Nach Google und Apple hat sich nun auch Mozilla dazu entschieden, Adobe Flash aus dem hauseigenen Firefox-Browser zu verbannen. Damit scheint das Ende der Flash-Ära endgültig besiegelt zu sein. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte und den Status quo des einst so beliebten Flash-Standards.

Alles begann vor etwa 20 Jahren. Das Internet war neu und aufregend – und bis heute hat wohl noch jeder das Geräusch des sich einwählenden 56k-Modems im Ohr. Microsoft dominierte mit Windows 95 die PCs von fast allen Privatnutzern. Anstatt Daten in der Cloud zu sichern, legte man eine Diskette ins Laufwerk ein. Das waren noch Zeiten!

Damals, genauer gesagt im Jahr 1996, entwickelte das Unternehmen FutureWave das Animationsprogramm FutureSplash-Animator. Das kennt auch heute noch jeder, allerdings unter dem Namen Flash. Denn noch im selben Jahr kaufte Macromedia FutureWave auf, benannte den Animator um und veröffentlichte ihn 1997 als Flash Version 1. 2005 wurde dann auch Macromedia aufgekauft. Von Adobe. Für 3,4 Milliarden US-Dollar. Der Rest ist Geschichte.

Heutzutage kann man sich gar nicht mehr vorstellen, welch einen Hype Flash damals ausgelöst hat. Durch den neuen Standard war es plötzlich möglich, animierte und optisch durchaus ansprechende Anwendungen zu gestalten, die auf jedem PC liefen. Und auch im Internet war Flash der Renner, da HTML – zumindest was das Design anging – stark limitiert war. 2005 wurden dann dank YouTube plötzlich Videos im Netz populär – und erneut war Flash das Mittel der Wahl. Es ist noch gar nicht so lange her, da ließen sich ohne Flash so gut wie keine Videos im Internet abspielen.

Adobe Flash: Sicherheitslücken und Performance-Probleme

Symantec recently highlighted Flash for having one of the worst security records in 2009. We also know first hand that Flash is the number one reason Macs crash. We have been working with Adobe to fix these problems, but they have persisted for several years now. We don’t want to reduce the reliability and security of our iPhones, iPods and iPads by adding Flash.

Dieser Absatz stammt aus einem offenen Brief, den Apple-Gründer Steve Jobs im April 2010 auf apple.com veröffentlicht hat. Zuvor war es zu hitzigen Diskussionen gekommen, da man weder auf dem iPhone noch auf dem iPad Flash-Inhalte – zur damaligen Zeit also auch keine Videos – wiedergeben konnte. Apple stand als Bösewicht da, der mal wieder in Eigenregie einen beliebten Standard in Rente schicken wollte. Heute wissen wir, dass Steve Jobs Recht behalten sollte.

Gibt man bei Google „Adobe Flash Sicherheitslücken“ ein, erkennt man recht schnell, warum der Standard dem Untergang geweiht ist: Am 12. Mai 2016 heißt es da „Adobe schließt 25 kritische Sicherheitslücken im Flash Player“. Nur zwei Monate später, am 13. Juli 2016, folgt „Adobe schließt 52 Sicherheitslücken im Flash Player“. Und das sind jetzt nur zwei von hunderten solcher Meldungen aus den vergangenen Jahren. Flash hat ein massives Sicherheitsproblem, das die Entwickler auch nicht in den Griff bekommen.

In addition, Flash has not performed well on mobile devices. We have routinely asked Adobe to show us Flash performing well on a mobile device, any mobile device, for a few years now. We have never seen it. Adobe publicly said that Flash would ship on a smartphone in early 2009, then the second half of 2009, then the first half of 2010, and now they say the second half of 2010. We think it will eventually ship, but we’re glad we didn’t hold our breath. Who knows how it will perform?
 […] To achieve long battery life when playing video, mobile devices must decode the video in hardware; decoding it in software uses too much power. Many of the chips used in modern mobile devices contain a decoder called H.264 […] When websites re-encode their videos using H.264, they can offer them without using Flash at all. They play perfectly in browsers like Apple’s Safari and Google’s Chrome without any plugins whatsoever, and look great on iPhones, iPods and iPads.

Das zweite Thema, das Jobs anspricht, ist die Performance. Während etwa HTML5 schnelle Ladezeiten und eine batterieschonende Performance sicherstellt, wirkt Adobe Flash auch 2016 (nach unzähligen Updates) noch wie ein Elefant im Porzellanladen. Sobald Flash ins Spiel kommt, läuft der Lüfter am Rechner auf Hochtouren. In einigen Fällen macht das Plugin zudem gleich den ganzen Browser instabil.

Wer noch Flash nutzt, sollte spätestens jetzt umsteigen

Derzeit nutzen noch etwas mehr als acht Prozent aller Webseiten Flash. Das hört sich zunächst nicht viel an, aber wenn man bedenkt, dass es weltweit fast eine Milliarde Webseiten gibt, ist das doch eine ganze Menge.

Gerade Unternehmen, deren Internetauftritt noch auf dem veralteten Flash-Standard basiert, sollten sich jetzt nach einer Alternative umschauen, da sie sonst Gefahr laufen, dass bald schon niemand mehr ihre Webseite zu Gesicht bekommt:

  • Google Chrome (Marktanteil knapp 57 Prozent) wird bald schon HTML5 als Standard bevorzugen und Flash deaktivieren. Wenn eine Webseite ausschließlich auf Flash setzt, sieht der Nutzer zunächst nichts, wird aber gefragt, ob er das entsprechende Plugin aktivieren möchte.
  • Mozillas Firefox (Marktanteil knapp 15 Prozent) blendet ab August 2016 zunächst unnötige Flash-Inhalte aus. Ab 2017 muss der Nutzer wie bei Chrome explizit zustimmen, um Flash-basierte Inhalte anzeigen zu lassen.
  • Microsoft Edge (ehemals Internet Explorer, Marktanteil knapp 12) wird noch in diesem Jahr Flash-Inhalte automatisch pausieren, wenn diese die Performance negativ beeinflussen.
  • Apples Safari-Browser (Marktanteil knapp 10 Prozent) deaktiviert ab Version 10 Plugins wie Adobe Flash von Haus aus.

Grundsätzlich bleibt somit zwar die Möglichkeit bestehen, sich eine Webseite mit Flash-Inhalten anzeigen zu lassen, aber es bleibt immer ein fahler Beigeschmack, den sich im Jahr 2016 insbesondere Firmen nicht leisten können.

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