Virtual Reality, kurz VR, wird auch den E-Commerce bereichern, keine Frage. Meines Erachtens allerdings nur kurzfristig und lokal im Laden. Das kurzweilige Vergnügen, eine VR-Brille aufzusetzen, spricht gegen eine dauerhafte Nutzung in den eigenen vier Wänden; die Technologie droht meiner Meinung nach in Richtung VR-Commerce zum Staubfänger degradiert zu werden.

Der chinesische Onlineriese Alibaba möchte das Einkaufserlebnis seiner Kunden zukünftig mithilfe von Virtual Reality und dem hauseigenen VR-Projekt Buy+ verbessern. Das meldete das Alibaba-nahe Online-Portal Alizila vor knapp vier Monaten. Seitdem ist Buy+ eine prominente Betaphase im E-Commerce – mehr nicht. Mit Hilfe von zwei Controllern und der eigentlichen VR-Brille sollen in Zukunft 360-Grad-Ansichten auf Regale und Produkte möglich sein. Digitale Laufsteg-Models sollen nach eigenen Angaben Kleidungsstücke vorführen. Außerdem soll eine Live-Beratung via Serviceroboter erfolgen. Dieser soll neben programmierten Fragen auch exklusive Produktvorstellungen im Petto haben. Wir halten zunächst fest: Alibaba und Co. haben das nötige Kleingeld, die Technik der breiten Masse anzubieten. Für den herkömmlichen Nutzer ist die Technik kostspielig. Aber ums liebe Geld geht es ja bei Technik bekanntlich nicht.

Virtual Reality – ab in die Technikkiste

Sieht die Zukunft des Onlineshopping tatsächlich so aus? Virtuelle Stores in 3D; Umkleidekabinen und die dazugehörigen Verkaufsberater als digitale Schreckgespenster? Simulationen aus der Automobilbranche sind ja seit Jahren bekannt; nun also auch der begehbare und dreidimensionale Kleiderschrank? Mal ehrlich; wer würde für einen Einkauf regelmäßig auf eine solche Datenbrille zurückgreifen? Wer würde sich eine solche Brille aufsetzen, sich auf die Couch setzen um für gefühlte zehn Minuten in eine andere nicht reale Einkaufswelt einzutauchen? Der Autor jedenfalls nicht. Er stimmt dem Kollegen Karsten Werner zu, der es gegenüber e.tailment bereits Mitte des Jahres auf den Punkt brachte:

Fragen Sie Tech-Redakteure, die ihre Testtage mit Oculus Rift, HTC Vive und Co beendet haben. Oder fragen Sie ehemalige Google Glass-Träger: Am Ende des Tages enden Brillen-Helme immer als Staubfänger mit Steckern und Kabeln in der Technikkiste.

Die VR-Technologie wird sich auf der Couch meines Erachtens lediglich im Gaming- und Videobereich durchsetzen. Im E-Commerce wird Virtual Reality nur eine Nebenrolle einnehmen. Händler werden die Technik allerdings im Laden lokal einsetzen, sie wird den Bestand vor Ort mit virtuellen Beständen (Bestandsverwaltung deluxe) erweitern – die Händlerintegration, wie sie beispielsweise Zalando anstrebt, bekommt so eine weitere Erlebniswelt hinzu und Webshop-Betreiber werden ihre Conversion Rate automatisch steigern können. So kann der Kunde, selbst wenn er nicht fündig wird, fehlende Artikel online und virtuell erfahren. Ein Kaufabbruch ist weniger wahrscheinlich. Vorausgesetzt, der Händler kann die virtuelle Ware zügig real machen. Egal wie sich der Kunde entscheidet; lokal oder online: Durch die virtuelle Realität verschwimmen die Grenzen zwischen dem Online- und Offline-Handel immer mehr.

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