Die Digitalisierung betrifft schon lange nicht nur die Informations- und Kommunikationstechnologie oder die Industrie, vielmehr ist sie in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen. So werden in vielen Schulen bereits unterschiedliche digitale Medien eingesetzt. Wie verändert sich der Unterricht dadurch? Und wie schneiden deutsche Schüler in Sachen Medienkompetenz im internationalen Vergleich ab? Katja Loddo, Bildungsconsultant beim Cornelsen Verlag, gibt uns spannende Einblicke.

Liebe Frau Loddo, das Thema Medienkompetenz wird mit der zunehmenden Digitalisierung auch im Schulwesen immer wichtiger. Wie schneiden deutsche Schüler im internationalen Vergleich ab?

Katja Loddo – im Team Bildungsconsulting im Cornelsen Verlag erforscht sie, wie technologische Innovationen für das Lernen genutzt werden können (Bild: Cornelsen Verlag).

Die bereits viel zitierte ICILS Studie liefert einen guten Überblick. Sie hat gezeigt, dass deutsche Schüler im Mittelfeld liegen, wenn es um ihre Medienkompetenz geht. Ungefähr die Hälfte der Achtklässler befindet sich demnach auf der mittleren Kompetenzstufe, sie können also einfache Informationsprodukte bearbeiten und erstellen. Damit stehen sie im internationalen Vergleich leicht überdurchschnittlich dar. Es wird in der Studie aber auch ein dringender Handlungsbedarf formuliert, um international konkurrenzfähig zu bleiben und Schülern die Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen. So müssen digitale Medien konzeptionell in Lehr-Lernprozesse verankert werden.

Wie hat sich der Unterricht durch die Nutzung von Medien verändert? Welche digitalen Technologien sind bereits oft im Einsatz und welche eher seltener?

Bereits jetzt schon werden in Schulen unterschiedliche digitale Medien eingesetzt. In vielen Schulen findet man Smartboards, Laptops und auch Tablets. Besonders Lehrer nutzen digitale Medien als Werkzeug zur Unterrichtsvorbereitung und -durchführung. An vielen Schulen nutzen auch die Schüler digitale Geräte, vor allem Laptops zum Erstellen von Präsentationen und Recherchieren, aber auch zunehmend Tablets. Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist in Deutschland aber noch nicht so sehr Standard wie in Großbritannien oder den USA. Das zeigt auch die ICILS Studie nach der nur 9% der Lehrer digitale Medien täglich in ihren Unterricht integrieren. Das hat verschiedene Gründe.

Wie verändern digitale Medien den Unterricht? Gibt es gewisse Lernmethoden, die neu entstanden sind?

Grundsätzlich denke ich, dass das größte Potenzial digitaler Medien darin liegt, Schüler dazu zu befähigen eigene Lernprodukte zu erstellen. Produktionsorientierter Unterricht ist allerdings keine Erfindung der Digitalisierung. Digitale Medien ermöglichen es, dass Schüler beispielsweise durch eine App eigene Filme schon in kurzer Zeit produzieren, Portfolios aus Bild, Ton, Text, Video erstellen oder auch programmieren können. So erhalten sie einen neuen Zugang, sich mit Lerninhalten intensiv und kompetenzübergreifend auseinanderzusetzen und Lehrer haben stärkeren Einblick in den Lernprozess der Schüler, weil sie Fortschritte am Lernprodukt erkennen können.

Wie digital sind deutsche Schulen ausgestattet? Welchen Herausforderungen stehen Schulen derzeit noch gegenüber?

Wir sehen, dass Schulen sich zunehmend mit digitalen Medien ausstatten. Beispielsweise schaffen sich gerade vor allem Grundschulen Tablets an Doch diese Entwicklung schreitet eher langsam voran. Vor allem eine flächendeckende Ausstattung der Schulen mit WLAN gibt es noch nicht.

Gibt es bestimmte Unterrichtsfächer, die sich besonders für digitale Inhalte eignen?

Der Umgang mit Medien sollte in jedem Unterrichtsfach Thema sein. Medienbildung, also das Reflektieren von Darstellungsformen in Medien, ist traditionellerweise im Deutschunterricht verankert. Medien als Werkzeugebeispielsweise. für das Erstellen von Präsentationen, Filmen oder anderen Lernprodukten, können -richtig eingesetzt- in jedem Fach einen Mehrwert bieten.

