SICK ist einer der weltweit führenden Hersteller von intelligenten Sensoren und Sensorlösungen für die Fabrik-, Logistik- und Prozessautomation. Wir haben mit Anatoly Sherman, Head of Product Management, M&S, Applications Engineering, über die Bedeutung der Industrie 4.0 für das Unternehmen gesprochen.

Lieber Herr Sherman, wenn ich Ihnen nur das Stichwort „Digitalisierung“ nenne, welche Gedanken kommen Ihnen spontan in den Sinn?

Bezogen auf SICK Business Schwerpunkte: Optimierung von Prozessen in Fabriken und Logistik, viele Daten, papierlose Prozesse und führerlose Maschinen, die miteinander kommunizieren.

Wie hat die digitale Transformation Ihre Geschäftsbereiche in den vergangenen Jahren verändert?

Die relativ junge Business Unit „3D Compact Systems“ beschäftigt sich mit sogenannten 3D Snapshot Vision-Kameras und -Sensoren. Mit Hilfe eines einzigen Lichtschusses wird zusätzlich zu einem „üblichen“ 2D Bild ein detailliertes dreidimensionales Abstandsbild, ein 3D-Snapshot, des gesamten Bildbereiches erfasst. Diese neue Art von Sensoren sind meiner Meinung nach ein wichtiger Teil der digitalen Transformation, die die SICK-Geschäftsbereiche Logistik-, Fabrik- und Prozessautomation sehr positiv beeinflussen. Natürlich sind mit der voranschreitenden Digitalisierung auch neue Herausforderungen entstanden – zum Beispiel die Datenmenge oder Sicherheit der Daten. Die Sensorik profitiert ebenfalls von den technologischen Fortschritten, insbesondere 2D- und 3D-Vision-Technologien gehen Hand im Hand mit der Digitalisierung. Es wird von der Sensorik auch immer mehr Intelligenz erwartet. Sie soll für die Industrieanwender einfach bleiben oder sogar noch einfacher werden – aber die Technologie hinter der Sensorik, wie „3D Snapshot Vision“, wird immer komplexer.

Industrie 4.0 - Sick

Wie kam es dazu, dass sich SICK schon früh mit Industrie 4.0 beschäftigt hat, während andere Unternehmen das Thema noch stiefmütterlich behandeln?

Wir sind seit Jahren in der Industrieautomation tätig. Industrie 4.0 ist hier der nächste logische Schritt. Er beruht auf mehreren Entwicklungen: Informationen können dank neuer Techniken schneller weitergegeben werden. Mit ausgeklügelter Software lassen sich die vielen Daten gut analysieren und interpretieren. Im Mittelpunkt von Industrie 4.0 steht also die Datenverarbeitung. SICK liefert mit den Sensoren die Datenquellen. Sie sind die Voraussetzung für alle Automatisierungsprozesse, wie zum Beispiel führerlose, also autonome Maschinen und Transportsysteme in den Fabriken. Deshalb gibt die Industrie 4.0 unserem Geschäft Rückenwind.

Welche Rolle spielt die Sensorintelligenz bei der vernetzten Produktion und bei Lieferketten?

3D-Snapshot-Kamerasensoren bieten eine gute Plattform für die vertikale Datenintegration in der Industrie: Welche Daten können und sollten im Sensor bearbeitet werden? Welche auf externen, industriellen Computern? Und wo bietet sich eine Verarbeitung in der Cloud an? Viele industrielle Anwendungen brauchen 3D-Daten, die bereits im Gerät auf die Anwendung maßgeschneidert werden – sogenanntes Edge-Computing. Das ermöglicht zum Beispiel die direkte Anbindung einer 3D-Kamera an eine Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), was die industrielle Verarbeitung enorm entlastet und damit eine kosteneffiziente Lösungen darstellt.

Auf der SICK-Webseite steht, dass „die Fabrik der Zukunft die Trennung von Mensch und Maschine wieder mehr und mehr auflösen wird.“ Kritiker der Digitalisierung fürchten jedoch, dass damit Jobverluste einhergehen. Wie schätzen Sie das ein?

Jede Änderung bringt auch Bedenken mit sich. Wenn man Fabriken oder mobile Maschinen aus der Vergangenheit mit den heutigen vergleicht, sieht man eine rasante Entwicklung, die viel Gutes für den Menschen gebracht hat (Sicherheit, Gesundheit, Wissen). Früher wurde beispielsweise Wolle noch komplett händisch eingefärbt, wodurch die Färber giftigen Dämpfen ausgesetzt waren. Heute übernehmen das Maschinen. Auch musste man früher in der Logistik schwere Pakete mit reiner Muskelkraft transportieren. Das übernehmen nun zum größten Teil Maschinen – und das tut allen gut. Die Menschen sind gesünder, die Prozesse effizienter und somit kostengünstiger. Die Menschen werden andere Aufgaben übernehmen, wie das auch in der Vergangenheit stets der Fall war. Den technologischen Fortschritt kann und sollte man nicht stoppen.

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Früher waren es die Chancen und Risiken der Globalisierung. Heute ist es die Digitalisierung. Wo sehen Sie die Chancen und Risiken?

Chancen:

  • Zuverlässigere und effektivere Arbeitsprozesse
  • Mehr Arbeitssicherheit
  • Sozialer und wirtschaftlicher Nutzen für die Gesellschaft, beispielsweise hinsichtlich Kosten und Gesundheit

Risiken:

  • Datensicherheit
  • Abwertung menschlicher Arbeit
  • Unabsehbare Folgen der künstlichen Intelligenz

Welche Entwicklungen erwarten uns in den kommenden Jahren?

  • Papierlose Prozesse
  • Führerlose Maschinen in den Fabriken und der Logistik
  • Maschinen, die miteinander ohne Menschen kommunizieren

Welche Rolle spielt der Standort Baden-Württemberg für Sie?

In Baden-Württemberg gibt es sehr viel und vor allem sehr innovative Industrie. Dies und die sehr gute Vernetzung zwischen Industrie, Hochschulen, Forschungsinstitutionen und Politik machen Baden-Württemberg für mich zu einem höchst interessanten, innovativen und profitablen Standort.

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Dr. Anatoly Sherman, Head of Product Management, M&S, Applications Engineering bei der SICK AG

Anatoly Sherman, Head of Product Management, M&S, Applications Engineering, SICKSeit Mitte 2015 leitet Dr. Anatoly Sherman bei SICK die Business Unit „3D Compact Systems“, die Bereiche „Product Management“ und „Applications Engineering“. Der Fokus liegt dabei auf den „3D Snapshot-Kamerasensoren“ zur dreidimensionalen Erfassung von Zielobjekten. Besonders für Industrie 4.0 halten diese Sensoren viele neue Einsatzmöglichkeiten bereit. Bevor der Ingenieur und promovierte Physiker 2013 zu SICK kam, sammelte er umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Erneuerbare Energien, Laseroptik und Mikroelektronik in Deutschland und Israel.

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