Wenn im Sport Rekorde aufgestellt, Sieger gekürt und Verlierer betrauert werden, dann sind es in Wahrheit nackte Zahlen, die wir mit Emotionen aufladen. Eine Zehntelsekunde, mit menschlichem Auge kaum zu erkennen, kann den Unterschied machen zwischen Gold und Silber, zwischen Sieg und Niederlage. Ob der 10-km-Lauf ein Erfolg war, entscheidet der Hobbyläufer meist beim Blick auf die Ergebnisliste. Die Firma RACE RESULT aus Pfinztal hat sich auf die Erhebung und Verarbeitung solcher Daten aus Ausdauer-Wettkämpfen spezialisiert.

Neu war die Idee nicht, als sich drei Uni-Absolventen im Jahr 2009 in Karlsruhe an die Arbeit machten: Ein Zeitmesssystem wollten sie bauen, mit dem man bei Läufen, Radrennen und Co. einfach und komfortabel Ergebnisse für tausende von Teilnehmern ermitteln, berechnen und veröffentlichen kann. Dass das heute weltweiter Innovationsführer ist, hat viel mit dem Enthusiasmus, der Entdeckerfreude und auch der Frustrationstoleranz der ersten Monate zu tun.

„Das war zu Beginn ein großes Abenteuer. Wir hatten richtig Bammel vor den ersten Rennen, bei denen wir unsere Technik tatsächlich auf der Straße liegen hatten. Wenn der Sieger über die Linie läuft, muss die Technik einfach funktionieren, egal wie“, erinnert sich CEO Sönke Petersen. „Gleichzeitig hatten wir als junges Unternehmen ein sehr klares Ziel. Wollte man damals Zeitmesstechnik benutzen, musste man halb Ingenieur, halb Mathematiker sein. RACE RESULT hat diesen Markt quasi demokratisiert, indem wir ein System entwickelt haben, das jeder mit wenig Einarbeitung nutzen kann. Dazu haben wir einen Verleihservice gestartet. Das hat in der Branche eine richtige Aufbruchstimmung ausgelöst. Diesen Pioniergeist haben wir uns bis heute erhalten.“

Der Drei-Mann-Betrieb hat sich inzwischen zu einem global agierenden Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern entwickelt. Die RACE RESULT-Technologie wird weltweit verkauft und bei über 10.000 Veranstaltungen pro Jahr eingesetzt, über 5.000.0000 Sportler erhalten so Live-Zwischenzeiten, Ergebnisse und Ranglisten.

Bei großen Rennen wie dem Singapur-Marathon mit bis zu 50.000 Teilnehmern kommt RFID-Technologie zum Einsatz. Einweg-Transponder auf der Startnummer werden vom Zeitmesssystem erkannt und mit einem Zeitstempel versehen. Diese Detektionen werden dann über mobile Datennetze an RACE RESULT-Server geschickt. Eine spezielle Software kombiniert diese Daten mit den Informationen über den jeweiligen Teilnehmer und errechnet live Zwischenzeiten und Ranglisten.

Bei Radrennen, Triathlons und Motorsport werden besonders präzise Transponder mit interner Batterie verwendet. Auch hier übernimmt das CyberForum-Mitglied RACE RESULT weltweit immer mehr Marktanteile.

Zu Spitzenzeiten laufen hunderte Sportveranstaltungen gleichzeitig auf den Servern des Unternehmens, die mittlerweile über die ganze Welt verteilt sind. Dazu kommt eine Anmelde- und Ergebnisplattform für Sportler. So haben sich über die Jahre auch die Prioritäten bei der Weiterentwicklung der Technologie verschoben. Je größer und renommierter die Sportevents, bei denen RACE RESULT zum Einsatz kommt, desto wichtiger werden Themen wie Datensicherheit, Stabilität von Servern und Software. Jeder Sportler erwartet heute, sein persönliches Ergebnis Sekunden nach dem Zieleinlauf per Smartphone abrufen zu können.

„Inzwischen entwickeln wir auch die RFID-Technologie selbst weiter. Als einziges Unternehmen unserer Branche haben wir einen speziellen UHF-Transponder für Sportevents auf den Markt gebracht. Wir tauchen immer tiefer in die Materie ein und verschieben die Grenzen des technisch Möglichen jeden Tag ein Stückchen weiter“, sagt Nikias Klohr, CTO und Mitgründer des Unternehmens.

Am Firmensitz vor den Toren Karlsruhes arbeiten Ingenieure und Softwareentwickler an neuen Produkten und Features. Ein Großteil der verkauften Elektronik wird hier gebaut und montiert, viele Millionen Startnummern jährlich auf speziellen Druckmaschinen produziert. Dazu kommen Versand, Lagerhaltung, Kundenservice uns Vertrieb. Der Umsatz von RACE RESULT lag im vergangenen Jahr bei über 13 Millionen Euro, das Unternehmen verzeichnet seit Jahren zweistellige Zuwachsraten, auch bei der Belegschaft. Die Zeichen stehen weiter auf Expansion und so werden in allen Bereichen werden weiter Mitarbeiter gesucht.

„Auch wenn wir als Firma und mit unserer Technologie sehr solide aufgestellt sind, ein bisschen Nervenkitzel wird wohl immer bleiben. Wenn innerhalb weniger Minuten zehntausende Läufer mit unseren Transpondern eine Startlinie überqueren, dann muss alles perfekt funktionieren. Bei jedem einzelnen Sportler hast du nur eine einzige Chance seine Zeit zu erfassen. Der kommt nämlich nicht wieder“, schmunzelt Sönke Petersen. Daran hat sich seit den Gründertagen von RACE RESULT nichts geändert.