Fahrerlose Transportfahrzeuge, kurz FTF, kennen wir vor allem aus der Welt der Intralogistik. Auch die klassische Automobilindustrie schickt sich an, ihre Flotten fahrerlos zu organisieren. In Zukunft werden allerdings aus Effizienzgründen auch immer mehr fahrerlose Traktoren auf den Feldern wahrgenommen. Die Technik ist mittlerweile so weit, dass sich sogar über satellitengestützte Lösungen der Nährstoffbedarf eines Feldes genau berechnen lässt – ein Landwirt aus Baden-Württemberg will in Zukunft genau in solche Techniken investieren.

Der Landwirt Rüdiger Beck aus Baden-Württemberg steuert seinen Traktor via GPS und will auch in Zukunft solche Investitionen tätigen. Klar, so richtig autonom ist seine FTF-Traktor-Umsetzung noch nicht. Rüdiger Beck ist dennoch mächtig stolz, als er seine drei Jahre alte Errungenschaft der Redaktion von swp.de vorführt. Mittlerweile sind die Technik und das Team eingespielt. „Damit arbeiten wir mittlerweile ganze acht Prozent effektiver“, so Landwirt Beck. Zwei seiner Traktoren hat er mit der GPS-Anlage ausgestattet, sie für 10.000 Euro pro GPS-Gerät nachgerüstet. Und glaubt man den Angaben des Landwirts, sind die Ergebnisse nicht nur in der Effektivität zu finden; lenken er oder seine Kollegen manuell, überlappen sich die gefahrenen Spuren auf dem Feld. Die Arbeit via GPS-Transponder ist dagegen wesentlich genauer. Die entscheidenden Vorteile: Zum einen ist der Mitarbeiter oder Beck selbst zum Feierabend wesentlich entspannter, zum anderen kann der „Mitfahrer“ sich voll und ganz auf das angehängte Arbeitsgerät wie beispielsweise einen Pflug konzentrieren.

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Autonome Landwirtschaft: eine revolutionäre Evolution

Doch die Landwirtschaft ist bereits wesentlich weiter. „Wir erwarten jetzt keinen Big Bang, der von heute auf morgen alles verändert, aber diese Entwicklung wird die Prozesse im Agrarsektor dramatisch verändern. Wir stehen am Beginn einer, wie wir es nennen, revolutionären Evolution bei der Digitalisierung der Landwirtschaft“, sagt Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG. Spätesten jetzt muss der „Kunstbegriff“ PLM gennant werden. „Precision Land Management“ beschreibt meines Erachtens das Gesamte, die Einheit zwischen Maschine, Mensch und Natur. Aber auch die Sicherheit spielt eine entscheidende Rolle; zuletzt musste das die Automobilindustrie schmerzhaft erfahren.

Um autonome, unbemannte Fahrzeuge sicher betreiben zu können, müssen diese selbst in der Lage sein, Gefahrenstellen in ihrer Einsatzumgebung wahrzunehmen und zu interpretieren.

Anders Petersen, Projektkoordinator, Danish Technology Institute.

Mittlerweile sind mehr als 75 Prozent der hierzulande verkauften Großtraktoren mit automatischen Lenksystemen ausgestattet, die es dem Landwirt erlauben, Felder computergestützt mit einer Genauigkeit bis in den Zentimeterbereich zu bearbeiten. Laut Heise werden Smart Farming und intelligente Traktoren in Zukunft nicht nur Standard, sie werden auch immer mehr Hand in Hand gehen. Als Beispiel sei das Urgestein John Deere genannt. In seinem Europäischen Technologie- und Innovationszentrum (ETIC) in Kaiserslautern forscht John Deere nicht nur an Hardware-, sondern auch an Software-Lösungen für die Präzisionslandwirtschaft. Hauptziele sind vor allem die Optimierung der Maschinenleistung, der Erntelogistik und die Unterstützung von agronomischen Entscheidungen. „Wir müssen die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis 2050 verdoppeln, wollen wir die Weltbevölkerung von 9,6 Milliarden Menschen mit qualitativ guten Erzeugnissen ausreichend versorgen“, so August Altherr, Leiter des ETIC Kaiserslautern.

Dem Landwirt stehen Systeme zur Verfügung, die zum Beispiel vollautomatisierte Wendevorgänge erlauben. Der Fahrer greift dabei nicht lenkend ein, er überwacht lediglich die einzelnen Prozesse.

Heise.de

Zudem ist die vernetzte Kommunikation zweier autonomen Maschinen keine Herausforderung mehr. Sensoren koppeln sich auf mehrere 100 Meter, störungsfrei. So kann der Fahrer eines Mähdreschers per Knopfdruck die Kontrolle über die Fahrgeschwindigkeit und Lenkung des Traktor-Anhängergespanns übernehmen, wodurch die Entladung während der Fahrt bei gleichbleibender Erntegeschwindigkeit ermöglicht wird. Das Beispiel zeigt allerdings auch, was noch nicht möglich ist; meines Erachtens auch langfristig nicht umsetzbar erscheint: Die Fahrzeuge fahren allesamt in einem abgesteckten Grid. Die Technik ist zwar funktionell, hat allerdings immer wieder mit leichtem Schluckauf zu kämpfen.

Multi-Fahrzeug-Systeme mit Schwarmintelligenz

Dennoch, die Landwirtschaft wird in Zukunft nicht bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln, sondern auch als Produzent von erneuerbaren Energien eine Schlüsselstellung zuteil. Beides wird sich in Zukunft sinnvoll miteinander kombinieren, allerdings erfordere das auch einen Quantensprung bei der Nutzung neuester Technologien – der Breitbandausbau spielt dabei natürlich auch „keine“ Nebenrolle. Aber das ist ein anderer nicht bestellter Acker.
Zur Info: In den USA sind unterdessen sogar schon die ersten autonomen Multi-Fahrzeug-Systeme mit Schwarmintelligenz im Einsatz. Mehrere Mähdrescher ernten dabei gleichzeitig ein großes Getreidefeld ab – der Landwirt schaut nur noch zu.

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