Inreal macht Immobilien virtuell erlebbar – und das mit großem Erfolg. Wir haben mit Inreal-CEO Enrico Kürtös über die Möglichkeiten von Virtual Reality-Anwendungen in der Immobilienvermarktung gesprochen.

Inreal wurde 2011 in Karlsruhe gegründet. Erzählt uns doch erst einmal etwas über die Geschichte eures Unternehmens und wie die Idee entstand?

Auslöser war ein Hausumbau-Projekt im Bekanntenkreis: Das Endergebnis entsprach überhaupt nicht den Wünschen und Vorstellungen. Das Problem entstand durch die zweidimensionalen Grundrisse, auf denen die Planungen zu sehen waren. Das gedanklich auf das bestehende Haus zu übertragen, überstieg die Vorstellungskraft. Und letztlich haben Auftraggeber und die ausführende Firma aneinander vorbeigeredet. Wir haben überlegt, wie man diese Hürde umgehen und solche Enttäuschungen zukünftig verhindern könnte. Sicherlich auch durch unsere Erfahrungen als Gamer sind wir darauf gekommen, Immobilien virtuell begehbar zu machen, um die Vorstellungskraft zu unterstützen. Relativ schnell ist uns aufgefallen, dass man mit dieser Idee den Vertrieb von Neubauimmobilien völlig neu denken kann. 

„Eine Immobilie betreten, bevor sie fertiggestellt wurde? Klingt eigentlich unmöglich,“ heißt es auf eurer Website. Aber ihr habt es möglich gemacht. Wie genau funktioniert das und welche Rolle spielt dabei das Thema Virtual Reality?

Die Virtual Reality-Technologie ist die Basis aller unserer Lösungen. Wir bauen die Wohn- oder Büro-Immobilien unserer Kunden oder ihr ganzes Areal in jedem Fall zunächst digital in 3D auf. Es entsteht ein genaues, detailliertes und fotorealistisches virtuelles Abbild. Da wir eine Echtzeit 3D-Engine und keine statischen Renderings nutzen, kann man sich dann frei in der Immobilie oder durch das Areal bewegen – und es sieht aus jeder Perspektive gut aus. Mit Hilfe der Echtzeit-Technologie kann man außerdem während der Begehung Ausstattungen, Raumaufteilungen, Farben und Bodenbeläge tauschen und das Ergebnis sofort visuell überprüfen.

Je nach Einsatzzweck und Zielen unserer Kunden integrieren wir auch die Umgebung der Immobilie in die virtuelle Welt. Das führt dazu, dass man schon vor Baubeginn den tatsächlichen Ausblick aus den Fenstern genießen kann – oder einen Blick in die Zukunft wirft, wenn wir den in ein paar Jahren geplanten Baufortschritt virtuell umsetzen.

Nehmen wir an, ich vermarkte Immobilien. Warum sollte ich unbedingt mit Inreal zusammenarbeiten? Welche Informationen muss ich euch liefern und welche Vorteile bietet mir danach eure Lösung?

Wer seine Immobilien früher, schneller und einfacher vermarkten möchte, kommt schwer um uns herum. Mit einer virtuell aufgebauten Immobilie kann die Vermarktung lange vor dem ersten Spatenstich und ohne Musterflächen beginnen. Zunächst bieten wir die Kombination aus Begehung und Konfiguration für die 1:1-Situation zwischen Makler und Interessenten. Spielerisch und dialogorientiert arbeitet der Makler damit alle Vorteile und Verkaufsargumente seiner Immobilie heraus. Dabei kann zielgerichtet auf Wünsche und Bedürfnisse der Interessenten eingegangen werden. Durch die visuelle Umsetzung wird dabei ihr Vorstellungsvermögen unterstützt. Das Erkunden und Verstehen der Immobilie wird einfacher. Letztlich beschleunigen unsere Kunden die Entscheidungsprozesse ihrer Interessenten bis zum Abschluss. Durch geringere Investitionen in Musterflächen und die kürzeren Vermarktungszyklen sinken die Kosten.

Über einen Online-Konfigurator haben wir die virtuellen Ansichten und Konfigurationen von Immobilien auch über das Internet verfügbar gemacht. Interessenten werden auf diesem Weg frühzeitig aktiv in den Verkaufsprozess von Immobilien eingebunden werden. Sie können unabhängig von Zeit, Ort und Verfügbarkeiten von Vertriebsmitarbeitern unserer Kunden Ihre Wohnungen ansehen und konfigurieren. Am Ende entsteht eine Wunschkonfiguration oder eine Reservierung, die auch an den Makler geht. So werden qualitativ hochwertige Leads generiert. 

