Wer auf der Suche nach einer Stadt ist, in der die Mobilitätswende in vollem Gange ist und die Future Mobility schon heute gelebt wird, sollte einen Blick nach Karlsruhe werfen.

Immer mehr Menschen verlegen ihren Lebensmittelpunkt vom ländlichen Raum in urbane Ballungsgebiete. Das hat Konsequenzen – und zwar nicht nur für die kleineren Gemeinden auf dem Land, die zunehmend vergreisen, sondern auch für die Großstädte. Die Immobilienpreise explodieren, der öffentliche Nahverkehr ist überlastet, Parkraum wird zur Mangelware und immer mehr Autos verstopfen die Straßen und machen das Pendeln mit dem Fahrrad vielerorts zu einem lebensgefährlichen Abenteuer.

Egal, wie man es dreht und wendet: neue Verkehrskonzepte sind dringend notwendig. Aber wie sieht sie aus, die Future Mobility? Wie kann man den Bedürfnissen der Menschen und ihren individuellen Lebenssituationen Rechnung tragen? Die Mobilitätsregion Karlsruhe macht’s vor.

Verkehrswende: Die Mobilität der Zukunft hat viele Facetten

Wer sich schon einmal mit Großstädtern unterhalten hat, wird schnell feststellen, dass die Interessenslage durchaus heterogen ist. Autofahrer sind genervt von Radfahrern, die einfach über rote Ampeln fahren. Radfahrer sind genervt von Autofahrern, die auf dem Radweg parken. Und der öffentliche Nahverkehr? Der ist wahlweise unzuverlässig, unpünktlich oder die Anbindung ist – zumindest subjektiv betrachtet – nicht gut genug.

Und tatsächlich wird man allein mit Bussen und Bahnen nie allen individuellen Lebenssituationen und Bedürfnissen Rechnung tragen können. Aber eben auch nicht allein mit Autos oder Fahrrädern. Es gibt nicht DAS eine Verkehrsmittel der Zukunft. Vielmehr besteht die Future Mobility aus einem Mobilitätsmix.

In Karlsruhe hat man das vergleichsweise früh verstanden – und so entwickelt sich der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) langsam aber sicher vom klassischen Verkehrsverbund hin zum Mobilitätsverbund. Das regiomove genannte Modell vereint das Angebot von Bus und Bahn mit jenem von Carsharing- und Leihfahrrad-Diensten. An Knotenpunkten, den sogenannten „Ports“, können die Fahrgäste künftig auf das Verkehrsmittel umsteigen, das sie am schnellsten und effizientesten zum Ziel bringt. So wäre es denkbar, mit dem Leihfahrrad von der Wohnung zur Bushaltestelle zu fahren, die Fahrt mit dem Bus fortzusetzen und schließlich auf ein Carsharing-Fahrzeug umzusteigen, um das eventuell nicht ganz so gut angebundene Gewerbegebiet zu erreichen. Die Buchung und Abrechnung aller Services läuft komfortabel über eine App, die dem Nutzer auch gleich noch die schnellste Route inklusive der zu wählenden Verkehrsmittel vorschlägt.

regiomove Karlsruhe
Die regiomove-Ports sollen künftig umsteigefreundliche Mobilitäts- und Serviceangebote bieten. Die Hochschule Karlsruhe –Technik und Wissenschaft hat das Prinzip eines Ports visualisiert.

Autonome Carsharing-Autos nehmen Schlüsselrolle ein

Mit dem Testfeld Autonomes Fahren stellt Karlsruhe bereits seit einiger Zeit die Weichen für die Mobilität der Zukunft. Davon überzeugte sich erst Anfang Juli Baden-Württembergs Verkehrsministers Winfried Herman, der sich per Smartphone-App ein autonomes Taxi rufen konnte und im Anschluss auf dem Campus Ost des KIT automatisiert durch einen Parcours chauffiert wurde. Ampeln, Fußgänger und Radfahrer – allein kein Problem für das autonome Fahrzeug.

Gleichzeitig ist Karlsruhe Deutschlands Carsharing-Hauptstadt. In keiner anderen Stadt gibt es – bezogen auf die Einwohnerzahl – so viele Carsharing-Fahrzeuge, wie in der Fächerstadt. Um genau zu sein 1,9 pro 1.000 Einwohner. Das liegt in erster Linie an der gut ausgebauten Infrastruktur für Busse, Bahnen und Fahrräder. Für Karlsruher ist es schlicht nicht erstrebenswert, ein eigenes Auto zu besitzen, wenn man einen Großteil der Strecken mit anderen Verkehrsmitteln zurücklegen kann. Und wenn man dann doch mal ein Auto braucht, greift man eben zum Sharing. Eine Win-Win-Situation für Mensch und Umwelt.

Verbindet man nun das Thema „Autonomes Fahren“ mit dem Thema „Carsharing“ sind wir mittendrin in der Stadt der Zukunft. In dieser wird es kaum noch private Pkw geben. Stattdessen ruft man sich bei Bedarf per App ein autonomes Carsharing-Fahrzeug und lässt sich zum Zielort fahren. Vollelektrisch versteht sich. Auch Parkplatzprobleme gehören dann der Vergangenheit an, da die autonomen Fahrzeuge rund um die Uhr unterwegs sind und nicht mehr die meiste Zeit am Straßenrand stehen, wie es heute bei privaten Autos der Fall ist.

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