2021 erreichte das CyberForum-Mitglied Seven2one aus Karlsruhe einen ganz besonderen Meilenstein und feierte das 20-jährige Firmenjubiläum. Zeit für einen Rückblick aus Sicht des Karlsruher Unternehmens mit der Geschäftsführung.

Mit welcher Vision wurde Seven2one gegründet?

Anfang 2000 führten die Deregulierung und Liberalisierung der Energiemärkte und neue politischen Rahmenbedingungen zu starken Veränderungen im Energiesektor: Wettbewerb in der Strom- und Gasversorgung, Klimaschutzprogramm, Öko-Steuer, EEG. Die Vision von Seven2one war es, Energieversorgungsunternehmen (EVU) und Kommunen bei strategischen Energie- und Umweltplanungen zu unterstützen. Die an der Universität Stuttgart entwickelte Software MESAP (Modulare EnergieSystemAnalyse und Planung) sollte die komplexen Zusammenhänge im Energiebereich abbilden und eine konsistente Bilanzierung von Energie- und Stoffströmen, Schadstoffen und Energiekosten ermöglichen. Seven2one lieferte die MESAP-Software und unterstützte die Kunden bei Einführung, Customizing, Systemintegration, Schulung sowie Support.

Welche Schwierigkeiten kamen Ihnen auf dem Weg in die Quere?

Die Vision konnte so nicht umgesetzt werden. Die EVUs brauchten keine Computermodelle, sie waren eher an der flexiblen Datenbank von Mesap interessiert; die Kommunen hatten ein starkes Interesse an Energie- und Umweltplanung aber keine finanziellen Mittel. Der Fokus von Seven2one pivotierte daher sehr schnell. Schon im ersten Projekt wurde Mesap erfolgreich als flexible Datendrehscheibe im neu entstehenden Energiehandel eingesetzt. Unsere Stärke wurde das fachliche Energie-Knowhow kombiniert mit der bewährten Plattform als Unterbau. Der Aufbau interner Organisationsstrukturen beim Übergang vom Startup zum stabilen mittelständischen Unternehmen war ebenfalls herausfordernd.

Warum wollten sie immer ein eigenes Produkt entwickeln und an den Markt bringen?

Die Marktentwicklung machte es für EVUs notwendig Prozesse ständig anzupassen. Am Markt vorherrschend waren isolierte fachspezifische IT-Lösungen mit Datensilos. Mesap sollte einen einheitlichen anpassbaren Datenraum bieten, der sofort zur Integration von Daten und Prozessen eingesetzt werden konnte. Viele Kunden hatten ähnliche funktionale Anforderungen, daher verfolgten wir das Ziel, einen Baukasten generischer Funktionen aufzubauen, die individuell für die fachlichen Prozesse beim Kunden konfiguriert werden konnten. Mesap war günstiger als eine Individualentwicklung und im Projekt konnte mit Mesap sofort gearbeitet werden. Seven2one konnte durch Lizenzeinnahmen und Einnahmen aus Supportverträgen einen stabilen Umsatzsockel aufbauen und sein Wachstum aus dem Cashflow finanzieren.

Warum haben Sie sich für den Standort Karlsruhe entschieden?

Die Entscheidung für den Standort Karlsruhe lag an der hervorragenden Gründerbetreuung durch das CyberForum und durch die Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe. Neben der Gründungs- und Rechtsberatung vom CyberForum bot die Stadt günstige Büroräume im Gründerzentrum und stellte sogar Risikokapital über die Gesellschaft für Finanzierung und Beratung GGFB zur Verfügung. Auch das CyberForum-Netzwerk mit vielen kleinen IT-Startups macht Karlsruhe für Gründer attraktiv, da Seven2one schnell die nötigen Partner fand, um auch größere Projekte zu realisieren. Ein Beispiel war die erfolgreiche Partnerschaft mit andrena und Secorvo 2009 bei der Entwicklung der Transparenzplattform für Energie für die europäische Strombörse EEX, die heute einer der wichtigen Kunden von Seven2one ist.

Wo sehen Sie Seven2one bei ihrem 30jährigen Jubiläum?

Wir werden in einem sich weiter verändernden Energiemarkt noch individualisierter auf die Kundenwünsche eingehen und Verantwortung für das Technische Applikations-Management unserer Software für unsere Kunden übernehmen.

Unseren Mitarbeitern werden wir Aufgaben anbieten, die sowohl technisch als auch gesellschaftlich einen Sinn ergeben.

Wie haben Sie die Corona-Krise (bisher) erlebt?

Wir haben in der Corona-Krise hauptsächlich drei Herausforderungen erlebt. Eine Herausforderung waren Präsentationen bei Neukunden, die wir nicht vor Ort abhalten konnten. Eine Präsentation über Video-Konferenzen erschwert die direkte Interaktion mit den Interessenten.

Die zweite Herausforderung war, dass wir unsere Bestandskunden nicht vor Ort besuchen konnten, um unseren jährlichen direkten Austausch zu pflegen und über die Vorhaben in der nahen Zukunft zu sprechen.

Die dritte Herausforderung war und ist in Home Office Zeiten den sog. Flurfunk zu kompensieren, der eine bereichsübergreifenden Kommunikation darstellt. Diese Art von Austausch ist in Zeiten von Home Office aufwändiger und findet daher eher nicht statt.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, denen Sie sich als Arbeitgeber in Zukunft stellen müssen?

Eine Herausforderung liegt im hybriden Arbeiten, d.h. einige Mitarbeiter arbeiten im Home Office und andere Mitarbeiter im Büro. Dabei sehen wir die Herausforderung nicht in der Technik, sondern in der Zusammenarbeit und im Zusammenhalt unter den Mitarbeitern.

Eine weitere Herausforderung sehen wir darin unseren Mitarbeitern ein Umfeld zu bieten, in dem sie ein gesellschaftlich sinnstiftendes Aufgabengebiet und noch attraktivere Arbeitsmöglichkeiten haben.

Sie sind Teil des Hightech.Unternehmer.Netzwerk. CyberForum. Wie hat Ihnen dieses Netzwerk seit Ihrer Mitgliedschaft geholfen?

Die Gründerbetreuung durch Gründungs- und Rechtsberatung des CyberForum war für uns hervorragend. Bis heute hilft uns das CyberForum-Netzwerk die nötigen Partner zu finden. Des Weiteren haben wir viele Mitarbeiter durch das CyberForum aus- und weitergebildet.