Fähigkeiten erlernen die Kleinen von den Großen. Das war schon immer so. In der Steinzeit brachten die Erwachsenen den Kindern bei, wie man einen Faustkeil herstellt, im Mittelalter, wie man Handel treibt und in der Neuzeit den Umgang mit den Möglichkeiten, die der Buchdruck mit sich brachte. Heute ist es der bewusste Umgang mit multimedialen Diensten und dem Internet, den Kinder von Erwachsenen erlernen müssen.

Doch um den Kleinen Fähigkeiten zu vermitteln, müssen die Großen auch den nötigen Sachverstand mitbringen. Das kann in einer digitalen Welt, die dynamisch ist und sich der Maxime „Es gibt keine Grenzen“ verschrieben hat, eine Herausforderung sein. Zwar gehören das Internet, soziale Netzwerke, Smartphones und Co. zum Alltag, doch die digitale Welt von Erwachsenen ist nicht die gleiche wie die von Kindern und Jugendlichen. Damit die Kleinen weiterhin von den Großen lernen können, müssen Erwachsene mit den Entwicklungen dieser Welt Schritt halten und eine bewusste Medienkompetenz entwickeln. Doch auch Kinder und Jugendliche selbst müssen verstehen, welche Auswirkungen die Nutzung digitaler Medien haben kann.

Sensibilisierung für einen bewussten Umgang mit Medien

Vereinsvorstand Daniel Nübling ist beruflich wie auch privat in der IT- und Medienwelt Zuhause. (Bild: medienkompetenz.team)

Ein Verein aus Karlsruhe hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Mit Workshops, Schulungen, Vorträgen und persönlicher Beratung unterstützt das Medienkompetenz-Team Eltern, Schulen und andere Interessierte in der Entwicklung und Festigung von Fähigkeiten rund um die Themen (soziale) Medien und Internet. Das Team setzt sich aktuell aus Expertinnen und Experten aus den Bereichen IT- und Medienwirtschaft und einem Sozialkompetenz-Trainer mit Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit zusammen.

Damit vereint es digitales Know-how und pädagogische Methodik. „Unser Ziel ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern sowie pädagogische Fach- und Lehrkräfte für einen richtigen Umgang mit Medien zu sensibilisieren. Dabei geht es uns nicht darum, sie zu belehren, sondern sie in ihrer Kompetenzentwicklung rund um die Digitalisierung zu fördern und Chancen aber auch Risiken aufzuzeigen“ sagt Teamgründer Daniel Nübling, der über 20 Jahre Erfahrung in der Medien- und IT-Branche hat. Dabei setzt das Team auf acht Themenschwerpunkte:

  • Einführung in die Medienwelt
  • Gesetze und Rechtliches
  • Cybermobbing
  • Privatsphäre und Datenschutz
  • Mediennutzung und -konsum
  • Die Welt der Computerspiele
  • Chancen, Risiken und Gefahren
  • Informationssuche und Recherche

„Aktuell sehen wir Aufklärungsbedarf besonders in den Bereichen Datenschutz und Privatsphäre, Meinungsmache im Netz und Fake-News“, sagt Nübling. Das Medienkompetenz-Team greift reale Themen aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen auf, denen sie häufig naiv gegenüberstehen. Das Team sieht daher zwei wesentliche Ansatzpunkte ihrer Arbeit: Einerseits möchten sie Kinder selbst, andererseits aber auch Eltern und Lehrkräfte für diese Bereiche sensibilisieren und ihnen Hintergrundwissen und praktische Tipps an die Hand geben, die sie im Alltag gut anwenden können.

Individuelle Vorgehensweise für optimalen Lernerfolg

Bei der Durchführung der Schulungen und Projekte ist das Medienkompetenz-Team flexibel. In einem ersten Gespräch mit den Interessierten erfährt das Team, welche Schwerpunkte es setzen muss und entwickelt daraus ein individuelles Konzept. Unabhängig von der Interessensgruppe ist dem Team eines wichtig: Jeder, der sich in der digitalen Welt bewegt, sollte über ein grundlegendes Wissen über die Regeln und Besonderheiten dieser Welt verfügen. Das Medienkompetenz-Team hat schon einige Projekte an Schulen durchgeführt und war auch an den diesjährigen Schülertagen mit dabei. In Kooperation mit dem Karlsruher Kampfkunstverein „InNae“ hat das Team einen Workshop mit dem Thema „Selbstverteidigung On- und Offline“ angeboten. Die Resonanz ihrer Arbeit ist durchweg positiv. Dieser Zuspruch motiviert sie, weiterzumachen und ihr Netzwerk auszubauen. Aktuell sind sie in Kontakt mit pädagogischen Fach, die ihre Hilfe für die Ausarbeitung neuer Konzepte angeboten haben. Außerdem hat das Medienkompetenz-Team damit begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, über das sich Experten aus der freien Wirtschaft, Schulen und Institutionen zur Verfügung stellen.

Das Medienkompetenz-Team bei den Schülertagen in Karlsruhe. (Bild:medienkompetenz.team)

„In Karlsruhe ist das digitale Bewusstsein tiefer in den Menschen verwurzelt.“

Bis jetzt richtete sich das Angebot überwiegend an Eltern und Schulen, doch der Bedarf Medienkompetenz zu erlangen, ist auch in Unternehmen groß. Deshalb möchte das Team in Zukunft auch Schulungen und Projekte für diese Interessensgruppe geben. Der Themenschwerpunkt liegt hier im richtigen Umgang mit firmeninternen Daten und Informationen. Besonders für einen IT-Standort wie Karlsruhe, wo Menschen nicht nur ihre Freizeit, sondern auch ihren Arbeitsalltag in der digitalen Welt verbringen, ist der bewusste Umgang mit Medien essentiell. „In Karlsruhe ist das Bewusstsein, sich mit IT und der digitalen Welt auseinanderzusetzen, einfach tiefer in den Menschen verwurzelt. Auch, weil es hier viel Forschungsarbeit rund um Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz gibt. Und die betreffen uns schließlich alle“, so Team-Vorstand Nübling. Gerade Menschen, die sich beruflich mit diesen Themen auseinandersetzen, fehlt es durch die Routine oftmals an Sensibilität für ihr Fachgebiet. In Schulungen oder Projekten, wie sie das Medienkompetenz-Team anbietet, können Interessierte den bewussten Umgang mit der digitalen Welt trainieren und davon im Arbeitsalltag und der Freizeit profitieren.

Wissensvermittlung als Herausforderung

Trotz des vielen Zuspruchs und der Entwicklung neuer Konzepte steht das Medienkompetenz-Team auch immer wieder vor Herausforderungen. Eine der größten ist wohl, neben Beruf und Familie ausreichend Zeit für die Arbeit an Projekten und Schulungen freizuschaufeln. Zudem würde sich das Team über Büroräume, Kooperationspartner, Sponsoren und Mitstreitende bei der Umsetzung ihrer Ideen freuen. Doch auch die Zielgruppen zu erreichen, ist häufig eine schwierige Aufgabe. „Die größte Herausforderung ist für uns, überhaupt die Chance zu bekommen, unser Wissen weitergeben zu können. Die meisten Betroffenen sind sich zwar darüber bewusst, dass sie Wissensdefizite in diesem Bereich haben. Viele trauen sich aber nicht, das Thema anzugehen“, sagt Nübling. Neben den Kindern und Jugendlichen selbst möchte das Medienkompetenz-Team gerade diese Menschen mit ihrer Arbeit erreichen, damit auch in der digitalen Welt die Kleinen ihre Fähigkeiten weiterhin von den Großen lernen können.