Die Verfügbarkeit von schnellem Internet wird zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor. Die Bundesnetzagentur bündelt nun alle Informationen zu Breitband, Funklöchern und digitaler Infrastruktur im neuen Portal „Breitband-Monitor“.

Wenn es um die Versorgung mit schnellem Internet geht, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich seit jeher schlecht ab. Im Mai 2019 landete Deutschland beim Speedtest Gobal Index im Ranking der Länder mit dem schnellsten Internetzugang auf Platz 31. Betrachtet man den Anteil von Glasfaseranschlüssen an allen stationären Breitbandanschlüssen innerhalb der OECD, so schafft es Deutschland sogar nur auf Platz 33 – und liegt damit weit hinter Ländern wie Chile, Ungarn, Tschechien, Estland, Litauen oder Kolumbien.

Doch nicht nur bei der Breitbandversorgung gibt es Probleme. Erst kurz vor den Weihnachtsfeiertagen sorgte ein Unfall in Bayern für Schlagzeilen: Das Auto eines jungen Mannes war von der Fahrbahn abgekommen und im Straßengraben gelandet. Schwerverletzt wollte er Hilfe holen, befand sich jedoch in einem Funkloch. Erst nachdem er sich 150 Meter weit geschleppt hatte, konnte er die Rettungskräfte alarmieren.

Bundesnetzagentur bündelt Infos im Breitband-Monitor

Um sowohl die Breitbandversorgung als auch Themen wie Funklöcher und digitale Infrastruktur im Allgemeinen für die Verbraucher transparenter zu machen, hat die Bundesnetzagentur vor kurzem ein neues Portal gestartet. Im Breitband-Monitor können Endkunden unter anderem im Bereich „Breitbandmessung“ schnell und einfach die Geschwindigkeit ihres Internetzugangs messen. Zudem können die bundesweiten Ergebnisse der Breitbandmessung in Form einer Kartendarstellung, als Berichte, interaktive Grafiken und Tabellen eingesehen werden. Analog dazu gibt es eine Netzverfügbarkeits- und Funklocherfassung als Kartenansicht.

Für ganz Deutschland sieht das dann so aus:

Breitband Monitor

Zu sehen sind hier die gemessenen Datenraten (Median). Der Großteil der Deutschen surfte  in den vergangenen zwölf Monaten mit 25 bis 50 Mbit/s. Zugleich waren mehr Menschen mit weniger als 25 Mbit/s unterwegs, als mit 50 Mbit/s oder mehr. In einigen Gebieten liegt die im Median gemessene Datenrate sogar bei 18 Mbit/s oder weniger. Bedenkt man, dass einst geplant war, bis 2018 jeden Haushalt in Deutschland mit mindestens 50 Mbit/s anzubinden, zeichnet die Karte ein recht düsteres Bild.

Natürlich kann der Breitband-Monitor auch genutzt werden, um sich ein Bild von der lokalen Breitbandversorgung zu verschaffen:

Breitband Monitor Karlsruhe

Was hier gut sichtbar wird: In Städten wie Karlsruhe, Pforzheim oder Stuttgart sind Downloadraten von 50 Mbit/s oder mehr bereits völlig normal. Im ländlichen Raum dagegen lassen sich sogar im strukturstarken Baden-Württemberg noch vereinzelt Flecken mit 2 bis 8 Mbit/s ausmachen. Zum Vergleich: Um zeitgemäße Inhalte in 4K streamen zu können, sind mindestens 25 Mbit/s notwendig.

Auch 2020 wird in den Breitbandausbau investiert

Wie eingangs erwähnt, gilt schnelles Internet bereits heute als ein wichtiger Standortfaktor – sowohl für Firmen als auch für Privatpersonen. Denn weder Unternehmer noch „Häuslebauer“ lassen sich im Jahr 2020 noch in Gebieten nieder, in denen man vom Rest der Welt abgehängt ist.

Das wissen natürlich auch die Landes- und Bundesregierung. In Baden-Württemberg wurde für 2020 ein Etat von 4,1 Milliarden Euro für das Innenressort festgelegt und 4,2 Milliarden für 2021. Damit soll unter anderem die Digitalisierung vorangetrieben werden. Insbesondere die Breitbandförderung der Kommunen gilt als Erfolgsmodell. Von 2016 bis 2021 fließen umgerechnet jeden Tag eine knappe halbe Million Euro des Landes in die Breitband-Infrastruktur. Zudem können Kommunen, in denen sich der Ausbau für Telekommunikationsanbieter nicht rechnet, auf das Bundesförderprogramm Breitbandausbau zurückgreifen, um den digitalen Wandel selbst in die Hand zu nehmen.

Ob auf diese Weise das von der Bundesregierung erklärte Ziel „superschnelles Internet mit mindestens 1 Gigabit/s in ganz Deutschland bis 2025″ realisiert werden kann, ist indes fraglich.

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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.