Was haben die Gitarren von Siccas Guitars mit dem E-Commerce gemeinsam? Im Hinblick auf das Unternehmen aus Karlsruhe können beide nicht ohne den anderen. So verkauft Siccas Guitars online wie auch offline seine meist individuellen Musikinstrumente. Speziell der E-Commerce darf in der Unternehmensstrategie von Siccas Guitars nicht fehlen. Manuel Sicca, einer der Geschäftsführer, über den Onlinehandel, Social Media und eigens organisierte Konzerte.

Ihr verkauft online wie auch stationär. Wie sind eure Erfahrung hinsichtlich der Vermischung der Kanäle?

Beide Konzepte fließen ineinander und ergänzen sich sehr gut. Ein Ladengeschäft schafft Vertrauen, indem es für Kunden einen Bezugspunkt herstellt und hierdurch unser Onlineshop real wird. Außerdem kann eine persönliche Kundenbeziehung vor Ort entstehen. Unsere Kunden schätzen den Vorzug, online eine Gitarre herauszusuchen – in aller Ruhe; und diese dann natürlich im Ladengeschäft anzuspielen. Gerade dadurch, dass der größte Teil unserer Gitarren Unikate sind, nutzen Kunden aus aller Welt, etwa aus Asien und den USA, diesen Vorzug und besuchen uns tatsächlich stationär in Karlsruhe.

Ist der E-Commerce für euch der wichtigste Absatzkanal?

Definitiv ja. Ohne eine Onlinepräsenz wäre unser Konzept nicht so erfolgreich. Auch weil wir dadurch Kunden auf der ganzen Welt erreichen.

Wandelt sich euer stationärer Laden dahingehend nicht auch? Ist er als lokale Anlaufstelle noch wichtig? Wenn ja, warum und wie äußert sich das?

Für uns stellt sich ein stationärer Point of Sale als nützlich dar, ist allerdings auch kein Muss. Wir haben zu Anfang unsere Gitarren direkt aus dem Wohnzimmer vertrieben und das funktionierte sehr gut.

Mit gitarrenverleih.com haben wir vor wenigen Wochen ein Projekt realisiert, dass auch ohne stationären Handel hervorragend funktioniert. Dass Unternehmen zunächst nur online oder von zuhause aus ihre Produkte vertreiben, kommt mittlerweile sehr häufig bei technologieaffinen Firmen vor. Erst später erfolgt dann eine Ladeneröffnung. Zum Beispiel hat MyMuesli klein angefangen und später diverse stationäre Shops eröffnet, so auch in Karlsruhe.

Wie muss ich mir eure Arbeit vorstellen? Ihr seid ja nicht nur ein Gitarren-Shop. Ihr habt Kontakte zu den besten Gitarristen der Welt, organisiert Konzerte – ist das die neue Art des Marketings?

Letztendlich sind wir ein Gitarren-Shop, dessen Teammitglieder sehr technologieaffin sind. Wir haben uns darauf spezialisiert Social-Media-Kanäle effektiv zu nutzen. Wobei man klar sagen muss, dass es hier noch sehr viel Luft nach oben gibt. Man muss kreativ sein, sich ständig mit der Materie auseinandersetzen. Aus meiner Sicht ist unser Weg keine neue Art des Marketings, sondern wir ergänzen und erweitern bestehende Marketingstrategien mit neuen zeitgemäßen.

Sehr wichtig sind uns die persönlichen Kontakte zu Kunden und Händlern. Wir bekommen täglich sehr viele Anfragen aus der ganzen Welt, die alle sorgfältig beantwortet werden. Die Optimierung der Website, der Videos und die Prozessoptimierung innerhalb des Unternehmens stehen ebenso im Mittelpunkt. Wir sind in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen und daher ist es sehr wichtig, dass man tagtäglich sein Handeln und die Arbeitsweisen hinterfragt und sich untereinander austauscht. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass man als Team gut aufeinander abgestimmt ist und wir alle an der internen und externen Kommunikation arbeiten – unsere Ideen austauschen.

Eine Stärke von uns ist die Kombination von traditionellen Marketingkampagnen (Konzerte) in Kombination mit Social-Media-Kanälen, wo diese Konzerte dann beworben werden und die Bilder des Konzerts veröffentlicht werden. Wir organisieren ein bis zwei Konzerte im Jahr mit den weltweit renommiertesten Künstlerinnen und Künstlern. Vor einem Jahr konnten wir Ana Vidovic für ein Konzert gewinnen und dieses Jahr, am 26.03.2016, wird Marcin Dylla ein Konzert im Schloss Ettlingen geben, das wir organisiert haben.

