In diesem Jahr findet das CODE_n new.New Festival vom 8. bis 10. Oktober in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle statt. Ein zentraler Teil der Veranstaltung ist der globale CODE_n CONTEST. Wir stellen die Finalisten aus Baden-Württemberg vor. Heute: Renumics.

Euer Business-Modell in 140 Zeichen!

Wir helfen Maschinenbauingenieuren KI-basierte Ingenieurssoftware für ihre Kollegen und Kunden zu erstellen. So können bessere Produkte schneller entwickelt werden.

Renumics automatisiert Computer Aided Engineering (CAE) mittels künstlicher Intelligenz. Könnt ihr kurz erklären, was genau sich hinter dem Begriff CAE verbirgt?

Egal ob energiesparender Kühlschrank, smarte Fahrzeugkonzepte oder fliegende Autos: Die Ingenieure von herausragenden Produkten benötigen gute Ingenieurssoftware, um agil und effizient zu entwickeln. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Einbindung von numerischer Simulation in den Produktentwicklungsprozess: das sogenannte Computer Aided Engineering (CAE). So kann zum Beispiel die Fahrzeugsicherheit optimiert werden, bevor der erste physikalische Crashtest durchgeführt wird.

Was genau leistet die Künstliche Intelligenz beim simulationsgetriebenen Design? 

Derzeit ist das Erstellen von Simulationsmodellen sowie das Durchführen und Auswerten von Simulationen sehr aufwendig und nur durch Experten möglich. Das Erstellen eines Crashmodells für ein Fahrzeug kann beispielsweise leicht viele 100 Stunden an manuellen Routinetätigkeiten in Anspruch nehmen. Mithilfe von maschinellen Lernverfahren können diese Tätigkeiten automatisiert werden. Simulationsexperten können so hochautomatisierte Ingenieurs-Apps zusammenstellen, mit denen Konstrukteure sehr schnell ihre Designs analysieren und validieren können.

Welche Kundensegmente sprecht ihr mit eurer Lösung an?

Derzeit fokussieren wir uns auf Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz im Bereich der Automobilindustrie, der Luftfahrt und des Maschinenbaus. Dort können unsere Lösungen aktuell den größten Mehrwehrt bieten. Langfristig sind wir davon überzeugt, dass die Technologie komplexe Ingenieurswerkzeuge, wie etwa die numerische Simulation, auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich machen wird.

Wie ist die Resonanz aus der Wirtschaft auf eure Produktlösungen?

Bisher sind wir mit der Resonanz sehr zufrieden. Zu unseren Kunden zählen bereits einige Weltmarktführer im Bereich der Automobilindustrie und des Maschinenbaus. 

Werfen wir einen Blick über den Tellerrand: Egal, wo man hinsieht, gefühlt verfügt inzwischen jedes neue Produkt in irgendeiner Form über „AI“ – seien es nun Smartphones, Fernseher oder sogar Kühlschränke. Ist das einfach nur geschicktes Marketing wird die künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren wirklich unsere Leben verändern? 

Es gibt definitiv derzeit einen Hype, den man hinterfragen muss. In den letzten Jahren gab es unbestreitbar sehr große Fortschritte in einer bestimmten Klasse von maschinellen Lernverfahren, den sogenannten tiefen neuronalen Netzen. Damit können mittlerweile sehr effizient komplexe Muster im Bereich der Sprach, Bild- und in unserem Fall der Geometrieverarbeitung eingelernt werden. Ob das dem allgemeinen Verständnis einer Intelligenz entspricht, ist allerdings eine ganz andere Frage. Wir sehen in der Technologie eine völlig neue Art, um datengetriebene Prozesse zu automatisieren. Das klingt nicht so sexy, wird aber dennoch einen großen Einfluss auf viele Branchen haben. Wir sind davon überzeugt, dass es dann vor allem auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine ankommt – wir haben deshalb auch den Anspruch eine „Augmented Intelligence“ und keine „Artificial Intelligence“ für Ingenieure zu bauen.

Wie steht ihr zum Standort Baden-Württemberg?

Ich bin davon überzeugt, dass wir für unser Unternehmen keinen besseren Standort wählen könnten. In Karlsruhe haben wir durch das KIT viele hervorragend ausgebildete Informatiker und Ingenieure – und im Vergleich zu München oder dem Silicon Valley noch erträgliche Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig finden sich im Umkreis von 200 Kilometer rund um Stuttgart so viele mögliche Kunden, wie wahrscheinlich sonst nirgendwo auf der Welt. Schließlich gibt es hier viele wertvolle Netzwerke und Förderprogramme insbesondere für B2B-orientiere Start-ups.

Sucht ihr aktuell Verstärkung, wenn ja, in welchen Bereichen?

Wir suchen immer motivierte Studenten, die im Rahmen einer Werksstudententätigkeit, eines Praktikums oder einer Abschlussarbeit unser Team verstärken wollen. Im nächsten halben Jahr wollen wir außerdem das Team um zwei Software-Entwickler vergrößern. 

Was ist das größte Problem, das Ihr in den nächsten 12 Monaten lösen müsst?

Wir werden aufbauend auf unser bestehenden Plattform Mitte 2019 unser erstes Standardprodukt auf den Markt bringen.

Steckbrief

Name: Renumics GmbH

Geschäftsfeld: Ingenieurssoftware

Standort: Karlsruhe

Mitarbeiter: 11

Gründer: Steffen Slavetinsky, Markus Stoll, Stefan Suwelack

Funding-Status: bootstrapped