Alles kostet Geld. Schlimm. Zum Glück gibt’s im Internet alles Mögliche (fast) kostenlos. Man kann für ein paar Euro Logos kaufen, komplette Werbevideos, 1000 Facebook-Likes und vieles mehr. Das ist natürlich meistenteils Unsinn, aber man findet auch viele Schnäppchen. Ich habe eine unheilvolle Neigung zu brotlosen Nebenprojekten und möchte anhand konkreter Beispiele ein paar Tipps geben.

Fiverr: Alles für 5 Euro

Fiverr gibt’s schon lang, ist aber gar nicht sooo bekannt hierzulande. Auf der Seite kann man für einen Fünfer allerlei Dienstleistungen kaufen, die meisten sinnvollen Sachen haben aber eine Upselling-Komponente: 5 Euro für ein einfaches Logo als .png, 25 extra für das .psd beispielsweise. Die Qualität der angebotenen Dinge ist schwankend, aber man geht auch kaum Risiko ein: Zum einen sind 5 Euro kein Geld, zum anderen kann man bei allzu forschen Abzockversuchen auch einfach nicht zahlen.

Hier, mal als Beispiel, eine Sammlung meiner Versuche, ein Logo für meine (dann doch nicht so richtig realisierte Webseite) Touchboombang zu bekommen. Das Briefing war immer gleich: Es soll schlicht und modern sein, breit laufen (nicht hoch), es soll um Mobilegames gehen. Dazu gab’s ein paar Beispiele von konkurrierenden Seiten. Die Anbieter kommen übrigens alle aus Ländern wie Bangladesh, Indien, Singapur oder den Phillippinen. Schauen wir mal, wie die Leute das gelöst haben:

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Ahem. Nun. Sehr lustig. (Bild: Fiverr)
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Und nochmal 5 Euro in den Sand gesetzt. (Bild: Fiverr)
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Dritter Versuch, 10 Dollar Aufpreis. Jetzt ist es ein brauchbares Logo. (Bild Fiverr)

Aber ich habe nicht nur sinnlose Übungen gemacht. Die Logos meines internationalen PR-Services Very Small Monsters sowie meines Taktikblogs über Hannover 96, Niemals Allein, sind ebenfalls von Fiverr und schon eine Weile live im Einsatz ohne, dass mich irgendwer wegen Billiglogos gedisst hätte.

Bei Fiverr gibt’s noch mehr als Logos: Man kann Facebook-Likes ebenso kaufen wie Videoschnitt oder Web-Recherche. Ich habe abseits von Grafiken eher so mittelmäßige Erfahrungen gemacht, besonders bei Übersetzungen und anderen Texten. Was allerdings ganz gut geht, ist damit einen Webcomic zu machen: Man denkt sich ein paar Gags aus und lässt jemanden dazu eine einfache Zeichnung machen. So wie hier. Konsequent betrieben, kann das ein tolles Social-Media-Tool sein.

Bleiben wir erstmal beim Thema Grafik:

Stockphotos von Flickr und Getty

Es gibt natürlich massenhaft Stockphoto-Seiten, von unterschiedlicher Qualität. Wir auf Techtag hier nutzen Thinkstock, das ist gar nicht schlecht. Aber ich hätte noch zwei Alternativen zu bieten: Für nonkommerzielle Projekte darf man Bilder aus der Getty-Datenbank embedden. Das mache ich beispielsweise bei meinem Fußballblog, das wertet die Sache durchaus auf. Und Flickr, Klassiker unter den Fotoseiten, erlaubt die gezielte Suche nach Bildern, bei denen als Lizenz commercial use allowed angegeben ist. Das bringt bei abstrakteren Motiven eher nicht viel, aber bei Orten oder Events ist das gar nicht schlecht. Beispiel hier drüben, bei flaregames.

Karlsruhe-Bilder in S/W, kommerzieller Einsatz erlaubt.
Karlsruhe-Bilder in S/W, kommerzieller Einsatz erlaubt. (Bild: Flickr)

Canva: Gebrauchsgrafiken für umme

Canva ist ein noch relativ neuer Service, mit dem ich hauptsächlich Grafiken für Facebook mache, Text/Bild/Symbol-Sachen. Ist sehr praktisch, leicht benutzbar und vollkommen kostenlos, solange man eigenes Material verwendet oder mit den kostenlosen Bildern von Canva auskommt. Nutzt man deren Grafikdatenbank intensiver, fallen ein paar Dollar pro Symbol an. Ein faires Modell. Ist auch super, um Powerpoints aufzupeppen. 

