Es ist Messezeit! Für eine Woche trifft sich die internationale IT- und Techbranche im Rahmen der CeBIT 2016 in Hannover. Das Motto „Discover d!conomy“ wurde aus dem Jahr 2015 übernommen und greift erneut die branchenübergreifende Digitalisierung auf. Dabei wird die digitale Transformation in den Fokus gestellt, neben weiteren Themen wie IT-Sicherheit, Virtual Reality, Internet of Things und Robotik.

Bei mehr als 3.000 Ausstellern und etwa 2.000 Veranstaltungen rund um die Ausstellung in 17 Messehallen ist es nicht leicht, sich auf die Schnelle einen Überblick über die CeBIT 2016 zu verschaffen. Unter dem Vorjahresmotto werden technische Neuerungen, spaßige Gadgets und relevante Entwicklungen vorgestellt und die Branche diskutiert und tauscht sich aus. Ein unvollständiger Messebericht.

Das Partnerland: SwITzerland

Die Schweiz als Partnerland der weltgößten Messe für Informationstechnik? Die machen doch Käse und Schokolade… Ja, aber auch IT! Ein Blick auf die „klassischen“ Schweizer Branchen – Uhren und Finanzen – verdeutlicht, dass sich auch die neutralen Eidgenossen der Digitalisierung nicht entziehen können, denn die Bedeutung von Wearables und Fintechs steigt, um nur zwei aktuelle Entwicklungen zu nennen.

Auch wenn das diesjährige Gastland keinen Weltkonzern in Hannover präsentiert, zeigt der Gastauftritt auf der CeBIT, dass sich die Schweizer der Relevanz der Digitalisierung auch für ihr Land bewusst sind und sich der Herausforderung stellen – die Vielfalt der Aussteller im Swiss Pavillon (Halle 6 D30), von der Forschungseinrichtung über IT-Dienstleister und Produzenten bis hin zu SBB und Swiss Post, bestätigt diesen Eindruck. Die Schweiz kann weit mehr als nur Löcher im Käse und teure Uhren.

Ständer auf dem Schweizer Pavillon auf der CeBIT 2016
Der Schweizer Pavillon wird von verschiedensten Unternehmen bespielt. Im Fokus stets die Digitalisierung. (Bild: SvB)

Der Verlust: CODE_n

Einer der Publikumsmagneten der letzten Jahre war die CODE_n-Halle, in der sich die Finalisten des Startup-Wettbewerbs der von GFT Technologies SE ins Leben gerufenen Initiative präsentierten. Der Wettbewerb wird in diesem Jahr in Karlsruhe stattfinden und sich im Rahmen des CODE_n new.New Festivals in neuem Gewand zeigen. Definitiv ein Verlust für die Messe in Hannover.

Die Alternative: SCALE 11

Neben CODE_n wurde schon in 2015 die SCALE 11 in Halle 11 etabliert. Hier tummeln sich nun die meisten der auf der Messe vertretenen Startups und bekommen die Gelegenheit, sich gezielt mit Konzernen, Accelerator-Programmen, anderen Unternehmen und potentiellen Kunden zu verknüpfen und ihre Ideen und Produkte dem breiten Messepublikum zu präsentieren.

Auch in diesem Jahr stellen ca. 350 junge Unternehmen in dieser Halle aus und können sich bei verschiedensten Formaten wie Co-Working, dem Founders Fight Club, beim Speeddating oder beim Captains‘ Dinner vernetzen und Feedback zu ihren Geschäftsmodellen und –ideen einholen.

In einer Halle mit der Developer World und der Ausstellung zum Thema „job and career“ wirken die kleinen Startup-Stände allerdings etwas verloren, sehr aufgereiht und bieten nur wenig Raum für Individuelles.

Startups in der Startup-Halle der CeBIT 2016
Wer in der Startup-Halle SCALE 11 herausstechen will, muss sich etwas einfallen lassen… (Bild: SvB)

Der Nachwuchs: Hackathons und Jobmarkt

Der Fachkräftemangel, manche nennen ihn Gespenst, manche Bedrohung, ist ein beliebtes Thema, gerade im Bereich IT. Durch die zunehmende Digitalisierung und den wachsenden Bedarf auch in den Anwenderbranchen wird die Nachfrage nach qualifiziertem Personal weiter steigen. Auch die CeBIT greift das Thema in ihren Angeboten auf.

Im Rahmen der Ausstellung „job and career“ (Halle 11) werben Unternehmen aktiv um IT-Fachkräfte – von Rossmann über Hugo Boss bis hin zur Bundeswehr und der Telekom, die suchenden Unternehmen zeigen, dass die IT in allen Branchen angekommen ist.

Auch die Nachwuchsförderung findet Platz. Wie in den Vorjahren veranstaltet beispielsweise SAP einen Hackathon für Studierende aus aller Welt. In Kooperation mit Volkswagen heißt das Thema des InnoJam++ in diesem Jahr „Mobility of the Future“. An die 100 Teilnehmer aus 16 Ländern arbeiten in komplementären Teams seit Montag an der Lösung von Fragestellungen rund um die Mobilität der Zukunft – sowohl aus Anwendersicht, als auch aus Unternehmensperspektive. Zum Ende der Messewoche werden die Ergebnisse präsentiert und von einer Jury bewertet.

