Industrie 4.0, Internet of Things. Begriffe, die oftmals nur mit großen Industriezweigen verbunden werden. Dabei ist der Veränderungsdruck durch die neuen Technologien, speziell durch das Internet, auch im klassischen Handwerk deutlich zu spüren. Egal ob Informations- und Kommunikationstechnologien, Ausschreibungsanforderungen oder Smart Home: Die Digitalisierung im Handwerk ist im vollen Gange.

Kunden gewinnen, Abläufe beschleunigen, Ressourcen schonen, Zusammenarbeit fördern und letztendlich Kosten sparen. Wer im Handwerk auf die digitale Karte setzt, kann von den Möglichkeiten der smarten Technologien profitieren. Es gilt, wie schon bei der Digitalisierung der Industrie: Sie führt zu Effizienzsteigerungen bei Geschäftsprozessen und verbesserter Kundenkommunikation. Und die Digitalisierung beginnt bei vielen Handwerksbetrieben bereits im Kleinen, in den meist auf zwei bis drei Personen begrenzten Büro. Viele Betriebe nutzen den Mehrwert der Digitalisierung um beispielsweise wichtige Projektdaten und Dokumente einzuscannen und über ein Archiv elektronisch nutzbar machen. CAD-, CAM- oder CNC-Verfahren in der Produktion sind bereits in den meisten Betrieben Standard – auch weil viele Handwerksbetriebe mittlerweile Aufträge aus dem Ausland annehmen – zumindest ziehen sie Anbieter solcher Technologien hinzu, um spezielle Aufträge zu erfüllen. Auch innovative Arbeitstechniken, wie zum Beispiel der 3D-Druck, kommen im Handwerk inzwischen erfahrungsgemäß immer öfter zum Einsatz.

Handwerk: Smartphone und Tablet gehören in den Werkzeugkoffer

Das Handwerk-Magazin bringt es in der neusten Ausgabe auf den Punkt. „Neben Hammer und Bohrmaschine finden sich im Werkzeugkoffer von Handwerkern immer öfter Smartphone und Tablet, denn die Digitalisierung erleichtert auch das Reparieren und Warten.“ Kommt der Handwerker bei einer Reparatur mal nicht weiter, kann er via Skype einfach den internen Support oder einen Kollegen fragen – oder direkt eine Anleitung per Video anfordern. Mittlerweile muss ein Betrieb über den Stand seiner Aufträge, Projekte, Bestellungen und Kosten stets informiert sein.

Durch die digitale Auftragsabwicklung werden unter anderem Rechnungsabläufe beschleunigt, Aufträge an sich zügiger verteilt. Sofortige Status- und Fehler sowie Problemdokumentationen sind direkt und zentral abgespeichert. Der Verantwortliche und der Mitarbeiter selbst können so schnell und zielorientiert auf den Kunden reagieren. Für den Auftraggeber sind speziell die Projekt-Dokumentationen sowie die digital protokollierbaren Arbeitszeiten wichtige Punkte, genau den einen Betrieb auftragstechnisch zu bevorzugen – auch wenn dieser vielleicht teurer ist – Service und Transparenz erleichtern den Projektablauf.

Datenaustausch: Ausschreibungen, Konstruktionszeichnungen, Bilder und Videos

Aber auch die öffentliche Hand hat ihre Ausschreibungsverfahren schon weitgehend digitalisiert. Wer als Handwerksbetrieb an Ausschreibungen partizipieren möchte, muss sich auch durch seine Hard- und Software schon darauf eingestellt haben, mit dem potentiellen Auftraggeber auf elektronischem Wege Daten auszutauschen. Schon seit längerem sind auch die handwerklichen Zulieferer-Betriebe aufgefordert, den Datenaustausch – wie Auftrags-, Lieferdaten, Konstruktionszeichnungen, Bilder, Videos, Berechnungen, Mess- und Prüfergebnisse – rein auf digitalem Weg zum industriellen Auftraggeber zu transportieren und von diesem im Gegenzug anzunehmen und betriebsintern zu verarbeiten. Die Anforderungen an den Datentransfer werden quantitativ und qualitativ weiter zunehmen. Auch Branchen und Gewerke, die mit ihren Kunden heute noch vieles im direkten Kontakt beziehungsweise analog abwickeln, werden sich darauf einstellen müssen, in Zukunft einiges auf elektronischem Wege durchzuführen.

Alles kein Hexenwerk, aber: „Angewendet wird die digitale Datentechnik vor allem zur Ressourcenplanung. Auch Kundendaten werden mit Hilfe von Software-Lösungen wie Customer-Relationship-Management (CRM) vergleichsweise häufig gesammelt und katalogisiert. Dagegen stagniert aktuell im Vergleich zu früheren Jahren der Anteil der KMU in Deutschland, die ihre Geschäftsprozesse mit denen von Zulieferern und Kunden verbunden haben“, so das Handwerker-Magazin auf der hauseigenen Homepage. Geht es nach den Kollegen, misstrauen die Betriebe beziehungsweise deren Geschäftsführer der Vernetzung via Cloudcomputing. Diese Problematik ist nicht neu, sie besteht auch bei den großen Industrieunternehmen. ERP-Vernetzung ja, alles andere bleibt lokal – persönlich absolut nachvollziehbar.

Betrachtet man die Internationalisierung ist es noch schwer abzuschätzen, was in Zukunft hinsichtlich Unternehmensvernetzung passiert. Deutschland muss sich dahingehend aber nicht verstecken: „Inzwischen sind die KMU in Deutschland innerhalb der EU führend und liegen sechs beziehungsweise zehn Prozentpunkte vor Belgien und Dänemark“, erklärt Christian Schröder, Wissenschaftler beim Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn gegenüber dem Handwerk-Magazin.

Auch wenn die Digitalisierung im ERP-Umfeld weit fortgeschritten ist, im Produktionsumfeld aber noch Schritttempo fährt: Das Handwerk ist auf einem guten Weg. Wie eingangs erwähnt, egal ob Informations- und Kommunikationstechnologien, Ausschreibungsanforderungen oder Smart Home; das Handwerk hat sich zu einem hochmodernen Dienstleister mit innovativen Arbeitsmethoden gewandelt. Speziell im Hinblick auf Smart Home werden sich Handwerksbetriebe darauf einstellen müssen, die Digitalisierung innerbetrieblich zu forcieren – dazu gehört natürlich auch die Weiterbildung der Mitarbeiter. Und ja, vielleicht kann ein Chief Digital Officer helfen.

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