Trend zur vernetzten Industrie 4.0 stellt laut Studie vor allem Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus vor die vermeintliche Entscheidung: schnelle Digitalisierung und Vernetzung samt höheren Sicherheitsrisiken oder langsame digitale Transformation und Umsatzverzicht. Die Herausforderung wird daher auch in Zukunft der nachhaltige Schutz für die Unternehmenswerte – und somit für alle Daten, Infrastrukturen und Kommunikationswege sein. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung aller Chancen der Digitalisierung. Bisher, so scheint es, siegt die Skepsis.

Fazit: Den Unternehmen muss allerdings klar sein, dass das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und die dazugehörige Digitalisierung in Zukunft in die Fabrik ziehen und somit für die Fertigung eine neue noch nicht greifbare industrielle Revolution mit sich bringen. Es ist eine Chance, vielleicht die Letzte? Die Regierung muss daher alle Hürden aus dem Weg räumen, alle Umwege begradigen und die Marschroute international gesehen noch stärker vorantreiben – ach was, auf den Punkt 1 der industriellen Agenda setzen. Gutes Vorbild könnte dabei die Region Karlsruhe sein.

Für die Studie „IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalisierung“ wurden 556 Führungskräfte befragt, die in ihrem Unternehmen für IT-Sicherheit verantwortlich sind. Die Umfrage ist repräsentativ für Unternehmen in Deutschland mit mehr als 20 Mitarbeitern, durchgeführt wurde sie von Bitkom Research.

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