Wie pflege ich meine Kontakte? Und was ist ein nachhaltiges Netzwerk? Viele Fragen tummeln sich um das Thema Netzwerken.

Im Interview beantwortet Tijen Onaran, Gründerin des Netzwerks Global Digital Women, Fragen rund ums private oder berufliche Netzwerk.

Liebe Tijen, du bist unter anderem Gründerin des Netzwerks Global Digital Women. Was definierst du als ein „Netzwerk“?

Ein Netzwerk ist für mich die schönste Form der Wertschätzung. Immer dann, wenn ich beruflich oder auch persönlich Rat brauche oder anderen auch weiterhelfen kann, kommt mein Netzwerk ins Spiel.

In deinem aktuellen Buch die Netzwerkbibel schreibst du: „1000 Kontakte bei Xing sind noch kein Netzwerk“. Welche Eigenschaften muss ein Netzwerk haben, um mich beruflich oder persönlich weiterzubringen?

Es muss in erster Linie responsiv sein. Das bedeutet, das Netzwerk muss vor allem dann da sein, wenn ich es am dringendsten benötige, bspw. in der Krise! Die Kraft eines starken Netzwerks zeigt sich in der Verbindlichkeit. Und die Verbindlichkeit wiederum wird durch Nachhaltigkeit erzeugt – nur wer sein Netzwerk pflegt und klar ist indem was das eigene Netzwerk leisten kann und was nicht, wird auch nicht enttäuscht.

die Netzwerkbibel
In ihrem aktuellen Buch gibt Tijen Onaran Tipps rund ums Thema Netzwerken.

In Zeiten, in denen innovative und neue Ideen gefragt sind, werden Netzwerke auch für Unternehmen enorm wichtig. Was rätst du Unternehmen, die ein Netzwerk aufbauen möchten?

Unternehmensnetzwerke leben von den Menschen, die sie gestalten. Daher sollten Unternehmen, die Netzwerke aufbauen wollen, BotschafterInnen suchen, die diese Netzwerke mit Leben füllen.

Ein gutes Unternehmensnetzwerk lebt vom „Why, How und Who“. Sprich: Warum sollte es dieses Unternehmensnetzwerk geben und welches Ziel verfolgt es? Wie soll dieses Ziel erreicht werden und wer ist Teil dieser Netzwerke.

In deinem Buch schreibst du auch, dass gerade Diversität Systeme und Netzwerke intelligenter macht. Kannst du uns das bitte genauer erklären? Inwiefern profitieren Unternehmen von Diversität in Teams?

Es gibt zahlreiche Studien die den Zusammenhang von Diversität und Innovationskraft aufzeigen. Je diverser Teams sind, desto besser die Resultate. Denn: wenn ganz unterschiedliche Köpfe zusammenkommen, wird das Projekt auch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven gedacht und damit auch einer größeren Zielgruppe an bspw. Kunden zugänglich.

Für viele Menschen sind Xing oder LinkedIn lediglich digitale Adressbücher für berufliche Kontakte. Wie lassen sich die beiden sozialen Netzwerke nutzen, um Kontakte wirklich nachhaltig zu knüpfen?

Indem man diese Netzwerke eben nicht rein als digitale Adressbücher nutzt, sondern als das was sie sonst auch bieten: Content-Plattformen. Indem ich mein Netzwerk regelmäßig auf dem Laufenden halte, mit was ich mich gerade inhaltlich beschäftige, pflege ich automatisch mein Netzwerk.

Dabei geht es nicht um eine Selfie Show, sondern wenn Selfie, dann mit Inhalt. Auf welcher Konferenz war ich zuletzt, die mich beeindruckt hat und was habe ich dort mitgenommen? Das Gelernte kann ich dann im Netzwerk wiederum teilen und andere inspirieren!

Auch das Thema Corporate Influencer spielt in der Netzwerkbibel eine wichtige Rolle. Welche Rolle spielen diese für Unternehmen? Und warum lohnt es sich, nicht nur für CEOs, dem Thema anzunehmen?

BotschafterInnen sind das Herzstück von Unternehmen. Sie sind diejenigen, die nach außen hin das Unternehmen repräsentieren und die Diversität eines Unternehmens leben. Ich bin überzeugt, dass jede/r zur BotschafterIn eines Unternehmens werden kann – denn die große Chance liegt daran, dass ganz unterschiedliche Perspektiven plötzlich Raum bekommen, und damit aufzeigen, dass das Unternehmen vital und erlebbar ist.

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Ein Netzwerk lebt ja bekanntlich von Aktivität und Austausch. Der Schlüssel dazu ist Community Management. Was macht gutes Community Management aus?

Gutes Community Management kennt keine vorgefertigten Regeln. Es lebt davon, dass im Dialog mit den Menschen, die Teil der Community sind, Themen neu gesetzt und bespielt werden. Dabei hilft es nach Feedback zu fragen, die Menschen einzubinden und vor allem von den KritikerInnen zu lernen. Reibung erzeigt Energie und bringt einen aus der Komfortzone. Gutes Community Management spielt sich außerhalb der eigenen Komfortzone ab.

„Netzwerken ist einfach will aber gelernt sein“, heißt es in der Netzwerkbibel. Was sind die zentralen die Lektionen, die du bei der Arbeit in der Politik gelernt hast? Und welche Tipps würdest du deinem jüngeren Ich zum Thema Netzwerken heute geben?

Was man von der Politik hinsichtlich netzwerken lernen kann ist in Koalitionen zu denken. Gemeinsam ist man immer stärker als alleine, das gilt auch fürs Netzwerken. Dabei hilft es sich zu überlegen, welches gemeinsame Ziel man verfolgt, sprich: es muss für beide Seiten spannend sein. Meinem jüngeren Ich würde ich sagen: jede/r hat was zu geben, unabhängig davon welche Position man innehat.

Zurück zum Thema Social Media: Welche digitalen Netzwerke nutzt du am liebsten? Und warum?

Ich entdecke gerade meine Liebe für Instagram. Die Mischung aus digitalem Fotobuch und Interaktion mit der Community, insbesondere über die Story-Funktion, sind besonders spannend. Twitter ist für mich der Kanal, bei dem starke Persönlichkeiten mit starken Positionen Raum finden – die Streitbarkeit muss man allerdings aushalten können, trotzdem oder gerade das fasziniert mich am Medium.

LinkedIn und auch XING sind für mich Plattformen, die einem die Möglichkeit geben, auch mal längere Artikel zu teilen, wer also das Schreiben liebt, ist dort gut aufgehoben.