Die digitale Transformation in Unternehmen schreitet weiter voran und das Angebot an Lösungen umfasst immer mehr Unternehmensbereiche. Doch nicht jedem Unternehmen fällt es leicht sich diesem Trend hinzugeben, neue Lösungen zu testen und sich so selbst ein modernes Arbeitsumfeld der Zukunft zu schaffen.
Als das wohl bekannteste & erfolgreichste Tech-Unternehmen unserer Zeit bietet Google nicht nur eine Vielzahl digitaler Lösungen für seine Kunden an, sondern greift auch intern auf digitale Lösungen zurück. So ist zum Beispiel auch der Prozess der Mitarbeiterwertschätzung digitalisiert und strukturiert. Doch wie ist die Funktionsweise dieser Lösung und welche Vorteile hat sie für Google?

Relevanz von Mitarbeiterwertschätzung

Die Wertschätzung von Mitarbeitern ist ein oft unterschätztes Thema. Allzu häufig wird man von Kollegen oder Vorgesetzten enttäuscht, da der eigene Einsatz im Arbeitsumfeld nicht entsprechend wertgeschätzt wird. Die Folge ist Unzufriedenheit auf dem Arbeitsplatz, was zu Demotivation und womöglich sogar zu Gedanken über einen Jobwechsel führen kann. Im Gegensatz hierzu starten zufriedene Mitarbeiter mit Energie in den Tag und verbreiten nicht nur innerhalb des Arbeitsumfeldes einen positiven Eindruck über ihren Arbeitgeber.

Eine regelmäßige Wertschätzung ist zudem direktes und positives Feedback an die Kollegen. Dabei spielt es in erster Linie keine Rolle, ob die Wertschätzung von einem Teammitglied oder einem Vorgesetzten stammt. Für einen Einsatz eine positive Rückmeldung zu erhalten ist motivierend und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter seinen Einsatz für die Firma wiederholt.

Gerade im Zeitalter des „War for Talents“ ist es für Unternehmen wichtig, schlagkräftige Argumente zu haben, um neues Personal anzuziehen und sich gegen den Wettbewerb durchzusetzen. Eine moderne Kultur der Mitarbeiterwertschätzung kann seinen Teil dazu beitragen, die Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken.

Das „0-8-15“ Model von Mitarbeiterwertschätzung deutscher Unternehmen

Es ist bekannt, dass deutsche Unternehmen nicht unbedingt zu den „Early Adopters“ von innovativen und digitalen Lösungen gehören. Entsprechend hinkt der Umgang mit Mitarbeiterwertschätzung bei einer Vielzahl von Unternehmen der Zeit hinterher. Die typischen Wege der Danksagung an Mitarbeiter sind:

  • Das einfache „Danke“ zwischen Kollegen
    Mitarbeiter danken sich untereinander für ihren Einsatz, was grundsätzlich sehr positiv zu bewerten ist. Allerdings verflüchtigt sich diese Art der Danksagung sehr schnell. Oder wer kann sich noch an die 10 letzten „Danke“ von Kollegen erinnern?
    Zudem findet diese Wertschätzung auf einer Ebene statt, in die der Vorgesetzte keinen Einblick hat. Entsprechend findet die Anerkennung für den Arbeitseinsatz nur selten den Weg in das nächste Performance-Gespräch beziehungsweise in die nächste Beförderungs-Entscheidung.
  • Das „Weihnachtsfeier-Danke“ von Vorgesetzten an das gesamte Team
    Die Weihnachtsfeier ist natürlich ein freudiger Anlass, um das Erreichte im vergangenen Jahr zu würdigen. Nicht selten wird dabei auch die Arbeit des gesamten Teams hervorgehoben. Aus Sicht des einzelnen Mitarbeiters ist diese Art von Danksagung allerdings sehr unpersönlich und nimmt in keiner Weise Bezug auf den tatsächlichen individuellen Einsatz für die Firma.
  • Das „Feedbackgespräch-Danke“ von Vorgesetzen an das Teammitglied
    Der Vorgesetzte nimmt das Feedbackgespräch zum Anlass sich für den bisherigen Einsatz seines Teammitglieds zu bedanken. In dieser sehr formellen Situation kann die Danksagung oft aufgezwungen und als Teil einer Agenda des Gesprächs wirken. Dies mindert den Wert der Danksagung und steigert nur selten die Motivation der Mitarbeiter nachhaltig.
  • Das vorbildliche „Danke“ zwischen Kollegen oder von Vorgesetzten an das Teammitglied
    Für wirklich besondere Anlässe kommt es (leider zu selten) vor, dass sich Mitarbeiter mit einem kleinen Geschenk (z.B. Blumenstrauß, Tafel Schokolade) für besonderen Einsatz bedanken. Diese Art von Danksagung ist sehr positiv und geht in die Richtung, wie Wertschätzung innerhalb von Unternehmen gelebt werden sollte. Allerdings fehlt auch hier eine klare Struktur, welche es einer Firma ermöglicht, die bestmöglichen Schlüsse aus einer von Wertschätzung geprägten Arbeitskultur zu ziehen. In anderen Worten: Die Firma hat keinerlei Einblicke wer Anerkennung erhalten hat und wer nicht.
  • Das vergessene „Danke“ zwischen Kollegen oder von Vorgesetzten an das Teammitglied
    Es wird schlichtweg vergessen „Danke“ zu sagen. Dies hat oftmals zur Folge, dass die Motivation für einen erneuten starken Einsatz für die Firma bzw. für einen Kollegen sinkt und die Unzufriedenheit auf dem Arbeitsplatz steigt. Obwohl es selbstverständlich erscheint sich für den Einsatz eines Kollegen zu bedanken, tritt dieser Fall dennoch häufig auf.

