Der Breitband-Ausbau in Deutschland und Baden-Württemberg soll mit Förderungen vorangetrieben werden. Passiert ist in den vergangenen zwölf Monaten jedoch recht wenig. Dieses Versäumnis wird die Städte und Gemeinden schon bald teuer zu stehen kommen.

Es ist nun ein gutes Jahr her, seit ich über den Breitband-Ausbau im Enzkreis und die Leiden des jungen Bauherren geschrieben habe. Inzwischen steht fest, dass wir auf unserem Grundstück dank Unitymedia Zugriff auf bis zu 400 Mbit/s haben werden. Selbstverständlich war das jedoch keineswegs.

Zunächst plante der Erschließungsträger das Projekt mit der Deutschen Telekom umzusetzen, die es in dem Gebiet auf stattliche 2 Mbit/s bringt. Auf Nachfrage erhielt ich vom Support die Auskunft, dass ein weiterer Ausbau nicht geplant sei. Von der Stadt war zu vernehmen, dass das Interesse an schnellem Internet in diesem Stadtteil nicht so hoch sei und man das Thema deshalb auch nicht auf der Agenda habe. Ob es klug ist, den Aufbau eines zukunftsfähigen Glasfasernetzes vom Interesse der Bevölkerung abhängig zu machen, die sich über die Bedeutung dieser Technologie im Regelfall nicht bewusst ist, sei dahingestellt.

Nach tagelanger Recherche stellte sich schließlich heraus, dass Unitymedia in der Nähe bereits neuere Leitungen verlegt hat und man unsere Straße im Rahmen der Erschließung anbinden kann. Glück gehabt. Ein paar Telefonate und E-Mails später war Unitymedia im Boot.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ohne Intervention hätte die Deutsche Telekom hier seelenruhig Kupferkabel verlegt. Im Jahr 2017. In einem Neubaugebiet.

Deutschland hat den Breitband-Ausbau verschlafen

Werfen wir einen Blick in die Statistik: Im Sommer 2017 hatten laut dem TÜV Rheinland rund drei Viertel aller Haushalte Zugriff auf Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s. Höhere Geschwindigkeiten wurden erst gar nicht erfasst. Sehr wohl erfasst wurde allerdings das Stadt-Land-Gefälle: Im ländlichen Raum verfügen nur gut 40 Prozent der Haushalte über schnelle Leitungen.

Nun kommt der ein oder andere sicherlich zu dem Schluss, dass 50 Mbit/s ja locker ausreichen – und genau das ist der Irrtum. Mit der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche steigen auch die Datenmengen rasant an. Schon in zwei bis drei Jahren werden 50 Mbit/s nicht mehr ausreichen – und die Kupferleitungen der Telekom werden trotz Vectoring an ihre Grenzen stoßen.

Aus diesem Grund setzen die meisten Länder dieser Welt auf eine zukunftsfähige Glasfaser-Infrastruktur, wie die Grafik von statista zeigt. Naja, die meisten zumindest.

Breitband-Ausbau mit Glasfaser

Das Bewusstsein in der Bevölkerung fehlt

Warum hinkt Deutschland beim Breitband-Ausbau dermaßen hinterher? Sind es rechtliche Hürden? Braucht es einen Rechtsanspruch auf Breitband? Oder müssen einfach noch mehr Leuchtturmprojekte her?

Der Punkt ist der: Eine flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur kostet in erster Linie Geld. Geld, das die Deutsche Telekom nicht investieren wird, weil es ihr durch geschicktes Lobbying gelungen ist, das auf lange Sicht unbrauchbare Vectoring-Verfahren salonfähig zu machen. Geld, das die Gemeinden nicht haben und die Bundesregierung nicht in ausreichendem Maße in Form von Förderungen zur Verfügung stellt.

Erschwerend kommt hinzu, dass dem Großteil der Bevölkerung schlicht nicht bewusst ist, welche Bedeutung der Breitband-Ausbau für die Wirtschaft, aber auch für Privathaushalte hat. Die meisten Menschen sind mit ihren 16 Mbit/s zufrieden – „zum E-Mails abrufen reicht das ja.“ Erst wenn es gelingt, die Bevölkerung für das Thema Glasfaser zu sensibilisieren und die Nachfrage steigt, werden Netzbetreiber und Politik reagieren (müssen).

Insbesondere kleinere Städte und Gemeinden sollten beim Thema Glasfaser-Ausbau aber nicht zu lange warten, ansonsten werden noch mehr junge Menschen in die Metropolen abwandern. Ich mag es, etwas ländlicher zu leben. Hätte ich allerdings keinen vernünftigen Breitband-Internetzugang auf unserem Grundstück bekommen, wäre das für mich ein Grund gewesen, mich andernorts umzuschauen – und was für Privatpersonen gilt, gilt umso mehr für Unternehmen, die auf Standortsuche sind.

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