Teams beim Hackathon InnoJam++ auf der CeBIT 2016
Der InnoJam++: 16 komplementäre Teams coden, was das Zeug hält. (Bild: SvB)

Die Neuerung: Eine Halle, ein Unternehmen

Erstmals bespielt in 2016 ein einzelnes Unternehmen mit seinen Partnern eine ganze Messehalle – Cloud- und CRM-Anbieter Salesforce aus San Francisco ist in Halle 23 mit der Salesforce Expo sowie der Cloud Expo während der ganzen Woche omnipräsent. Zudem beherbergt eine weitere Halle am Mittwoch eintägig die Salesforce World Tour. Eine sehr enge Kooperation zwischen dem Unternehmen und der Messe, die möglicherweise nicht alle Aussteller begeistert.

Der Mittelstand: Vernetzt sich und enabelt

Beim Blick auf die deutsche Branche zeigt sich: Knapp die Hälfte des Umsatzes im gesamten deutschen IT-Sektor wird von mittelständischen Unternehmen generiert. Gerade im Bereich der Unternehmenssoftware sind die Mittelständler besonders stark aufgestellt. Siegel wie „Software made in Germany“ und „Software hosted in Germany“ werden als qualitativ hochwertig und sicher anerkannt – in Zeichen steigender Cyberkriminalität eine erfolgreiche Initiative, die der Bundesverband IT-Mittelstand, bitmi, ins Leben gerufen hat.

Der gut vernetze Mittelstand sieht sich als Enabler, der die Digitalisierung des gesamten Mittelstandes aus der IT-Branche heraus vorantreiben kann und will, z.B. durch die Vertiefung der schon bestehenden engen Kunden-Lieferanten-Bindung zwischen Mittelständlern. Der CAMPUS Mittelstand (Halle 5 D36) bietet auf der Messe das Konzept des vernetzten Mittelstandes zum Anfassen.

Auch auf europäischer Ebene wird die Vernetzung des IT-Mittelstandes aktiv gelebt: Am Mittwoch launchte PIN-SME auf der CeBIT die „European Digital SME Alliance“, das größte Netzwerk kleiner und mittelständischer IT-Unternehmen in Europa mit rund 20.000 IT-KMU. Möglicherweise lassen sich durch solche Vernetzung und Zusammenarbeit mittelfristig Gegengewichte zur aktuellen Marktmacht aus dem Silicon Valley setzen.

Podiumsdiskussion beim Campus Mittelstand auf der CeBIT 2016
Der Messestand CAMPUS Mittelstand verkörpert das Erfolgsrezept des deutschen IT-Mittelstands: die Vernetzung. (Bild: SvB)

Der Publikumsliebling: Pepper

Nachdem auf der CeBIT 2015 ein kleiner grüner Dino namens Watson die Herzen der Messebesucher im Sturm eroberte, kamen auch in diesem Jahr große runde Augen zum Zug: Pepper, ein humanoider Roboter, der in Frankreich entwickelt wurde und mit seinen 1,20 m Größe die Sympathie seines Gegenübers gewinnt. Pepper erkennt menschliche Emotionen und passt sein Verhalten entsprechend an.

Der Roboter Pepper spricht mit zwei Männern.
Pepper interagiert mit Menschen und erkennt dabei ihre Emotionen. (Bild: Troy House Corbis für Aldebaran)

Das Fazit: Die Ideen werden nicht ausgehen…

Neben den angesprochenen Themen gibt es natürlich noch diverse weitere Must-Sees auf der CeBIT 2016. Der „Dronemasters Summit“ mit Drohnen-Wettflügen, ein Tyrannosaurus Rex, der sich per Virtual Reality seinen Weg durch Messehallen bahnt und die Möglichkeit, sich per implantiertem Chip zum Cyborg machen zu lassen, sind nur einige.

Die CeBIT wartet in diesem Jahr vielleicht nicht mit einem neuen Motto und rasanten Entwicklungen auf, sondern vertieft die Themen, die auch die kommenden Jahre bestimmen werden und auf die es zu achten gilt, unter anderem IT-Sicherheit und den digitalen Wandel.

Und wer bei den vielen neuen Ideen und Gadgets auf die Idee kommt, Shoppen zu gehen, sollte vorher noch kurz beim Stand der Hochschule Osnabrück vorbeischauen (Halle 6 A18). Studenten des Studiengangs Interaction Design, in dem die Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine erforscht und unaufdringliche, ruhige Interaktionsmöglichkeiten entwickelt werden, haben „Bob“ erfunden: Die Gürtelschnalle zieht den Gürtel zusammen, wenn (zuviel) Geld ausgegeben wird und benachrichtigt so den Träger über sein Ausgabeverhalten…

Die Gürtelschnalle Bob
Schnallt den Grütel enger, wenn Geld ausgegeben wird: Bob. (Bild: bob-belt.com)
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