Das nächste Einhorn, der Hidden Champion der Zukunft? Oder einfach eine solide Geschäftsidee, aus der mehr werden könnte? Wir schauen uns um und präsentieren Startups mit ungewöhnlichen und teils auch mutigen Ideen. Heute: Von der Rettungsboje bis zum digitalen Hochzeitsalbum. 10+ Karlsruher Startups, die man auf dem Schirm haben sollte.

PACE

PACE Telematics will ältere Fahrzeuge ohne Umbau zum Smartcar machen. Die Hardwarekomponente PACE Link wird am OBD 2 Port, der Diagnoseschnittstelle eines Autos, angeschlossen. Mit der passenden App ist der Weg offen für eine Vielzahl von Diensten: Von der Find-my-Car-Funktion, über elektronisches Fahrtenbuch bis zum automatischen Notruf. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion gab PACE Gas – und konnte im Herbst 2016 erfolgreich eine deutlich siebenstellige Series-A-Finanzierungsrunde abschließen.

Kinemic

Kinemic entwickelt Software zur Gestensteuerung für digitale Geräte und integriert Gesteninteraktion in etablierte und neue industrielle Prozesse. Der Claim des KIT-Spin-offs: „Wir machen Augmented Reality endlich nutzbar“. Ein Sensorarmband und eine Augmented Reality Brille – mit der Software von Kinemic ergibt sich eine Vielzahl von Anwendungsfeldern. Eine gut zu steuernde AR-Brille bietet Anleitungen zur Reparatur komplexer Maschinen oder ermöglicht Dateneingaben im Reinraum trotz sperriger Schutzhandschuhe.

Otego

Otego stellt Thermogeneratoren in der Größe von Zuckerwürfeln her. Thermoelektrische Generatoren können aus Temperaturunterschieden Strom gewinnen. Otego, eine Ausgründung aus dem KIT, kann so Sensoren mit Strom versorgen, damit diese völlig autark sind – und über eine wartungsfreie Stromzufuhr verfügen. Anwendungsfälle gibt es viele. Und durch Industrie 4.0 und Smart Home wird der Bedarf an unabhängigen Sensoren weiter steigen.

Imiji.pics

Bei Hochzeiten wird bekanntermaßen sehr viel fotografiert – und dies nicht nur durch professionelle Hochzeitsfotografen. Fast jeder Gast hat ein Smartphone oder eine Kamera bei sich und knipst eifrig. Doch wenn das Fest um ist, beginnt das lästige Sammeln und Sortieren.

Diesem Problem nimmt sich imiji.pics an. Das Startup bietet eine Online-Plattform, über die alle Fotos gesammelt und zugänglich gemacht werden können. Damit entfällt zeitraubendes Zusammensuchen, Verleihen von USB-Sticks und Herumschleppen von Fotoalben. Die digitale Sammlung kann nach der Hochzeit allen Gästen zur Verfügung gestellt werden.

RESTUBE

Kommt es beim Wassersport oder Badevergnügen zu einer kritischen Situation, so verspricht RESTUBE Hilfe: Ein kurzer Zug am Auslöser, und sekundenschnell bläst sich die Rettungsboje zu voller Größe auf. Das RESTUBE kann zusammengefaltet an der Badekleidung getragen werden. Im Notfall füllt eine CO2-Patrone die Rettungsboje. Der Auftrieb ist stark genug, um sich aufzustützen und den Kopf über Wasser halten zu können. Und da die Gaspatronen austauschbar sind, kann das Produkt wiederverwendet werden. RESTUBE erhielt 2015 den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Startup“.

RESTUBE © Bärbel Schmidt
RESTUBE – Bildquelle: Bärbel Schmidt / Deutscher Gründerpreis

ArtiMinds Robotics

ArtiMinds Robotics entwickelt modulare Software, mit der Endanwender Bewegungen und Aufgaben eines Roboters programmieren können. Intuitive Programmierung ist das Ziel – auch wenn die Aufgaben des Roboters sehr komplex sind. So braucht man mit der ArtiMinds Robot Programming Suite kein textuelles Coden, da Aufgaben eines Roboters per Drag & Drop programmiert werden können. Das macht komplexe Aufgaben handhabbar und spart viel Zeit.

Das junge Unternehmen konnte bereits renommierte Auszeichnungen gewinnen, etwa den Hauptpreis beim Gründerwettbewerb IKT Innovativ oder den FOCUS Digital Star Award. Nun setzt ArtiMinds Robotics seinen Höhenflug fort und sicherte sich einen Platz im German Accelerator Tech: Anfang 2017 geht es nach New York.

Green Parrot

Der Name Green Parrot ist vielleicht nicht besonders geläufig – das Produkt des Unternehmens hingegen schon. Mit busliniensuche.de vertreibt es ein führendes Übersichts- und Vergleichsportal für Fernbusse. Die Idee entstand durch eine Seminararbeit zum Thema Fernbusliberalisierung – die drei Gründer fanden in der Folge am Karlsruher Institut für Technologie zueinander. Und starteten ihr Portal rechtzeitig zur Veränderung des Marktes Anfang 2013.

GoSilico

GoSilico bietet eine Simulations-Software im Biopharmabereich an. Durch die Software kann die Entwicklung von Produktionsprozessen für Biopharmazeutika beschleunigt werden. Laborexperimente nehmen eine lange Zeit in Anspruch und verursachen hohe Kosten. Hier setzt GoSilico an. Mit der Technologie des Karlsruher Startups kann durch eine geringe Anzahl von Experimenten ein Modell erstellt werden – und dieses liefert die gleichen Ergebnisse in Sekunden. Dadurch können bei der Entwicklung von Medikamenten Kosten eingespart werden.

Papershift

Papershift bietet ein Online-Tool zur Dienstplanung. Die Cloud Software macht die Einplanung von Personal einfach und effizient. Unternehmen können ihre Dienstpläne online erstellen und anschließend bequem von überall aus verwalten. Mitarbeiter können zudem einfach integriert werden. Dadurch erledigen sich Urlaubsplanung, Zeiterfassung, Ausfallmanagement und Lohnabrechnung wie von selbst.

e-volo

Ein elektrisch betriebener Multicopter als Fortbewegungsmittel der Zukunft? Diese Idee kam an: e-volo sammelte im Dezember 2013 bei Seedmatch innerhalb von fast dreieinhalb Tagen 1,2 Mio. Euro von Privatinvestoren ein – das war ein neuer Europa-Rekord. Der Volocopter ist das weltweit erste bemannte und senkrecht startendende Fluggerät, das rein elektrisch betrieben wird. Das junge Unternehmen verfolgt das Ziel, den Traum vom Fliegen ab 2018 für jedermann möglich zu machen. Der bemannte Erstflug des weltweit einzigen zugelassenen Multicopters fand im April 2016 statt.