Google’s Lösung

Was alle „0-8-15“ Danksagungen gemeinsam haben: Es mangelt an Struktur. Ganz gleich welche Art der Anerkennung man betrachtet, die Informationen, die durch eine Danksagung erzeugt werden, verlaufen im Nichts. Google ist sich dessen bewusst und hat eine eigene digitale Plattform entwickelt, auf der sich Mitarbeiter gegenseitig für besonderen Einsatz wertschätzen können.

Dabei ist die Plattform recht intuitiv aufgebaut. Möchte ein Mitarbeiter seinem Kollegen danken, wird aus einer Liste der passende Adressat ausgewählt, eine entsprechende Dankes-Nachricht verfasst und die Anerkennung abgeschickt. Da Google eine Arbeitskultur voller Wertschätzung fördert, erhält der Empfänger für jedes „Danke“ einen von der Firma finanzierten finanziellen Obolus, welcher am Ende des Monats mit dem Gehalt ausgezahlt wird. Ein kleines (aber feines) Zeichen der Wertschätzung an die Mitarbeiter.

Um Missbrauch des Tools zu vermeiden gibt es einige Regeln. So wird beispielsweise jedes „Danke“ von einem Vorgesetzten validiert. Dies stellt sicher, dass der Grund der Danksagung ausreichend ist, um dem finanziellen Beitrag der Firma gerecht zu werden. Zudem gibt es eine „Freeze“-Periode zwischen Mitarbeitern, welche auf der Plattform miteinander in Interaktion waren. Hierdurch werden Danksagungen vermieden, welche rein aus Dank einer erhaltenen Anerkennung ausgesprochen werden.

Aus Firmensicht profitiert Google von dieser Lösung aus unterschiedlichen Gesichtspunkten. Neben einer motivierenden Arbeitsatmosphäre wird die Verantwortung des Anerkennens von Mitarbeiterleistungen an die Mitarbeiter übertragen. Dies führt zu einem gewissen Grad zu Empowerment der Mitarbeiter. Darüber hinaus erhält die Firma eine Vielzahl an Informationen über den Einsatz einzelner Mitarbeiter sowie über bisher unentdeckte Mitarbeiter-Skills. Diese Informationen werden verwendet, um eine fairere & zielgerechtere Weiterentwicklung der einzelnen Mitarbeiter zu gewährleisten.

Obwohl die Plattform der Firma durch den finanziellen Beitrag Kosten verursacht, ist es bewundernswert, wie Google die Lösung in der Firma bewirbt. Mitarbeiter werden von Vorgesetzten explizit darauf hingewiesen, den Einsatz von Kollegen zu wertschätzen. Dieser Rückhalt zeigt, dass die Firma zu 100% hinter einer Arbeitskultur voller Wertschätzung steht. Ein Zeichen, was die Bindung der Mitarbeiter an die Firma sowie die Mitarbeiterzufriedenheit stärkt.

Ausblick

Wer aus der „0-8-15“ Welt der Mitarbeiterwertschätzung heraustreten und seinen Mitarbeitern eine moderne Arbeitsatmosphäre bieten möchte, muss den Schritt wagen und sich an neue und innovative Lösungen herantrauen. Nur wer den Mut hat den Status Quo zu hinterfragen, wird auf Dauer ein attraktiver Arbeitergeber für Bewerber sein. Die gute Nachricht für Nicht-Tech-Unternehmen ist, dass für die Anwendung digitaler Lösungen keinerlei Software-Kenntnisse von Nöten sind. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Anbietern, die mit Leidenschaft und Expertise innovative Lösungen für eine moderne Arbeitskultur entwickeln und bereitstellen.