Am 15. Februar feierte YouTube seinen 15. Geburtstag. Was einst mit einem Elefanten-Clip begann, gilt inzwischen als eine der mächtigsten Medien-Plattformen unserer Zeit.

Ein junger Mann steht vor zwei Elefanten im Zoo von San Diego, schaut in die Kamera und erzählt etwas von langen Rüsseln. Die Aufnahme ist verwackelt. Auch die Auflösung und der Ton des 18-sekündigen Clips sind so schlecht, dass das Video heutzutage keinerlei Beachtung mehr finden würde – und dennoch hat es fast 100.000.000 Aufrufe.

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Was viele nicht wissen: Der unscheinbare Clip ist das erste Video, das je bei YouTube hochgeladen wurde. Und der junge Mann ist nicht irgendjemand, sondern YouTube-Mitgründer Jawed Karim.

Spannend ist das Video vor allem deshalb, weil es zeigt, wie alles begann. In der Anfangszeit war YouTube eine kleine Online-Plattform, die Menschen die Möglichkeit gab, ihre privaten Videos im Internet zu veröffentlichen und mit der Welt zu teilen. In der Regel waren das unspektakuläre, kurzweilige Clips, die ohne viel Aufwand von Hobby-Filmern aufgenommen wurden. Ein Video, das ein paar hundert Views hatte, war schon eine große Nummer.

Zu diesem Zeitpunkt kannte kaum jemand die Video-Plattform YouTube – doch das sollte sich schon bald ändern.

Der Aufstieg von YouTube zum Video-Imperium

Um zu verstehen, wie kometenhaft der Aufstieg des Videoportals war, muss man lediglich einen Blick auf die zeitlichen Abstände werfen: YouTube wurde am 15. Februar 2005 gegründet, das erste Video ging am 23. April 2005 online. Bereits am 9. Oktober 2006, etwas mehr als eineinhalb Jahre nach seiner Gründung, wurde YouTube dann für unglaubliche 1,31 Milliarden Euro von Google gekauft. Der Rest ist Geschichte.

Das heutige YouTube in Zahlen:

  • im Jahr 2019 generierte YouTube Werbeeinnahmen von 15 Milliarden US-Dollar.
  • YouTube hat mehr als zwei Milliarden Nutzer, das entspricht fast einem Drittel aller Internetnutzer weltweit.
  • allein YouTube auf Mobilgeräten erreicht mehr Zuschauer in den USA als jeder TV-Sender.
  • es gibt lokalisierte Versionen von YouTube in 91 Ländern und 80 Sprachen.
  • Videos auf YouTube bringen es täglich (!) auf eine Wiedergabezeit von einer Milliarde Stunden.
  • es gibt mehr als 9.000 Partner, darunter viele große Fernsehsender, Filmstudios und Plattenfirmen.

Der Großteil der inzwischen auf YouTube veröffentlichten Aufnahmen sind professionell produzierte Videos. Für die hohen Umsätze sorgen in erster Linie Werbeeinblendungen. Wer diese nicht möchte, kann für 11,99 Euro im Monat YouTube Premium abonnieren – und hat damit dann auch Zugriff auf die Spotify-Alternative YouTube Music Premium. Selbstredend können bei YouTube auch Filme gekauft oder geliehen werden.

Aus der einstigen Plattform für private Hobby-Filmer ist eines der weltweit bedeutendsten Medien-Imperien geworden.

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YouTube hat die Medienlandschaft verändert

Wer sich 2005 ein Video auf YouTube anschauen wollte, tat dies im Regelfall am PC. Wer 2005 ein Video aufnehmen wollte, nutzte dafür meist einen Camcorder. Doch schon bald brach die Smartphone-Ära an und plötzlich konnte jeder – immer und überall – Videos konsumieren, produzieren und sogar veröffentlichen. Inzwischen belaufen sich die Aufrufe über Mobilgeräte auf mehr als 70 Prozent der gesamten Wiedergabezeit auf YouTube.

All das führte dazu, dass das Video als Format immer populärer wurde:

  • statt die Bedienungsanleitung zu lesen, schaut man sich heute lieber ein How-to auf YouTube an.
  • statt ein Kochbuch zu lesen, kocht man lieber das Rezept von Sallys Welt nach, das nebenbei auf dem iPad läuft.
  • und wozu noch Zeitung lesen, wenn man auf YouTube auch alle Informationen im Videoformat findet?

Zeitungsverlage, Fernsehsender, Unternehmen – wer den Anschluss nicht verlieren wollte, musste auf Videos setzen. Auch soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter waren gezwungen, Videofunktionen auf ihren Plattformen zu integrieren, um YouTube nicht alleine den Markt zu überlassen.

Gleichzeitig entstand eine völlige neue Berufsgruppe: der YouTuber. Egal, ob Musiker, Schauspieler, Comedian, Koch, Journalist oder Tech-Reviewer – die Welt von YouTube stand jedem offen. Wer eine Kamera und einen Internetzugang hatte, konnte seine Videos mit wenig Aufwand (und ohne zuerst Verlage oder Labels von sich überzeugen zu müssen) einem riesigen Publikum präsentieren. Viele der YouTuber, die heute als „Influencer“ mit ihren professionellen Produktionen Millionen von Menschen erreichen, haben vor ein paar Jahren mit einer 300-Euro-Kamera in ihrem Kinderzimmer begonnen.

YouTube selbst schreibt dazu:

  • die Anzahl an Kanälen, die auf YouTube pro Jahr sechsstellige Einnahmen erzielen, ist im Vergleich zum Vorjahr um 40 % gestiegen.
  • die Anzahl an Kanälen, die auf YouTube pro Jahr fünfstellige Einnahmen erzielen, ist im Vergleich zum Vorjahr um 50 % gestiegen.
  • die Anzahl an Kanälen mit mehr als einer Million Abonnenten ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 65 % gestiegen.

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YouTube im Zeitalter von Fake News, Propaganda und Extremismus

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Und so hat auch YouTube mit den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit zu kämpfen. Denn natürlich wird eine so populäre Plattform wie YouTube auch zur Verbreitung illegaler Inhalte genutzt: Sex-Videos, Selbstmord-Aufnahmen, Holocaust-Leugnung, islamistische und rechtsextreme Propaganda, Raubkopien von Filmen und Songs – die Liste ist lang.

Das Problem an der Sache: Selbst ein Großkonzern mit einem Jahresgewinn von über 34 Milliarden US-Dollar, kommt bei 300 Stunden Videomaterial, das pro Minute (!) hochgeladen wird, an seine Grenzen. Trotz modernster Algorithmen, Melde-Funktionen und manueller Prüfungen ist es durch die schiere Masse an Inhalten nicht möglich, alle kritischen Inhalte immer sofort zu sperren.

Der Umgang mit Fake News, Propaganda und Extremismus ist die wohl schwierigste Aufgabe, die YouTube – wie auch alle anderen Social Networks – in den kommenden Jahren zu bewältigen hat.

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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.