Open Content / Data und ähnliche Vorhaben samt ihrer Lizenzierungen sind zweifelsohne eine Herausforderung und Chance für jedermann. Doch speziell für Unternehmen bietet sich eine Möglichkeit, die eigene Kreativität schneller zu verbreiten; Projekte an der richtigen Stelle zu platzieren – ohne dabei viel Geld in die Hand zu nehmen. Die Vorteile: Urheber können bestimmen, welche Rechte sie an ihren Werken vorbehalten, Nutzer haben mehr Freiheiten beim Umgang mit Inhalten.

Keine Frage, das Motto: „freies Wissen für alle“ wird Schule machen. Und meines Erachtens sollten gerade Unternehmen sich dieser Verantwortung stellen und den bestehenden Communities unter die Arme greifen.

Um die Chance für den Business-Sektor zu erkennen, gehen wir zurück zu den Anfängen der „Open-Community“. Denn was sich damals, Ende der 1990er Jahre entwickelte, glich einer technischen Revolution. Die Firma Netscape legte den Quellcode des hauseigenen Internet-Browsers offen. Open Source, ein Ableger des heutigen Lizenz-Chaos war geboren. Eine Gruppe von Entwicklern formte kurz darauf die Open-Source-Initiative (OSI) und veröffentlichte erstmals eine Open-Source-Definition. Die OSI pflegt noch heute diese Open-Source-Definition und zertifiziert Software-Lizenzen, die der Definition entsprechen. Doch nach über zehn Jahren Entwicklung sieht die Realität so aus: Dank der unzähligen Lizenzen blickt kaum noch jemand durch. Dennoch haben sich mittlerweile aus der reinen Software-Kultur auch freie Lizenzen für Texte, Bilder und Designs entwickelt.

Urheberrecht wird neu definiert

Das Internet ist wahrlich eine wahre Fundgrube. Für viele Nutzer ist es mittlerweile selbstverständlich, ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit anderen zu teilen. Dort gibt es „kostenlose“ Software über die besagten OSI-Lizenzen, Bilder und Texte oder Designvorlagen dürfen via Creative Commons frei genutzt werden. Die Nutzer müssen lediglich bei Nutzung oder Weiterverbreitung dieselben Lizenzbestimmungen des Urhebers nennen. Sie dürfen meist das Werk sogar abändern; die Änderungen wandern automatisch in dieselbe Lizenzierung des eigentlichen Urhebers.

Und genau diese Nennung und das indirekte Teilhaben an solchen Projekten ist für Unternehmen eine Chance. Die Autoren der FAZIT-Forschung bringen es auf den Punkt: „Bedeutung gewinnt Open Content vor allem dann, wenn man der Annahme folgt, dass je freizügiger der Umgang mit Wissen und Information gestaltet ist, desto innovativer Wirtschaft und Wissenschaft seien und desto demokratischer eine Gesellschaft werde. Daraus bezieht Open Content seine gesellschaftliche Relevanz.“

Bisher scheitert die „globale“ Projektarbeit am Hauptproblem, dass sich für Open Content heutzutage noch kein wirklich überzeugendes Geschäftsmodell entwickelt hat – denn Unternehmen denken noch immer gewinnorientiert. Dabei ist die Begrifflichkeit „Open Innovation“ schon längst eine Begrifflichkeit. Unternehmenseigene Mitarbeiter kooperieren mit externen Wissensträgern. Letztere können als Experten, Wissenschaftler, Kunden, Mitbewerber oder auch Zulieferer ins Projekt einsteigen. In der Praxis könnte beispielsweise eine sogenannte „Inside-Out-Strategie“ gefahren werden: „Eine bestehende unternehmenseigene Entwicklung (Idee, Technologie, Invention, Patent), die im Rahmen des eigenen Portfolios unzureichend oder gar nicht genutzt wird, zu öffnen“, so Quadriga in ihrer Ausgabe 14 2014. Die Autoren sind sich sicher, dass speziell die Kooperationen bei Projekten mit Innovationscharakteren eine Menge Business bewegen kann.

Open Data: Unternehmen können profitieren

Die Realität sieht allerdings noch düster aus. Was bei der Softwareentwicklung der eigene Code sowie der spezielle und meist kostenpflichtige Support beschreiben, sind anderswo leider noch nutzlose Luftschlösser. Dabei müsste mit Open Content beziehungsweise Open Data ein Bemühen entwickelt werden, einen neuen und zeitgemäßen Umgang mit Inhalten sowie Lizenzen zu zelebrieren. Speziell die Gesellschaft sollte dabei in den Vordergrund gesetzt werden. Unternehmen können wiederum davon profitieren, dass ihre freien Güter bevorzugt genutzt werden; kostspielige Software, Lehrbücher und ähnliche Dinge verstauben zwar nicht im Regal – schlagfertige Konkurrenz belebt aber bekanntlich das Geschäft; beiderseits. Daraus folgen können Seminare, Schulprojekte, Support-Einheiten, neue Vertriebswege der eigenen Produkte und allgemeine Angebote. Ein schönes Beispiel, wie eine solche Umgebung wachsen kann, zeigt SAP anhand von Kooperationen mit Open-Source-Projekten.

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