Im Juni 2016 wurde die Forschungsallianz ForDigital zur Intensivierung der Vernetzung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Mannheim aus der Taufe gehoben.

Für die Förderung von interdisziplinären Forschungsprojekten im Themenbereich der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft wurden vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium drei Jahre lang jährlich 300 000 Euro zur Verfügung gestellt. Vor dem offiziellen Ablauf der Förderperiode am 30. Juni 2019 hat sich karlsruhe.digital mit Allianzsprecher Dr. Alexander Mädche vom KIT unterhalten.

Sehr geehrter Herr Dr. Mädche, wie fällt Ihre Bilanz nach drei Jahren Forschungsallianz aus?

Sehr gut. Und die beste Nachricht ist, dass die Allianz bis Ende 2020 kostenneutral verlängert wurde. Es wurde noch nicht der gesamte Etat ausgegeben und deshalb haben wir nun noch Spielraum für die Förderung weiterer Initiativen. In den vergangenen drei Jahren wurden von Forschern aus den beiden Universitäten und den Partnern jedoch bereits über 70 standortübergreifende Forschungsprojekte auf dem Weg gebracht. Und die meisten davon waren hochgradig interdisziplinär.

Dr. Alexander Mädche

Was genau bedeutet das?

Das bedeutet, dass Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker und Wirtschaftsinformatiker gemeinsam in diesen Projekten arbeiten. Es war auch von Anfang an das Ziel dieser Initiative, dass man die Leute aus den verschiedenen Fachrichtungen an einen Tisch bekommt und die Vernetzung in den Vordergrund stellt.

Wie hat die Vernetzung geklappt? Bei der Gründung der interdisziplinären Zentren am KIT hat es wegen der unterschiedlichen Herangehensweise an die Projekte bekanntlich einige Startschwierigkeiten gegeben.

Menschen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zusammenzubringen ist niemals einfach. Wir Wirtschaftsinformatiker aus Karlsruhe haben etwa viel mit den Psychologen aus Mannheim gemacht. Da dauert es eine Weile, bis man dieselbe Sprache spricht. Aber durch den Austausch kann man sich unheimlich gut befruchten.

Schließlich können Sozialwissenschaftler und Ingenieure sehr viel voneinander lernen. Am Ende stehen und fallen solche Projekte aber mit den Menschen, die daran arbeiten. Deshalb haben wir regelmäßige Veranstaltungen für den persönlichen Austausch der einzelnen Akteure organisiert. Dabei wurden die einzelnen Projekte vorgestellt. Da sieht man schnell, welche Leute sich für die einzelnen Themen öffnen können und entwickelt eine gemeinsame Sprache.

Warum arbeitet das KIT bei diesem Projekt mit der Universität Mannheim zusammen?

In Mannheim gibt es sehr viele Sozialwissenschaftler wie Soziologen oder Politologen. Und gerade in diesen Disziplinen sind wir in Karlsruhe nicht besonders breit aufgestellt.

Wie bringen Sozialwissenschaftler die Digitalisierung voran?

Digitalisierung hat auch immer etwas mit Menschen und der Gesellschaft zu tun. Moderne Informationstechniken zu entwickeln reicht deshalb alleine nicht aus. Aber die Frage, wie soziale Systeme auf solche technische Entwicklungen reagieren, benötigt zur Beantwortung weitere Kompetenzen.

Durch die gemeinsame Arbeit an den Projekten kann bereits im Gestaltungsprozess die soziale Dimension berücksichtigt werden. Das ist alles andere als trivial und erfordert unterschiedlichste Kompetenzen.

Welche konkreten Projekte wurden denn bislang umgesetzt?

Spontan fällt mir das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Usability ein. Da sieht man sehr gut, wie die betriebswirtschaftliche Kompetenz aus im Institut für Mittelstandsforschung in Mannheim mit dem Wirtschaftsinformatik-Know-How aus Karlsruhe verknüpft wurde. Ein tolles Projekt ist auch zusammen mit der EnBW entstanden. Da geht es um die Frage, wie man Digitalisierung im Bereich Steuern umsetzen kann. Und im Rahmen eines standortübergreifenden DFG-Forschungsprojektes geht es um die Optimierung des Ressourceneinsatzes in hochgradig individualisierten Produktions- und Logistiksystemen

Nun läuft die Forschungsallianz noch mindestens bis Ende 2020. Gibt es bereits einen Plan für die weitere Zusammenarbeit der beiden Universitäten?

In der Tat. Seit Anfang Mai steht fest, dass die Zusammenarbeit von KIT, Uni Mannheim und zusätzlich der Universität Tübingen künftig vom Land im Rahmen des Forschungsverbundes digilog@bw − Digitalisierung im Dialog gefördert wird. Dabei will man auch die Implikationen der Digitalisierung auf die Gesellschaft in den Fokus nehmen und Bürger und Bürgerinnen der Stadt Karlsruhe stärker involvieren.

In diesem Verbund sind Akteure von ForDigital dabei und dazu sind noch einige neue hinzugekommen. Gerade entlang der Rheinschiene sollten die Forschungseinrichtungen meiner Ansicht nach noch enger zusammenarbeiten. Daraus könnte ein Dreieck von Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim mit einer einzigartigen Kombination von Forschungskompetenzen entstehen.