Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Deutschen nutzen inzwischen Finanz-Apps – und dennoch gibt es weiterhin Vorbehalte hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit.

Im Jahr 2015 nutzten 44 Prozent der Deutschen Online-Banking – und lediglich 34 Prozent davon griffen über mobile Endgeräte auf ihre Konten zu. Bei der Nutzung von Bezahl-Apps auf dem Smartphone sah es noch düsterer aus: Lediglich vier Prozent der Befragten gaben an, „ab und zu“ per Bezahl-App zu bezahlen.

Seither ist viel passiert. Wie eine aktuelle Umfrage von DE-CIX ergab, beläuft sich die Marktdurchdringung von Finanz-Apps inzwischen auf fast zwei Drittel der Deutschen. Besonders beliebt sind die Anwendungen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen (74 Prozent). Als die größten Vorteile werden Zeitunabhängigkeit (68 Prozent), Benutzerfreundlichkeit (66 Prozent) und Ortsunabhängigkeit (58 Prozent) gesehen.

Der Trend geht zu einer App für alles

Bislang ist es dabei noch üblich, unterschiedliche Apps für unterschiedliche Anwendungen zu haben: Die Sparkassen-App für das Online-Banking, die Trade Republic für das Trading, Clark für Versicherungen und PayPal oder Apple Pay für das mobile Bezahlen.

Aber warum nicht all diese Dienstleistungen in einer App bündeln? Bereits 28 Prozent der Befragten könnten sich derzeit vorstellen, ein solches Angebot zu nutzen. In erster Linie, weil man sich so schnell und einfach einen Überblick über die gesamte Finanzsituation verschaffen kann, aber auch weil nicht mehr zwischen unterschiedlichen Apps und Websites hin und her gewechselt werden muss.

Was wünschen sich die Kund*innen von einer zentralen App?

  • Durchführung von Transaktionen (85 Prozent)
  • Verwaltung von Karten und anderen Zahlungsmitteln (45 Prozent)
  • Verwaltung persönlicher Einnahmen und Ausgaben (35 Prozent)
  • Geldanlage (32 Prozent)
  • Trading (22 Prozent)
  • Services rund um Steuern (24 Prozent)
  • Versicherungen (17 Prozent)

Tatsächlich gibt es bereits Anbieter, die beispielsweise Banking, Buchhaltung und steuerliche Beratung vereinen. Auch die Kombination aus Banking und Trading existiert. Dennoch werden derartige „Kombi-Apps“ noch kritisch beäugt.

Datenschutz und Sicherheitsbedenken als Hemmschuh

Betrachtet man die oben genannten Zahlen noch einmal genauer, stellt man fest, dass nur knapp ein Drittel der Befragten eine zentrale Finanz-App nutzen würde. Anders ausgedrückt: Zwei Drittel stehen diesem Konzept kritisch gegenüber. Aber warum ist das so?

In der Umfrage gaben 48 Prozent der Befragten an, Sicherheitsbedenken zu haben 45 Prozent scheuen die Abhängigkeit von nur einem Dienst und 41 Prozent sehen den Datenschutz nicht ausreichend gewährleistet.

„Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Finanz-Apps und digitale Bezahldienste ein integraler Bestandteil des täglichen Lebens geworden sind“, sagt Dr. Thomas King, Technikchef bei DE-CIX. „Der nächste logische Schritt ist es, mehrere Angebote in einer App zu kombinieren. Das stellt Banken vor eine große Herausforderung, denn sie müssen Daten außerhalb ihrer eigenen, hochsicheren Systeme mit Partnern direkt austauschen können, um ihren Kunden entsprechende Angebote in ihrer App zu präsentieren. Hier müssen Banken die Bedenken der Endnutzer ernst nehmen und sowohl bei der Verbindung zum Endnutzer über dessen Internetzugangsanbieter als auch bei der Verbindung zu Partnern – wie zum Beispiel Versicherungen – auf höchste technische Sicherheitsstandards und strengen Datenschutz achten.“

Das Kernproblem, das es im Sinne der Nutzer*innen zu lösen gilt, ist Folgendes: Die Banken selbst haben in erster Linie Interesse daran, dass die Kund*innen ihre eigenen Angebote nutzen. Aus diesem Grund werden die bisher am Markt existierenden zentralen Finanz-Apps im Regelfall von privatwirtschaftlichen Unternehmen entwickelt und angeboten. Diese wiederum haben jedoch vor allem ein Interesse, nämlich zu Werbezwecken möglichst viele Daten von den Nutzer*innen einzusammeln.

Diesen Widerspruch gilt es aufzulösen.