Der Einkauf muss bei der Digitalisierung eine führende Rolle übernehmen. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Digitalisierung des Einkaufs – Einkauf 4.0“. Innerhalb von knapp neun Monaten sind insgesamt 25 Chief Procurement Officer und andere Verantwortliche namhafter Industrieunternehmen sowie Vertreter von zwei Hochschulen befragt worden. Die größte Herausforderung liegt demnach in der Vernetzung sowie im eigentlichen Zeitmanagement: Der Einkauf muss künftig in Echtzeit reagieren können.

Der digitale Strukturwandel der Industrie wird ohne den Einkauf nicht erfolgreich sein. Allerdings gehen die Meinungen über dessen Rolle weit auseinander. Sie reichen von „aktiver Treiber“ bis „lediglich Unterstützer“. Deshalb muss er sich stärker in die Diskussion um Industrie 4.0 einschalten. Das ist zumindest die Kernaussage der Studie „Digitalisierung des Einkaufs – Einkauf 4.0„, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. in Auftrag gegeben haben.

Industrie 4.0: einmalige Chance für den Einkauf

Glaubt man der Studie, bietet speziell das Internet der Dinge (IoT) dem Einkauf enorme Chancen. Er kann so als zentrale Schnittstelle zu internen und externen Partnern in der Wertschöpfungskette den Technologiestandard „Industrie 4.0“ den Weg ebnen. Und genau hier würde er zum Schrittmacher dieses Prozesses. Seine Erfahrung helfe ihm, die neue Qualität in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Firmen erfolgreich durchzusetzen. Industrie 4.0 richtet sich vor allem an den Einkauf und die Lieferkette. „Wenn von Digital Revolution die Rede ist, kreist die Debatte aber fast nur um Fragen der Produktion„, so die Studie. Der Einkauf verweigere sich nicht der Digitalisierung der Wirtschaft, sondern treibe sie voran. Ohne Procurement und Supply Chain werde Industrie 4.0 in Deutschland nicht stattfinden. Die vierte industrielle Revolution biete die einmalige Chance, der Forderung nach seiner strategischen Rolle gerecht zu werden. Und die Autoren der Studie könnten damit Recht haben. So erden die derzeitigen Diskussionen rund um Industrie 4.0 und IoT auf Grundlage der Produktion. Nebenschauplätze werden aktuell nur tangiert; von einer Berücksichtigung kann nicht die Rede sein. Zu einer ähnlichen aber nur kurz erwähnten Einschätzung kommt das Ampere-Magazin.

Innovation und Technologie fürs Unternehmen

Grund genug, in einer starken internen und externen Vernetzung das Maß aller Dinge zu sehen – zumindest wenn Industrie 4.0 erfolgreich entwickelt werden soll. Während die Vernetzung im eigenen Unternehmen alle Abteilungen gleichermaßen betrifft, ist insbesondere der Einkauf bei der externen Vernetzung gefordert. Der Austausch von Know-how mit anderen Unternehmen und Organisationen macht es erst möglich, von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren. Er ist Treiber der externen Vernetzung und trägt hier die volle Verantwortung. Ihm kommt bei der Umsetzung von Industrie 4.0 eine entscheidende Rolle zu: Er muss die Innovationen und Technologien ins Unternehmen bringen, damit es die vierte industrielle Revolution erfolgreich meistern kann. Und nochmal: Die Rede ist nicht von der Logistik beziehungsweise der Produktion. Dahingehend sind beide Segmente schon mittendrin.

Ebenfalls nicht zu vergessen: Der Einkauf muss künftig in Echtzeit reagieren können. Das geht nur, wenn er zuvor seine Prozesse weitestgehend digitalisiert hat. Er muss ein zunehmend digitalisiertes Beschaffungsportfolio managen. Nicht nur seine Prozesse selbst, sondern auch die zu beschaffenden Produkte unterliegen dem Wandel der Digitalisierung. Eine enorme Herausforderung. Dass dabei das Berufsbild des Einkäufers sich wandelt ist selbstredend, oder? Seine traditionelle Rolle ist meines Erachtens passé. Er wird fortan zum digitalen Schnittstellenmanager nach innen und außen.

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