Die Consumer Electronics Show in Las Vegas ist eine der weltweit wichtigsten Messen für Unterhaltungselektronik. Sie stellt von Jahr zu Jahr neue Besucherrekorde auf – und stößt langsam aber sicher in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen. Ein Blick hinter die Kulissen.

1967 startete die CES mit 117 teilnehmenden Unternehmen und 17.000 Besuchern. Inzwischen liegt die Zahl der Aussteller bei über 4000, die Zahl der Besucher ist auf über 180.000 gestiegen. Die Consumer Electronics Show ist eine Messe der Superlative, keine Frage. Wer die Messe in diesem Jahr allerdings zum wiederholten Male besucht hat, bemerkte recht schnell, dass sowohl Las Vegas als auch das Convention Center, wo die CES seit 2012 jährlich stattfindet, den Besuchermassen nicht mehr Herr werden.

Wenn man mehr Zeit in Warteschlangen als auf der Messe verbringt

Grundsätzlich kommt es auf jeder Messe zu vereinzelten Wartezeiten. Das ist vollkommen normal. Nicht normal ist es jedoch, wenn sowohl für die Aussteller als auch die Besucher jeder Schritt auf einer Messe mit stundenlangem Schlange stehen verbunden ist.

Das beginnt bei der Ausgabe der Aussteller- und Besucherausweise. Diese kann man am Flughafen, in bestimmten Hotels und natürlich auf der CES selbst gegen Vorlage des Personalausweises abholen. Wartezeit: 30 bis 60 Minuten, da es schlicht zu wenige Counter gibt.

Die nächste Herausforderung ist dann der Weg vom Hotel zum Messegelände. Die meisten Hotels in Las Vegas befinden sich am Strip – und sind damit zu Fuß rund eine Stunde vom Convention Center entfernt. Also muss man sich entweder für ein Taxi oder einen Shuttle-Bus entscheiden. Die Shuttle-Busse fahren allerdings nur ganz bestimmte Hotels an, weshalb meist nur das Taxi bleibt. So oder so: Die Schlangen sind in beiden Fällen riesig. Am Tag der Eröffnung betrug die Wartezeit für ein Taxi vor den Hotels 30 bis 45 Minuten, die Fahrt selbst dauerte statt 15 Minuten über eine halbe Stunde, da der Verkehr rund um das Messegelände bereits in den frühen Morgenstunden kollabiert war.

CES 2018
Der Außenbereich des Las Vegas Convention Centers.

Einzig der Zutritt zur Messe selbst verlief reibungslos – und das trotz Taschenkontrollen und Bombenspürhunden, die Rucksäcke und Koffer nach Sprengstoff absuchten.

Sobald man auf dem Messegelände ist, entspannt sich die Lage vorübergehend etwas. Die Hallen und Stände sind riesig und die Besuchermassen verteilen sich dementsprechend schnell. Lediglich bei der Infrastruktur hapert es: Selbst in den größeren Toilettenräumen heißt es Schlange stehen.

CES 2018 - Schlange stehen
Lange Schlangen wohin das Auge reicht.

So richtig dramatisch wird es dann beim Mittagessen. Auf dem Gelände der CES gibt es zwar mehrere „Futterstellen“, an denen man schlechte Sandwiches und Burger für knapp 15 US-Dollar kaufen kann, allerdings reichen diese bei weitem nicht für 180.000 Menschen aus. Und so steht man täglich zusammen mit anderen genervten Besuchern teils eine Stunde lang an, um immerhin irgendwas zu essen zu bekommen. Eine Stunde, die einem im Messestress wie eine Ewigkeit vorkommt.

Am Abend erlebt man dann freilich ein Déjà-vu, wenn man einmal mehr in der Taxischlange steht und 45 Minuten wartet, bis man auf dem Rücksitz Platz nehmen kann.

Alles in allem macht das schlappe vier bis fünf Stunden, die man ausschließlich mit Warten beschäftigt ist. Rekordverdächtig!

Undichte Decken und ein zweistündiger Stromausfall

Rekordverdächtig waren auch die Regenfälle, die am ersten Messetag dazu führten, dass einige Stände geschlossen werden mussten. Die Dächer der in die Jahre gekommenen Hallen des Las Vegas Convention Centers waren undicht und so tropfte das Wasser den ganzen Tag über von der Decke. In den Gängen kamen Mülleimer zum Einsatz, die das Wasser auffangen sollten. Den Ausstellern jedoch, deren empfindliche Technik durch das Wasser beschädigt werden kann, blieb nichts anderes übrig, als ihre Stände vorübergehend zu räumen. Die Aufregung und Empörung war entsprechend groß, da die Standmieten nicht gerade günstig sind.

CES 2018
Mülleimer dienten als Wasserauffangbehälter.

Eine Messe bei der das Wasser von der Decke tropft – schlimmer kann es nicht mehr werden, dachte sich so manch ein Besucher und wurde schon am zweiten Tag eines Besseren belehrt: Am späten Vormittag gingen auf der CES plötzlich die Lichter aus. Der Strom war ausgefallen. Über zwei Stunden mussten die Stände von Intel, Samsung, Sony und LG geschlossen und die Hallen evakuiert werden. Manch einer nahm es mit Humor, andere reagierten mit Spott. Ja, so ein Stromausfall auf der wichtigsten Technikmesse der Welt hat schon etwas Ironisches an sich.

Schuld war übrigens auch hier der starke Regen, der einen Transformator lahmlegte.

CES 2018: Blick in die Zukunft statt greifbare Highlights

Für die Veranstalter war die CES 2018 – trotz aller Probleme – ein voller Erfolg. Dennoch wird man sich Gedanken darüber machen müssen, wie man in den kommenden Jahren den Erwartungen an eine Technikmesse gerecht wird und die CES sinnvoll weiterentwickelt. Stundenlange Wartezeiten, tropfende Decken und Stromausfälle sollten jedenfalls nicht mehr zum Programm gehören.

Byton Elektro-SUV
Der Byton Elektro-SUV war eines der „Highlights“ der Messe gesehen, ist letztendlich aber auch nur ein Prototyp von vielen.

Und nicht nur die Veranstalter, sondern auch die Aussteller müssen sich darüber im Klaren werden, in welche Richtung sich die CES entwickeln soll: Wenn man sich die „Highlights der CES“-Artikel in diesem Jahr durchliest, wird recht schnell deutlich, dass es kein wirkliches Highlight gab. Freilich konnte man hier und da Fortschritte beobachten, insbesondere was Autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz angeht, aber mehr als ein theoretischer Blick in die Zukunft war das alles nicht. „DAS“ Produkt-Highlight, wie anno 2001 die Xbox, suchte man vergebens. Dafür gab es umso mehr Prototypen und Tech-Demos.

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