Unser Online-Konfigurator ist darüber hinaus mit einem passenden Analytics-Modul verknüpft. Das sichert Echtzeit-Einblick in den Stand der Vermarktung des Objekts und in das Nutzungsverhalten der Interessenten. Mit der Wunschkonfiguration und den Konfigurationsschritte eines einzelnen Interessenten kann ein folgender persönlicher Termin gezielt vorbereitet werden. Aus dem Verhalten aller Nutzer des Konfigurators kann nachvollzogen werden, mit welchen Wohnungen und Ausstattungslinien sich wie viele Interessenten beschäftigen. Auf dieser Basis können Marketing- sowie Vertriebsmaßnahmen an die tatsächliche Nachfrage angepasst werden. Letztlich helfen wir auch dabei, zum bestmöglichen Preis zu verkaufen: Wird eine Einheit besonders stark nachgefragt, sollte dass Auswirkungen auf den Preis haben.

Sobald wir Grundrisse und erste Renderings haben, können wir mit der Arbeit beginnen. Allerdings gilt: Je mehr Informationen, desto besser. Entwürfe von Innenarchitekten, Baubeschreibungen oder Details zu Designlinien helfen natürlich bei der virtuellen Umsetzung der Immobilie.

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Wie ist bislang das Feedback aus der Immobilienbranche? Wie kommt euer Tool bei potentiellen Wohnungsinteressenten an?

Viele Kunden nutzen unsere Lösungen für virtuelle Begehungen und Konfigurationsmöglichkeiten für Immobilien schon seit Jahren für die Vermarktung. Wir arbeiten sehr erfolgreich zusammen. Unsere Erfahrung zeigt: Wer sich bei einem Projekt für die Nutzung entschieden hat, beauftragt danach immer wieder. Auch für unsere Kombination aus Online-Konfigurator und Analytics konnten wir Kunden vom Mehrwert überzeugen und haben Systeme im Live-Betrieb. 

Potentielle Wohnungsinteressenten sind von virtuellen Immobilien überrascht und begeistert – das berichten uns viele Kunden. Gerade haben wir die Rückmeldung erhalten, dass Interessenten es besonders gut finden, dass sie keine VR-Brillen für die Begehungen nutzen müssen. Das sei bequemer und entspannter. 

Enrico Kürtös
Enrico Kürtös ist der CEO von Inreal.

Autos, Wohnungen, Möbel – werden wir in ein paar Jahren alles durch VR-Brillen erleben, bevor wir es kaufen? 

Ja und nein. VR-Billen werden sich weiter verbreiten, wenn es nach uns geht allerdings nicht im Immobilienvertrieb. Wir setzen für unsere Lösungen nicht auf VR-Headsets. Werden unsere virtuellen Welten in einer 1:1-Situation zwischen Makler und Interessent genutzt, sind die menschliche Interaktion und der Dialog ein wichtiger Teil des Präsentations- und Verkaufsprozesses. Das wollen wir nicht durch eine VR-Brille beeinträchtigen oder sogar unterbinden.

Wollen unsere Kunden über den Online-Konfigurator möglichst viele potentielle Kunden zuhause erreichen und Leads generieren, sollen natürlich eine zu geringe Verbreitung der VR-Brillen oder die wenig ausgeprägte Akzeptanz in der Zielgruppe nicht den möglichen Erfolg schon von Anfang an torpedieren.

Theoretisch könnte man mit der Virtual Reality-Technologie auch andere Bereiche visualisieren, beispielsweise Außenanlagen. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, euer Geschäftsfeld auszuweiten?

Außenanlagen setzen wir bereits virtuell um. Wir richten uns dabei nach dem Einsatzzweck und den Zielen unserer Kunden. Wenn die Außenanlagen oder die direkte Umgebung zu den Alleinstellungsmerkmalen des Projekts gehören, müssen sie natürlich Teil der Präsentation und damit der virtuellen Welt sein. Über den Einsatz für Wohn- und Büroimmobilien sowie die zugehörigen Areale werden wir unsere Geschäftstätigkeit Stand heute nicht ausdehnen. Einige Sonderprojekte haben wir allerdings schon umgesetzt. Die virtuelle Vermarktung von Werbe- und Shopflächen an einem großen Flughafen gehört zum Beispiel dazu, genau wie der virtuelle Aufbau des neues Fußballstadions in Karlsruhe.

Welche Rolle spielt für euch der Standort Karlsruhe?

Grundsätzlich bietet uns Karlsruhe alles, was wir als Technologie-Unternehmen brauchen: Das CyberForum ist ein starkes Netzwerk, das für den Austausch der sehr innovativen IT-Szene sorgt. Über das KIT haben wir die Chance, frühzeitig gut ausgebildete Kollegen für uns zu gewinnen. Außerdem ist Karlsruhe gut an die Verkehrsinfrastruktur angebunden: Wir sind schnell im Zug oder auf der Autobahn – und damit auf dem Weg zu unseren Kunden. Ein wichtiger Faktor für uns ist die Lage von Karlsruhe mit der Nähe zum Schwarzwald und zum Elsass sowie den kurzen Wegen nach Frankfurt oder Stuttgart. Das begeistert viele unserer Teammitglieder, die einheimischen und die zugezogenen.