Beispiel für eine einfache, mit Canva erstelle, Grafik. (Bild: Canva)
Beispiel für eine einfache, mit Canva erstelle, Grafik. (Bild: Canva)

Freelancer.com: Alles extern erledigen lassen

Freelancer ist eine Art MyHammer für, nun, Freelancer. Man stellt ein Projekt ein, beschreibt es möglichst sauber und wartet darauf, dass sich die Freelancer unterbieten. Ich habe da schon komplette Apps gekauft, Eil-Reparaturen an kaputtgespielten WordPress-Installationen, Recherchen für ein Buchprojekt, Blogposts et cetera. Es waren schlimme Resultate dabei, total unbrauchbares Zeug, offensichtliche Betrugsversuche, aber auch genuin gute Arbeit. Man hat es ein bisschen selber in der Hand: Man braucht ein unmissverständliches, total detailliertes Briefing, ein wenig Geduld und den Willen, nicht das allerbilligste Angebot anzunehmen.

Für ein Agentur-Projekt habe ich mal eine Liste von App-Testseiten in Frankreich recherchieren lassen. Kostete 40 Dollar, erbrachte 65 Adressen.
Für ein Agentur-Projekt habe ich mal eine Liste von App-Testseiten in Frankreich recherchieren lassen. Kostete 40 Dollar, erbrachte 65 Adressen.

Viele der Dinge, die man auf Freelancer kaufen kann, gibt es auch bei Fiverr, es lohnt sich möglicherweise, da mal zu vergleichen. Freelancerbörsen gibt es viele, Freelancer ist eher Aldi.

Pick-Fu: A/B-Tests auf die Schnelle

Jeder kennt das: Man diskutiert über ein Logo oder einen Slogan, die Meinungen gehen auseinander. Am Ende stimmt man ab oder ficht es in der Diskussion aus, objektivierbar ist das auf die Schnelle nicht. Da kommt Pickfu ins Spiel. Bei Pickfu stellt man zwei Texte ein, Bilder, Videos oder Logos, und der Service besorgt innerhalb von Minuten 100 Menschen, die sich für A oder B entscheiden und das in einem Satz auf Englisch begründen. Wer diese Leute sind, ist nicht ganz klar, vermutlich kommen die über Mechanical Turk oder einen ähnlichen Service, aber die Resultate sind meist nachvollziehbar. Um granulare Entscheidungen zu treffen, ist das ein bisschen grob, aber durch die Kommentare gewinnt es an Substanz: Wir hatten bei einem Namen für ein Kriegs-Game zehn Mal die Bemerkung „Das erinnert mich an ein Altersheim“, damit war der Vorschag gestorben.

pickfu

Und zum Abschluss, als Belohnung für alle, die bis hierhin gelesen haben, noch eine Liste von Tipps, die sich ganz gut selber erklären:

  • Presskit() ist ein Webtemplate, um Presskits auf der eigenen Webseite einzubinden.
    Hemingway ist ein Kontroll-Tool für englische Texte. Keine Wunderwaffe, kostet aber auch nichts.
  • Bodalgo ist eine Börse für Synchronsprecher. Unbedingt empfehlenswert.
  • Box.com ist ein Konkurrent zu Dropbox, Webstorage und Sharing.
  • Discord ist ein VOIP/Chat-Tool, ersetzt bei uns Skype, kann aber noch viel mehr.
  • Kanboard ist ein downloadbares Kanban-Board. Nicht so schön wie Trello, aber halt kostenlos.
  • Gamespress, Promoter und distribute() sind schöne und kostenlose Services für PR, allerdings spezialisiert auf Games.

Gibt natürlich noch Tausende mehr, aber das hier sind die Sachen, die ich regelmäßig nutze, zusätzlich zu den Google-Tools und Billomat für Rechnungen. Ich verlängere die Liste hier gerne, wenn in den Kommentaren noch gute Hinweise auftauchen.

  • lrrm

    Dazu muss man vielleicht auch anmerken, dass Logos für richtige Firmen gedacht sind, deren Gründer und Mitarbeiter sich 100% hinter die Sache stellen, und nicht nur für Teilzeit-Web-Projekte. Wer mal eine GmbH gegründet hat und für ein Unternehmen 15 Jahre in die Zukunft planen musste, wird die beratende Funktion eines mental und physikalisch präsenten Designers zu schätzen wissen. Ärgerlich, wenn man am Anfang gespart hat, die Idee am Markt ankommt, der Unternehmensaufbau klappt und man dann das Logo doppelt bezahlt. Noch ärgerlicher, wenn man es dann erneut in den Köpfen verankern muss. Zum Rumspielen ist Fiverr aber schon ok.