Oftmals nutzen Schulen für ihre Wissensvermittlung Laptops oder Tablets. Wie unterscheiden sich die Geräte hinsichtlich der Gestaltungsmöglichkeiten des Unterrichts?

Laptops werden eher als Schreibgeräte eingesetzt. Sie bieten die Möglichkeit längere Texte oder Präsentationen zu erstellen und gestalten. Beispielsweise nutzen vor allem Gymnasien Laptops für den Fachunterricht. Tablets hingegen werden anders verwendet. Häufig für kreative Projekte, wenn Audio- und Filmaufnahmen sinnvoll sind, so beispielsweise. im Sprachunterricht. Grundschulen nutzen allerdings auch die Möglichkeiten von Lern-Apps zum. Üben von Matheaufgaben oder um damit Rechtschreibübungen zu machen.

Sie haben mit dem Cornelsen Verlag zusammen mit der Firma Samsung kürzlich ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Schülern der 7 bis zur 9. Klasse mittels Virtual Reality der Verdauungstrakt näher gebracht werden soll. Wie ist die Projektidee entstanden?

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Virtual Reality bietet ja viele Möglichkeiten durch das Eintauchen in andere Welten an Orte zu reisen, an die man nicht reisen kann und abstrakte Prozesse sichtbar zu machen. Das für Lernprozesse zu nutzen, liegt nahe. Wir wollten überprüfen, inwiefern die Technologie einen Mehrwert bieten kann. Dazu müssen Technologie- und Bildungsanbieter, sowie Lehrer und Schüler zusammenkommen.

Wie kann man sich diese interaktive Reise durch den Verdauungstrakt vorstellen?

Die Schüler arbeiten zu zweit. Einer taucht in die VR ein, der andere hat ein Tablet, mit dem er auch sieht, was gerade in der VR passiert. Der Schüler in der VR nimmt die Position eines Sandwiches ein, das verdaut wird. Dabei durchläuft er verschiedene Verdauungsorgane und -prozesse: Mund, Speiseröhre, Magen etc. Weiter kommt er aber nur, wenn er bestimmte beteiligte Organe fokussiert und Fragen richtig beantwortet, die nur auf dem Tablet erscheinen. Beide Schüler müssen also kooperieren, um sich Stück für Stück vorzuarbeiten.

Sie haben das Pilotprojekt auch an zahlreichen Schulen getestet. Wie fiel das Feedback der Schüler und das der Lehrer aus? Haben Schüler den Verdauungstrakt besser verstanden?

Zunächst einmal stieg die Motivation der Schüler natürlich enorm. Biologieunterricht mit Virtual Reality hat man ja auch nicht jeden Tag. Das fanden die Schüler toll und sie sind gerne in den Biologieunterricht gekommen. Wir haben gesehen, dass Schüler besser die Prozesse verstehen, also beispielsweise besser nachvollziehen, woher der Bauchspeichelsaft kommt, wohin er fließt und was er bewirkt. Da am Verdauungsprozess viele unterschiedliche Organe beteiligt sind, hat das Thema eine räumliche Komponente, die VR gut unterstützt. Wobei es nicht unbedingt hilft, ist das Erinnern von Fachbegriffen. Da hilft die bessere Visualisierung nur bedingt weiter.

Zu welchen Erkenntnissen sind Sie gekommen? Gab es Überraschungen, was die Nutzung von VR bei Schülern angeht?

Überrascht hat uns zum einen, wie schnell Schüler die Logik des Piloten verstanden haben. Sie sind es aus Computerspielen gewohnt, sich neue Welten und Regeln schnell selbst zu erschließen ohne großartige Erklärungen. Auch in unserem Pilotprojekt hat sich gezeigt, dass sie schnell genau wussten, wie diese VR Welt „funktioniert“. Zum anderen haben auch alle anderen Medien plötzlich einen anderen Stellenwert bekommen wie der herkömmliche Torso. In einem Moment in der Speiseröhre zu stecken und im anderen dann wieder von außen zu sehen, wie lang oder kurz diese im Verhältnis zu anderen Organen ist, war sehr gewinnbringend für das Verständnis.

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