Google Glass und Apple Watch sind die wohl bekanntesten Vertreter der sogenannten Wearables. Die tragbaren Minicomputer sollen unser Leben verbessern. Aber können Sie auch Prozesse in Unternehmen optimieren

Jahrzehntelang war es so, dass Technologie erst im professionellen Umfeld reifte und später dann seine Verwendung im Consumer-Bereich fand. Geprägt wurde dieses Paradigma von dem frühen IBM-Chef Thomas J. Watson, der 1943 erklärte: „Ich glaube, es gibt einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer.“ Diese Meinung hielt sich hartnäckig bis in die 1980er Jahre. Computerhersteller wie Texas Instruments, Fairchild, IBM und DEC entwickelten keine Fantasie für den Rechner im Wohnzimmer. So soll DEC-Chef Ken Olsen diese Idee eines Mitarbeiters mit der Begründung abgewiesen haben, dass er sich keine Privatperson vorstellen könne, die einen solchen Computer haben wolle.

Das änderte sich Anfang der Achtziger Jahre rasant. Der Endkunde war das neue Ziel der Hersteller und wurde fortan mit Spielecomputern, PCs und Macs ausgestattet. Um die Geräte entstand ein riesiger Markt aus Druckern, Laufwerken, Soundkarten, Modems und anderer Peripherie. Es war auch die Geburtsstunde der Digital Natives, also derjenigen, die mit IT-Technologie aufwachsen und den Umgang mit Bits und Bytes als gegeben hinnehmen werden.

Die Consumerization der IT

Zu Beginn des neuen Jahrtausends begann die Ausbreitung mobiler Datennetzwerke und der Weg war frei für neue Produkte: die Smartphones und Tablets. Mit dem iPhone und dem iPad änderte Apple quasi über Nacht die Regeln: Die Nutzer wollten die stylischen und leistungsfähigen Geräte nicht nur privat, sondern auch im professionellen Umfeld nutzen. Ab sofort sprach man von der „Consumerization der IT“. „Bring your own Device“ wurde zum heißen Thema zwischen Mitarbeiter, Unternehmensführung und IT-Entscheider.

Nun haben wir 2014 und Apple lässt nicht locker. Spätestens seit der Vorstellung der Apple Watch ist auch dem Letzten klar geworden, dass die Gruppe der sogenannten Wearables aufs Neue die Kreativität, Fantasie und vor allem Flexibilität der IT-Entscheider fordern wird. Denn die Frage ist überlaut zu hören: Wo finden Wearables ihren Platz in der Business-Welt?

Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Wearables ist zwar grundsätzlich zu eigen, dass sie bei der Anwendung am Körper des Nutzers befestigt sind, aber an unterschiedlichen Körperteilen und mit unterschiedlichen Funktionen ausgestattet. Neben den Smartwatches zählen vor allem Fitness-Tracker, Datenbrillen und Kopfhörer mit sensorischen Funktionen zu den Wearables. Sie zeichnen Daten auf und verarbeiten diese direkt selbst oder übertragen die erfassten Daten zum Beispiel via Bluetooth an Smartphones oder Laptops weiter. Der Gedanke liegt nah, diese Daten auch für Unternehmen nutzbar zu machen.

Einsatzszenarien für Wearables im Business

Die Beratungsgesellschaft PwC beschreibt in ihrem Report „The future of work: A journey to 2022„, wie Sensoren am Körper von Monteuren ihre Konzentration, die Arbeitsleistung und Stimmung messen. Diese Erkenntnisse können dazu dienen, die Arbeitsprozesse zu optimieren und Ressourcen besser zu nutzen. In einem Lager der Firma Tesco in Irland ist dieses Szenario bereits Realität: Armbänder tracken die Warenverarbeitung. Computer im Hintergrund analysieren die individuelle Leistung und spielen die Ergebnisse zurück. Auf einem kleinen Display erhält der Arbeiter Anweisungen und Feedback zur Erfüllung seines Auftrags. „Ich sehe intelligente Uhren, intelligente Armbänder und auch intelligente Kleidung, wie sie meine Mitarbeiter in den Läden unterstützen“, sagt Tesco-CIO Mike McNamara. „Das wird in bei uns in rund fünf Jahren der Fall sein.“

Ein naheliegendes Einsatzgebiet verschiedener Wearable-Technologien – von Armbändern über Gurte bis hin zu Shirts – ist die Arbeit von Rettungskräften. Die Geräte liefern nicht nur lebensrettende Informationen zu Lebenszeichen und Standort, sondern stellen auch Kommunikationsfunktionen bereit. Bedürfnisse, die sich ebenso auf die Bereiche Bergbau und Landwirtschaft ausdehnen lassen. Am Beispiel eines Feuerwehrmanns demonstriert Google die Einsatzmöglichkeiten von Google Glass:

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Google hat viel Entwicklungsarbeit in das Prinzip Datenbrille gesteckt. Die Technologie kann auch Mechaniker und Ingenieure unterstützen, während der Arbeit Pläne oder Anweisungen vors Auge zu spielen, ohne die Hände dafür einsetzen zu müssen. Überhaupt ist die Freihändigkeit ein wichtiges Argument etwa in Gefahrenbereichen. Wearables sind zudem in der Lage, drahtlos mit anderen Maschinen zu kommunizieren und diese gegebenenfalls abzuschalten, falls ein Körperteil sich gefährlich nähert.

Auf dem Weg zum Internet der Dinge

Neben dem ganz konkreten Nutzen sind die Wearables ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Internets der Dinge. Innerhalb dieser Struktur erkennen sich die teilnehmenden Objekte automatisch und übernehmen Aufgaben. Ziel ist es, die Informationslücke zwischen der realen und virtuellen Welt zu minimieren.

Der Erfolg dieses Modells wird auch davon abhängen, wie Wearables in den nächsten zwei, drei Jahren von den Nutzern angenommen werden. Die Marktforscher sind zuversichtlich: IDC zufolge wird der Markt für Wearable Computing in diesem Jahr ein Volumen von mehr als 19 Millionen Einheiten erreichen. Das entspricht einer Verdreifachung der Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr. 2018 sollen Hersteller 111,9 Millionen Smartwatches, Fitnessarmbänder und andere tragbare Geräte ausliefern. Damit beträgt das durchschnittliche jährliche Wachstum in diesem Zeitraum 78,4 Prozent.

IDCs Fazit: „Es ist keine Frage des ob, sondern lediglich wann Wearables in das professionelle Umfeld einziehen werden.“

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