Einige eurer Gitarren kosten gerne mal 4.000 Euro. Was rechtfertigt diesen Preis und wer sind dahingehend eure Abnehmer? Nur Profis? Seid ihr beispielsweise über die Grenzen Deutschlands bekannt – beziehungsweise euer Shop?

Meistergitarren sind Unikate und viele der Gitarrenbauer, welche diese Unikate bauen, haben Wartezeiten von mehreren Jahren, da die Nachfrage viel größer ist als das Angebot. Zudem vertreiben wir auch viele Sammlerstücke, die absolute Raritäten und daher sehr gefragt sind. Sowohl Profis, als auch leidenschaftliche Hobby-Gitarristen sind unsere Kunden. Bekannt sind wir auf der ganzen Welt und daher werden die meisten unserer Gitarren ins Ausland verkauft. Um möglichst viele Gitarristen zu erreichen, betreiben wir unsere Webseite auf Deutsch und Englisch.

Wie hat sich eurer Meinung nach der stationäre Handel verändert? Was macht ihr anders als andere Shop-Betreiber? Könnt ihr ggf. 1-3 Tipps geben?

Ich denke das Problem ist, dass sich der stationäre Handel kaum bis gar nicht verändert hat. Mein persönlicher Eindruck ist: Erst jetzt nach so vielen Jahren, seitdem Produkte über das Internet vertrieben werden, entsteht ein neues Bewusstsein bezüglich dieser Thematik.

Aber dennoch: Viele Händler, Dienstleister, Handwerker, die heute ein neues Geschäft eröffnen setzen ausschließlich auf alte Vertriebskanäle und schaffen es nicht, sich ein Bewusstsein für die neuen Möglichkeiten anzueignen und letztendlich auch in die Tat umzusetzen. Letztendlich bietet das Internet Chancen für viele, sich Selbstständig zu machen und mit geringen Kosten ein Onlineunternehmen zu betreiben. Es führt aber auch zu großen Risiken für Firmen, die sich nicht anpassen beziehungsweise ein Massenprodukt vertreiben, das viele Konkurrenten anbieten.

Bedingt durch die Revolution des Onlinehandels sind zwei Bereiche zu unterscheiden in denen das Internetgeschäft Chancen und Risiken aufweist:

Verlierer sind Händler, die Massenprodukte verkaufen und etwa mit Rocket-Internet-Firmen wie Zalando konkurrieren müssen. Diese Händler haben kaum eine Chance gegen Zalando. Auch weil sie nicht über das nötige Kapital verfügen, um zum Beispiel damit eine große Reichweite zu generieren, sie anschließend gut skalieren und gleichzeitig große Verluste wegstecken zu können. Hingegen ergeben sich für kleinere Einzelhändler, die Unikate produzieren, einkaufen und über ihren Shop vertreibe, große Chancen neue Kunden zu gewinnen und selbst zu wachsen. Ein Beispiel aus Karlsruhe ist die Firma Antik-Art in der Amalienstraße. Das Unternehmen verkauft einen großen Teil an antiken Gegenständen über ihren Ebay-Shop. Ein weiteres Beispiel ist die Firma MyBoshi, die online sehr erfolgreich handgestrickte Mützen vertreiben.

Durch die immer größer werdende Anzahl an mobilen Endgeräten kommt es erneut zu einer disruptiven Entwicklung. Die erste Entwicklung dieser Art erfolgte zwischen stationärem Handel und dem klassischen Onlinegeschäft. Die zweite disruptive Entwicklung erfolgt zwischen dem bisherigen klassischen Onlinegeschäft und der immer weiter wachsenden mobilen Online-Welt; sei es über Smartphones oder Tablets, die zudem ein Responsive-Design oder eine App des Onlineshops benötigen, um nutzerfreundlich bedienbar zu sein. Hierdurch kann die Konversationsrate deutlich erhöht werden.

Viele Unternehmen und Selbstständige scheuen heute immer noch den technologischen Aufwand, um ihr bestehendes Unternehmen online zu bringen, da es zu Beginn zeit- und kostenintensiv ist, viele der bestehenden Unternehmensprozesse neu zu strukturieren.

Spielt ihr bei Siccas Guitars auch selbst Gitarre?

Die meisten von uns spielen Gitarre.

Anmerkung der Redaktion: Schaut euch unbedingt die Website, beziehungsweise den digitalen Rundgang der Gitarren-Manufaktur an, oder schaut gleich persönlich vorbei. Es lohnt sich.