Zur Zeit wird in Deutschland viel über das Thema Digitalisierung geredet – ein Bereich, in dem die Bundesrepublik weit hinter anderen europäischen Ländern liegt. Wie man es richtig macht, zeigen Länder wie Schweden. Eine Bestandsaufnahme.

Digitalisierung ist mehr, als ganz Deutschland an Glasfaserkabel anzuschließen – das hat Dorothee Bär, ihres Zeichens künftige Staatsministerin für Digitales, durchaus richtig erkannt. Genauer gesagt, betrifft die Digitalisierung alle Bereiche der Gesellschaft und muss dementsprechend auch ganzheitlich gedacht werden. Länder wie Estland oder Schweden haben das bereits vor Jahrzehnten verstanden und – was noch viel wichtiger ist – gehandelt.

Schaut man sich internationalen Rankings an, so rangiert Schweden in puncto Digitalisierung stets auf einem der vordersten Plätze. Und das schon seit Jahren. Das Land hat sich schon recht früh dazu entschieden, auf eine nationale, digitale Gesamtstrategie zu setzen: „ICT for Everyone – A Digital Agenda for Sweden“.

„To meet the challenges that exist both internationally and nationally, the Swedish Government wishes to make use of the opportunities off ered by digitisation, and has therefore taken a decision on ICT for Everyone – A Digital Agenda for Sweden and proposed a new goal for ICT policy, that Sweden should become the best in the world exploiting the opportunities of digitisation. (…) The Digital Agenda has been shaped in an open process, partly through various diff erent round-table discussions and other meetings. But good ideas and inputs have also been received, for example, by letter and e-mail and on web-based forums, Twitter and Facebook.“

Durch die konsequente Umsetzung dieser Strategie schafft es Schweden im Digitalisierungsindex der EU, dem Digital Economy and Society Index (DESI)2, inzwischen auf den dritten Platz hinter Dänemark und den Niederlanden. Besonders weit vorne liegt das schwedische Königreich in den Bereichen Humankapital, Internetnutzung und E-Government.

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E-Health: Die Digitalisierung des Gesundheitssystems

In Schweden wurde bereits vor Jahren flächendeckend eine elektronische Patientenakte eingeführt. In dieser werden sämtliche Kontakte mit dem Gesundheitswesen gespeichert. Ärzte dürfen die Akte allerdings nur öffnen, wenn sich der Patient derzeit bei ihnen in Behandlung befindet. Zudem können Patienten erfahren, wer ihre Krankenakte eingesehen hat – und diese auf Wunsch auch selbst einsehen. Mehr als 95 Prozent aller Rezepte werden in Schweden elektronisch ausgestellt und direkt an die entsprechende Apotheke weitergeleitet. Darüber hinaus sind sie über eine zentrale Datenbank zugänglich.

Das das Thema E-Health nicht bei digitalen Patientenakten und Rezepten aufhört, zeigt eine Reihe weiterer Technologien, die im schwedischen Gesundheitssystem zu finden sind: Im Rahmen von Modellprojekten wurden Rettungswagen mit IT-Systemen ausgestattet, mit denen Ambulanzteams die Vitaldaten von Patienten von unterwegs versenden und die Notaufnahmen frühzeitig auf den jeweiligen Notfall vorbereiten können. Und dann wären da noch Virtual Care Rooms (Behandlungsräume in denen kein Arzt physisch anwesend ist) und Behandlungen via Videolink mit dem Smartphone oder Tablet.

E-Government: Die Digitalisierung der Verwaltung

Grundlage für viele der im Bereich E-Health erwähnten Dienstleistungen ist die sogenannte Personennummer, über die in Schweden die gesamte Kommunikation mit Ärzten, Behörden und Banken abläuft. Inzwischen gibt es mehr als 3.000 E-Services, die der schwedische Staat seinen Bürgern anbietet. Oder anders ausgedrückt: So gut wie jede Behörde verfügt über eine eigene App zur Interaktion mit den Bürgern.

Während man in Deutschland Ämter inzwischen zwar ebenfalls per E-Mail kontaktieren kann, erhält man die Antwort hierzulande im Regelfall erst einige Tage bis Wochen später per Post. In Schweden läuft die Kommunikation mit den Behörden ausschließlich elektronisch ab. Dadurch steigen nicht nur die Qualität und Effizienz der staatlichen Services, sondern auch der Alltag der Bürger wird deutlich vereinfacht.

Beispiel Steuererklärung: In Schweden brauchen Normalverdiener im Regelfall keinen Steuerberater, keine Quittungen und auch keine Online-Ratgeber zum Thema Steuern. Das Formular des Finanzamtes ist bereits vorausgefüllt. Ist alles korrekt, bestätigt der Steuerzahler das dem Finanzamt per SMS. Damit ist die jährliche Einkommenssteuererklärung innerhalb weniger Minuten erledigt.

Digitalisierung im Schulunterricht

Schweden: Die Digitalisierung des Schul- und Finanzsystems

Auch in vielen anderen Bereichen hat die Digitalisierung das Leben der Schweden verändert. Das schwedische Bildungssystem ist vorbildlich, wenn es um die Ausstattung von Schulen mit digitalen Medien geht. Fast 45 Prozent aller Gemeindeeinnahmen gehen an Bildungseinrichtungen. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte werden im Umgang mit neuen Medien geschult. Bereits 2012 hat eine Schule in Schweden für alle Erstklässler iPads angeschafft. Inzwischen werden Tablets im Schulunterricht flächendeckend eingesetzt.

Und der Finanzsektor? Schweden besitzt kaum Bargeld. Im Einzelhandel werden nur 30 Prozent der Geschäfte mit Scheinen und Münzen abgewickelt. Bargeldloses Bezahlen ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Derzeit wird sogar über eine digitale Währung, die e-Krone, nachgedacht.

Dass Großstädte wie Stockholm bereits vor einiger Zeit zu 99 Prozent mit Glasfaser versorgt waren und kaum ein Bürger mehr als 25 Euro für den Highspeed-Internetzugang bezahlt, dürfte an dieser Stelle jetzt niemanden mehr überraschen.

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