Warum wählen Unternehmen häufig Startups aus dem Karlsruher CyberLab für gemeinsame Projekte aus? Wir haben mit Kinemic und dem Hochtechnologieunternehmen TRUMPF über ihre Kooperation gesprochen.

Als CyberLab-Team Kinemic entwickelt ihr Gestensteuerung für die Industrie. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Genau! Uns geht es darum, dass man Computer und andere technische Geräte einfacher bedienen kann. Die Gestensteuerung macht da schon vieles einfacher, weil man sich zum Beispiel Wege zu einer Tastatur spart oder kein Handy mehr aus der Tasche angeln muss. Das funktioniert mit einem Wearable, wie einer Smartwatch, mit dem wir die Bewegungen erkennen können. Das Spannende ist jetzt, dass wir natürlich nicht nur die Gesten erkennen können, sondern vielleicht noch viel mehr. So müsste man dem Computer dann gar nicht mehr sagen „Mach jetzt X“, sondern der Computer kann von alleine erkennen „Oh der Mensch macht ja gerade X, also mache ich Y“. 

Wie ist es zu der Kooperation mit TRUMPF gekommen und wie lief diese in der Praxis ab?

Wir haben damals einen Startup-Wettbewerb von code_n gewonnen und konnten dadurch unsere Technologie präsentieren. Auf dieser Ausstellung kam Jens auf uns zu und hatte direkt eine Menge Ideen! Ganz praktisch gesehen lief es dann so, dass wir einen ersten Termin bei Trumpf gemacht haben, um die Technologie noch einmal in Ruhe vorzuführen und zu besprechen. Daraus hat sich sukzessive eine ganze Reihe an weiteren Projekten entwickelt – erst kleine und dann immer größere. Mittlerweile gibt es einen festen wöchentlichen Termin, bei dem Arbeitsergebnisse und anstehende Aufgaben besprochen werden.

Was hat euch die Zusammenarbeit rückblickend gebracht und würdet ihr ein solches Projekt auch anderen Gründer*innen empfehlen?

Ok, das sind zwei Fragen, ich teile mal meine Antwort auf: Gebracht hat uns das wahnsinnig viel, sowohl technisch als auch unternehmerisch. Wir sind ja nicht nur in den direkten Projekten irre weit vorangekommen, sondern mit und über Trumpf auch in andere Projekte reingekommen, etwa größere Forschungsprojekte. Das hätten wir alleine nicht geschafft.

Jetzt zur zweiten Frage. Würden wir das empfehlen? Also, wenn das vom Geschäftsmodell her passt: Natürlich, auf alle Fälle! Ist aber, denke ich, ein großer Glücksfall, so einen passenden und motivierten Kunden zu finden. 

Welche Tipps habt ihr für andere Startups?

Hui, das ist schon sehr schwierig, so pauschal Tipps zu geben. Also vielleicht ganz grob, was uns immer geholfen hat, war Mentoring. Da gibt oder gab es auch ein Programm vom CyberForum. Ansonsten: Früh auf die Kunden zugehen, oft mit ihnen sprechen und natürlich gute Arbeit leisten.

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Hi Jens, du bist R+D Head Data & AI bei TRUMPF. Erzähl uns doch erst einmal ein paar Worte zu dir und was du bei TRUMPF genau machst.

Hallo, ja klar. Ich bin bei Trumpf im Bereich Werkzeugmaschinen zuständig für die Entwicklung rund um KI, was gerade ein enorm spannendes Feld ist.

Ein bisschen habe ich dabei auch die Rolle, in einem traditionell mechanisch geprägten Umfeld – unsere Maschinen bearbeiten Blech – dieses neue Thema bekannt zu machen und Berührungsängste abzubauen. In diesem Zuge arbeiten wir viel mit externen Partnern zusammen. Besonders gut klappt das mit den Startups im CyberLab. Bisher ging es vielfach um Leuchttürme, aber jetzt wollen wir skalieren.

Ich selbst komme eigentlich aus dem Bereich Maschinenbau und habe dazu auch am KIT promoviert, das ist aber schon eine Weile her. Ich habe damals an humanoiden Robotern geforscht. Das war sehr interdisziplinär und hat mich ziemlich geprägt.

Jens Ottnad Trumpf
Jens Ottnad ist R+D Head Data & AI bei TRUMPF.

Ihr seid Premiumpartner beim CyberLab und arbeitet auch immer wieder mit den dortigen Startups zusammen. Was macht gerade die Gründer*innen aus Karlsruhe für euch als Partner so interessant?

Naja, zunächst einmal sitzen wir hier ja fast auf dem KIT Campus, wo alle relevanten Studienrichtungen vom Maschinenbau über Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsingenieure und so weiter in Exzellenz vertreten sind. Da kommen natürlich auch gute Startups für den B2B-Markt bei raus. Dazu kommt die örtliche Nähe, was den Austausch einfach macht – vor allem, wenn man mal an eine echte Maschine will. Und viele unserer Mitarbeiter*innen kommen ja auch aus der Gegend oder haben hier ebenfalls studiert.

Ihr habt unter anderem auch ein Pilotprojekt mit Kinemic umgesetzt. Um was ging es dabei genau und wie lief das ganze ab?

Im ersten Schritt ging es darum zu gucken, ob und wie wir die Gestensteuerung von Kinemic für eine unserer Produktentwicklungen nutzen können. Für diese Produktentwicklung hat Kinemic dann die gesamte grafische Oberfläche gebaut. Dieser „Sorting Guide“ lebt davon, dass wir das Leben für die Werker einfacher machen.

Das ist harte Arbeit und die Jungs von Kinemic kennen sich hier sehr gut aus, denn ein überfrachtetes Display wird nie mit einfachen Gesten bedienbar. Mittlerweile machen wir aber ehrlich gesagt ganz andere Sachen, wobei die Bewegungserkennung schon immer noch ein Baustein bleibt. Aktuell arbeiten wir in der Produktvorentwicklung zusammen und haben gerade auch ein gemeinsames Forschungsprojekt gestartet.

Gibt es weitere spannende Projekte mit Karlsruher Startups, die anstehen oder bereits laufen?

Inzwischen haben wir mit zehn Startups aus Karlsruhe schon Projekte gemacht. Aktuell laufen sechs Projekte und alle haben mit KI zu tun, eines sogar mit Quantencomputing. Mindestens drei davon sind total klischeemäßig in der Küche im CyberLab entstanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn das wieder ungezwungen möglich wird.

Welche Tipps würdest du angehenden Gründer*innen mit auf den Weg geben?

Da ich selbst nicht als Gründer sprechen kann, ist das natürlich nur die Sicht von außen. Mich überzeugen Startups, die im ersten Schritt nicht gleich alles können wollen, sondern einen Fokus haben. Im zweiten Schritt ist immer die Frage, wie gut sie unsere Welt und Problemstellung verstehen und dann in der Lage sind, ihre Lösungen und Ideen anzupassen. Am Ende geht es um Offenheit, Vertrauen und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ich versuche das aktiv zu leben. 

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.