Unternehmen sind sehr vorsichtig, was die Investitionen in neue Softwareprojekte angeht. Das liegt aber weniger an den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise als an den rasanten Veränderungen der Märkte.

Die europäische Wirtschaftskrise begleitet uns schon im dritten Jahr und ein Ende ist bisher nicht abzusehen. Der Druck auf die Wirtschaft schlägt sich auch in den Ausgaben für die IT nieder. Vor allem in Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland haben selbst große Unternehmen die Budgets für die IT-Abteilung massiv zusammengestrichen. In Deutschland sieht die Sache noch etwas anders aus. Hier wächst die Wirtschaft zwar auch nur langsam, aber immerhin ist ein Wachstum überhaupt festzustellen. Dazu kommt, dass sich Deutschland in den letzten zehn Jahren im weltweiten IT-Markt mit Firmen wie SAP gut etabliert hat.

Dennoch steigen die Ausgaben für die IT nur langsam. Der Index der realisierten IT-/TK-Ausgaben ging nach einer Analyse von Techconsult im Februar um sechs Zähler auf 109 Punkte nach oben. Im Jahresvergleich bleibt aber sowohl der Lageindex der IT-/TK-Ausgaben als auch der Indikator der Ausgabenplanungen gegenüber dem Vorjahreswert zurück: Beide Indikatoren weisen jeweils ein Minus von drei Punkten im Vergleich zum Februar 2013 aus.

Deutschland abgeschlagen

Andrew Bartels, Analyst bei Forrester Research, hat sich den europäischen IT-Markt genau angeschaut und kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass die Unternehmen sehr vorsichtig sind, was insbesondere die Investitionen in neue Softwareprojekte angeht. Die Zögerlichkeit vieler CIO und CTOs in Sachen Softwarekauf hat aber auch noch einen anderen Grund als die angespannte Wirtschaftslage in Europa. Denn der Markt und die technischen Möglichkeiten verändern sich gerade rasant. Software as a Service (SaaS) und andere cloudbasierte Anwendungen übernehmen nach und nach die klassischen Komplett-Softwarepakete, die Firmen in den letzten zwei Jahrzehnten erworben haben.

Doch der SaaS-Markt und die dazu gehörige Technologie sind derzeit noch nicht in der Lage, alle Ansprüche eines maßgeschneiderten Softwarepaketes zu erfüllen. Gerade in ländlichen Gebieten fehlt es noch oft an den passenden Breitbandverbindungen, die für SaaS-Angebote nötig sind. Hier rächen sich in vielen Ländern die mangelnden Investitionen in den Ausbau der Glasfasernetze. Deutschland liegt hier zum Beispiel im weltweiten Vergleich weit abgeschlagen. In einer Erhebung des FTTH Council taucht Deutschland noch nicht mal in Europa unter jenen 22 Ländern auf, die ihrer Bevölkerung einen Zugang zu Glasfasernetzen anbieten können.

Chance in der Analyse

Der Fokus der Einkäufer verschiebt sich auch in anderen Bereichen. Es geht nicht mehr nur um die Bereitstellung von Services, sondern viel mehr um die Analyse der Daten. Business Intelligence und Business Analytics sind die zwei Themen, die laut Forrester das höchste Interesse bei den Entscheidern wecken. Die Unternehmen suchen ihr Heil in einer verbesserten Effizienz um weitere Kosten sparen zu können, ohne die Personaldecke weiter ausdünnen zu müssen. Die Analyse der internen Vorgänge und die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch einen zentralisierten Einkauf, steht ganz oben auf der Wunschliste vieler Unternehmen. Auch im Bereich Costumer Service gibt es hier einen wachsenden Bedarf, weil die Unternehmer schneller auf die sich verändernden Märkte und die Wünsche der Kunden reagieren müssen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen.

Der gesamte Supply-Chain-Management-Markt (SCM) wuchs 2012 laut Studie von Gartner um 7,1 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar. Die Geschäfte mit Lösungen für das Customer- Relationship-Management (CRM) legten sogar um 12,5 Prozent auf 18 Milliarden Dollar zu. Im CRM Markt hat sich der Markt komplett verändert und spiegelt wieder, was sich seit Jahren abzeichnet. Einstige Platzhirsche wie SAP, die relativ komplizierte CRM-Softwareangebote haben, mussten in den letzten Jahren Federn lassen. Stattdessen hat Salesforce mit seinem fast reinen SaaS-Angebot die Marktführerschaft übernommen. Viele Analysten sehen in dem Wachwechsel ein Zeichen für den restlichen Markt, auch in Europa.

Aber die Angst vor einer Verlängerung der Wirtschaftskrise und die Unsicherheiten über die Entwicklung des Marktes im Bereich Cloud Computing lassen Unternehmen weiter nur zögerlich in den IT-Sektor investieren. Treiber ist derzeit das Finanzgewerbe, hier liegen die Indikatoren weit über dem Marktdurchschnitt. Im Handel und in der Industrie liegen die Indikatoren dagegen laut Techconsult unter 100 Punkten, was bedeutet, dass hier die Unternehmen mit steigenden ITK-Ausgaben in der Minderheit waren.

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