Die Corona-Pandemie hat die Lehre an Deutschlands Hochschulen nachhaltig verändert. Lehrende und Studierende treffen immer häufiger in neuen, virtuellen Formaten aufeinander – und vielen stellt sich dabei die Frage, ob der klassische Präsenzunterricht zukünftig überhaupt noch eine Rolle spielen wird.

In den vergangenen Monaten wurde viel über das Thema New Work diskutiert. In vielen Branchen bewegt sich die Arbeitswelt von der Work-Life-Blance zur Work-Life-Fusion. Gleichzeitig gewinnt das Home Office als Arbeitsplatz an Bedeutung. Für das Büro der Zukunft heißt das, dass es die Rolle einer Begegnungsstätte einnimmt. Es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr, dafür viele kleine Huddle Rooms, die als Kreativ- und Meetingräume dienen. Hier gibt es maximal vier bis sechs Sitzplätze und medientechnisch ist alles so ausgelegt, dass Teams dezentral zusammenarbeiten können. Das bedeutet nicht einfach nur, dass Mitarbeiter*innen im Home Office sich per Videokonferenz dazuschalten können, sondern vielmehr, dass diese über moderne, interaktive Kollaborationstools aktiv an der Entwicklung neuer Ideen mitwirken können.

Bleibt die Frage, was das alles mit der Lehre an Deutschlands Hochschulen zu tun hat. Die Antwort liegt auf der Hand: Viele der New Work-Konzepte, die derzeit unsere Arbeitswelt verändern, lassen sich nahezu 1:1 auf die Hochschullehre übertragen.

Aber wie sieht New Learning genau aus?

Hybride Lehre hält Einzug an Deutschlands Hochschulen

New Learning ist kooperativ, situiert, kompetenzorientiert und datenintelligent. Digitale und analoge Lehr- und Lernformate wirken über die gesamte Bildungskette zusammen. New Learning stärkt die Selbstbestimmtheit der Lernenden und fokussiert sich auf ihre individuellen Voraussetzungen. Es setzt Inklusion und Chancengerechtigkeit um, fördert Medienkompetenz und Data Literacy und ermöglicht somit Teilhabe und Selbstbestimmung in der digitalen Gesellschaft.

So definiert das Hagener Manifest den Begriff New Learning. Bei genauerer Recherche stellt man zwar schnell fest, dass es keines Wegs nur eine Definition gibt, im Kern geht es aber immer um selbstbestimmtes Lernen und die Verknüpfung digitaler und analoger Lehr- und Lernformate.

Ganz wie das Büro im Zeitalter von New Work, wird auch die Hochschule zu einer Art Begegnungsstätte. Man tauscht sich dort mit seinen Dozent*innen aus und besucht gemeinsam mit anderen Kommiliton*innen Vorlesungen und Seminare. Aber vieles wird zukünftig eben auch remote möglich sein, denn sowohl die Hochschulen als auch die Studierenden entdecken zunehmend das Konzept der hybriden Lehre für sich.

Konkret bedeutet das, dass Vorlesungen und Seminare zwar auch weiterhin als Präsenzveranstaltungen abgehalten werden, es aber auch immer einen Live-Stream gibt, über den die Studierenden remote an den Kursen teilnehmen können. Wichtig dabei: Hybride Lehre bedeutet keineswegs, dass die remote zugeschalteten Studierenden einfach nur vor dem Bildschirm sitzen und den Stream mitverfolgen können. Vielmehr nehmen sie über entsprechende Kollaborationstools aktiv am Geschehen teil. Selbst Gruppenarbeiten und ähnliche Formate sind problemlos möglich.

Die hybride Lehre entspricht dem Zeitgeist

Problemlos? Ja, vorausgesetzt die Hochschulen investieren in die entsprechende Medientechnik. Das mag gerade für diejenigen, die das Thema Digitalisierung lange Zeit ausgeblendet haben, mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden sein, aber langfristig führt kein Weg daran vorbei.

Denn die hybride Lehre entspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern löst auch eine Reihe von Problemen: Wenn ein Teil der Lehre in den digitalen Raum verlagert wird, müssen sich die Hochschulen – die jetzt schon aus allen Nähten platzen – keine Gedanken mehr darüber machen, wo sie den Platz für all die Studierenden hernehmen. Gleichzeitig entschärft sich die Wohnungsnot in Hochschulstädten, da Studierende remote an Vorlesungen und Seminaren teilnehmen können, wodurch die räumliche Nähe zur Hochschule an Bedeutung verliert.

Freilich ist all das vielerorts noch Zukunftsmusik. Aber spätestens durch die Corona-Pandemie hat selbst an konservativen Hochschulen ein Umdenken stattgefunden.

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.