Über dem Werksgelände in Bruchsal drehen die ersten vollelektrischen Senkrechtstarter schon länger ihre Runden. Nun will die Volocopter GmbH mit der Produktion einer ersten Kleinserie auch unternehmerisch richtig durchstarten. „Der volo wird bald für viele Menschen in den Ballungsräumen der großen Metropolen wahr“, kündigt Unternehmensgründer Alexander Zosel selbstbewusst an. Mit den in Bruchsal gefertigten Modellen der aktuellen Volocopterserie 2x will Zosel nämlich nichts Geringeres als den großstädtischen öffentlichen Nahverkehr in die dritte Dimension hieven.

„Aus unserer Sicht ist der Volocopter kein Spielzeug für reiche Privatleute“, stellt Zosel klar. Deshalb möchte das expandierende Unternehmen Konzepte für den Personenflugverkehr entwickeln und dafür auch eine eigene Multicopter-Flotte ins Rennen schicken. Dabei sollen Passagiere nach Zosels Einschätzung „wie Taxis mit festen Ein- und Ausstiegspunkten“ über den urbanen Großstadtdschungel geleitet werden. „Das wird aber kein Flugservice für Topmanager, sondern eher eine Gondelbahn ohne Seile“, betont Zosel. Teurer als ein Taxi werde ein Flug mit dem Volocopter allerdings trotzdem werden, doch dafür ersparten sich die Kunden die täglichen Staus im innerstädtischen Berufsverkehr.

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Bis zum ersten kommerziellen Flug eines bemannten Volocopters müssen allerdings noch einige rechtliche Hürden übersprungen werden. Die Zulassung der futuristischen Flugmaschine als Ultraleicht-Luftfahrtgerät haben die Unternehmensgründer Alexander Zosel und Stephan Wolf bereits seit 2016 in der Tasche. Für den Einsatz als Luft-Taxi fehlt aber noch die Serienzulassung für den kommerziellen Betrieb der Senkrechtstarter. „Die technischen Voraussetzungen für einen sicheren Einsatz unserer Maschinen haben wir bei der ersten Zulassung bereits nachgewiesen“, sagt Zosel. Neun Höchstleistungsbatterien versorgen derzeit die 18 Elektroantriebe. Leer wiegt der Volocopter 290 Kilogramm, maximal zugeladen werden dürfen 160 Kilogramm. Die Reichweite – bei einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde – beträgt 27 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 Kilometern pro Stunde. Ein spezielles Batterie-Wechselsystem macht den Volocopter 2x in nur wenigen Minuten wieder einsatzbereit. Allerdings denkt der Innovationsmanager auch bei den Zulassungen gleich mehrere Schritte voraus. Fernziel ist nämlich die Genehmigung eines selbstfliegenden Senkrechtstartes. „Nur dann kann eine Flotte in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden“, sagt Zosel.

Strategische Partnerschaften helfen beim Expansionskurs

Für die Umsetzung all dieser Ziele will das Unternehmen künftig kräftig expandieren und die Belegschaft von derzeit 50 festangestellten Mitarbeitern sukzessive ausbauen. Die Weichen für die Stärkung des Standortes Bruchsal wurden bereits durch die Zusammenarbeit mit Mitgesellschaftern wie Intel und Daimler gestellt. „Das sind vor allem strategische Partnerschaften, die uns bei der technischen Entwicklung und der Suche nach qualifizierten Spezialisten weiterhelfen“, betont Zosel. Ein Verkauf des Unternehmens oder die Beteiligung eines Großinvestors stehe nämlich auch künftig nicht zur Debatte und selbst eine freundliche Übernahme durch einen Großkonzern könnte sich für die hohe Innovationsfähigkeit des Unternehmens am Ende als Hemmschuh erweisen. „Über 60 Jahre gab es in der Luftfahrtgeschichte nichts Neues. Weil wir das ändern wollten, haben wir seinerzeit mit unserer Pionierarbeit begonnen und diese Geschichte möchten wir unbedingt selbst fortschreiben“, sagt Zosel.

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2011 ging der erste bemannte Multicopter-Flug über die Bühne

Bereits Anfang 2011 wurde die Gesellschaft e-volo zur Entwicklung eines elektrisch betriebenen Multicopters mit 18 Rotorblättern von Zosel und seinen beiden Mitgründern Stephan Wolf und Thomas Senkel aus der Taufe gehoben und noch im selben Jahr ging auf einer Wiese in Rheinstetten-Forchheim mit einer Eigenkonstruktion der erste bemannte Flugversuch über die Bühne. „Das war gefährlich und auch verboten“, blickt Zosel mit gemischten Gefühlen zurück in die Anfangszeit. 2013 folgte dann der Jungfernflug des ersten Prototypen der Serie VC 200 in der dm-Arena auf der Messe Karlsruhe. Mit 22 Metern Höhe und 12 500 Metern Grundfläche bot die säulenlose Multifunktionsarena die idealen Bedingungen für den Test einer Flugmaschine.

Der erste unbemannte Flug eines autonom gesteuerten Volocopters 2x fand im September 2017 unter großem Medieninteresse in Dubai statt. Das öffentlichkeitswirksame Trommeln beherrscht der erfahrene Unternehmensgründer Zosel ohnehin aus dem Effeff. Innerhalb des Unternehmens waren die Verantwortlichkeiten deshalb schon immer klar verteilt. Während sich Zosel bis vor allem um Vermarktung, Innovation und Öffentlichkeitsarbeit kümmert, ist Wolf nach wie vor für die technische Entwicklung zuständig. Geschäftsführer sind mittlerweile Florian Reuter und Jan-Hendrik Boelens. Senkel hat das Unternehmen vor zwei Jahren auf eigenen Wunsch verlassen und kümmert sich nun um kleinere Projekte.

Volocopter erhält Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe

Für die Entwicklung eines visionären Lufttaxis erhielten Zosel und Wolf schon zahlreiche renommierte Auszeichnungen wie 2012 den Innovationspreis der renommierten Lindbergh-Foundation sowie 2014 den CyberChampions Award des Karlsruher IT-Netzwerks Cyberforum. Ende 2017 wurde die Volocopter GmbH mit dem NEO2017, dem Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe, ausgezeichnet. „Das Fluggerät für zwei Passagiere mit reinem Elektroantrieb lässt sich intuitiv per Joystick steuern, auch ferngesteuerte und autonome Flüge sind möglich. Außerdem ist der Volocopter viel leiser als andere senkrecht startende Fluggeräte.

Als Lufttaxi, das sich per App zu bestimmten Startplätzen bestellen lässt, soll der Volocopter 2x autonom fliegend wichtige Knotenpunkte wie Flughäfen oder Businesszentren mit der Innenstadt verbinden und so Brücken, Tunnel oder Stadtautobahnen entlasten“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Viel wichtiger als das Preisgeld in Höhe vom 20 000 Euro war für Zosel allerdings die Anerkennung der bisherigen Arbeit und das positive Echo in der Öffentlichkeit. „Deshalb wollen wir das Preisgeld für einen Tag der offenen Tür verwenden“, kündigt Zosel an. Dann könnten sich die Besucher vor Ort über die Fortschritte der aktuellen Entwicklungen informieren und die futuristischen Flugmaschinen aus nächster Nähe inspizieren.

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