Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt gilt als Leitmesse der Mobilität. Wer auf der IAA allerdings inmitten des Dieselskandals nach brauchbaren Elektroautos sucht, wird enttäuscht. Stattdessen beschränken sich die Hersteller auf futuristische Konzepte und Luxus-Studien, die irgendwie, irgendwo, irgendwann mal auf den Markt kommen „könnten“.

Mitte 2012 begann Tesla mit der Auslieferung des Model S an die ersten Endkunden. Im September 2015 folgte das Model X – und erst kürzlich lief die Produktion des Model 3 an. Schon mit dem Model S entstand der Hype rund um die Marke Tesla, der in vielerlei Hinsicht unbegründet ist. Aber wenn man dem von Elon Musk geführten Unternehmen etwas hoch anrechnen muss, dann das Tesla auch nach fünf Jahren noch der einzige Autohersteller ist, der die Elektromobilität voranbringt und deren Image in der Öffentlichkeit stärkt.

Lange Zeit wurde Tesla von den deutschen Autoherstellern nur belächelt. Viele dachten, dass das daran liegt, dass Mercedes, Audi und BMW längst an eigenen Elektroautos arbeiten und Tesla bald (also vor zwei Jahren oder so) die Stirn bieten werden. Die IAA 2017 zeigt leider deutlich, dass dem nicht so ist.

Die Probleme der Elektromobilität werden ignoriert

Wenn man sich mit deutschen Autofahrern über das Thema Elektromobilität unterhält, wird neben dem hohen Preis der Fahrzeuge und der fehlenden Ladeinfrastruktur vor allem die geringe Reichweite bemängelt. Es gibt zwar Studien, die belegen, dass die meisten Menschen am Tag nicht mehr als 30 oder 40 Kilometer mit dem Auto zurücklegen, aber das interessiert Otto Normalverbraucher nicht. Wenn ein Elektroauto nicht mehr als 400 Kilometer weit mit einer Ladung kommt (und das auch im Winter), ist es für die Mehrheit der Deutschen uninteressant.

Schauen wir uns an, wie die deutschen Premium-Hersteller mit dieser Erkenntnis umgehen. Zum Beispiel BMW. Schon seit einigen Jahren hat BMW den i3 im Programm. Das kompakte Elektroauto ist zwar keine Schönheit, fährt sich aber gut und punktet mit einem hochwertigen Interieur. Wer vernünftig und angepasst fährt, schafft mit dem i3 rund 200 Kilometer.

Zur IAA zeigt BMW nun den Facelift des i3. Inmitten des Dieselskandals und in Anbetracht der Elektroauto-Prämie läge es nahe, alles daran zu setzen, die Reichweite des i3 zu steigern und ihn so salonfähiger zu machen. Bei BMW hat man sich stattdessen dazu entschlossen, ein Sport-Version (!) des i3 auf den Markt zu bringen. Der BMW i3s zeichnet sich dadurch aus, dass er schneller von 0 auf 100 km/h beschleunigt (!!) und über ein Sportfahrwerk (!!!) verfügt. Nochmal: Ein BMW i3 mit Sportfahrwerk! Ob man damit die Kurve zur Ladesäule besser nehmen kann, wenn die Reichweite nach zehn Kick-downs an der Ampel auf zwei Kilometer geschrumpft ist, bleibt abzuwarten.

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Luxus-Studien sind wichtiger als alltagstaugliche Elektroautos

Außerdem hat BMW noch den i Vision Dynamics im Gepäck. Ein elektrisches Konzeptauto, das bis zu 600 Kilometer weit fahren soll. Das Sportcoupé soll 2021 auf den Markt kommen. Also neun Jahre nach dem Tesla S. Spannend ist der BMW i Vision Dynamics allemal. Aber er ist eben nur ein weiteres teures Oberklasse-Spielzeug der Zukunft und kein alltagstaugliches Elektroauto.

Damit befindet sich BMW auf der IAA in guter Gesellschaft. Auch Audi zeigt mit dem Aicon eine viertürige Luxuslimousine, die nicht nur 800 Kilometer weit kommen soll, sondern auch noch autonom fährt. Auf dem Papier. Denn natürlich handelt es sich auch hier nur um eine Studie, die so wahrscheinlich nie in Serie geht.

Bei Porsche hat man auf das Thema Elektromobilität gleich ganz verzichtet. Dafür gab es den neuen Cayenne Turbo und 911 GT3. Fahrspaß statt Future Mobility. Kann man so machen.

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Bleibt noch Mercedes. Zum Auftakt gab es den Mercedes-AMG Project One zu bestaunen. Ein Super-Sportwagen mit 1000 PS, für den man rund drei Millionen Euro auf den Tisch legen muss. Als der auf 275 Fahrzeuge limitierte AMG Project One vorgestellt wurde, war er übrigens bereits ausverkauft.

Zugleich war Mercedes jedoch der einzige Hersteller, der nicht nur Konzepte und Designstudien zeigte, sondern mit dem Mercedes GLC F-Cell auch ein neues Modell, das bereits 2018 in Serie geht. Der Kompakt-SUV kombiniert einen Elektromotor mit einer Brennstoffzelle und produziert als einziges Abgas Wasserdampf. Wie sich der 60.000 Euro teure Plug-in-Hybrid in der Praxis schlägt, bleibt abzuwarten. Vor allem das kaum vorhandene Netz an Wasserstofftankstellen könnte zum Problem werden.

Und sonst so? Das Concept EQA, das erste vollelektrische EQ-Konzeptfahrzeug von Mercedes-Benz im Kompaktsegment, zeigt wohin die Reise geht. Ist am Ende des Tages aber eben auch nur eine Studie.

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Bis zum Jahr X wird jedes Auto…

Audi: „Bis 2025 wird jeder dritte ausgelieferte Audi mit einem Elektromotor ausgestattet sein!“

VW: „Bis 2025 soll es 23 reine Elektroautos geben!“

BMW: „Bis 2025 gibt es 25 elektrifizierte Modelle von BMW!“

Mercedes: „Bis 2022 gibt es im gesamten Fahrzeug-Portfolio jeweils mindestens eine elektrische Variante!“

Wir erinnern uns: Das erste Tesla Model S mit fast 500 Kilometern Reichweite wurde 2012 ausgeliefert…

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