In den letzten Monaten gab es viel zu lesen über die Industrie 4.0. Es scheint als sei sie derzeit das Kernthema sämtlicher Diskussionen und Artikel in Digitalzeitschriften und Medien. Grundtenor ist meist: Die Digitalisierung ist Ausgang jeglicher zukünftiger Investitionen und Bemühungen. Und wie schätzt es die Industrie selbst ein? Das Stimmungsbarometer verrät es mit einem differenzierten Blick.

Industrie 4.0 – Ein akzeptierter Begriff?

Es ist oft so – die Medien prägen einen Begriff und in der Praxis schaut man sich fragend an. Industrie 4.0 ist zwar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen worden und nicht von den Medien. Allerdings schien der Begriff zunächst vor allem in der Presse großen Anklang zu finden.

Wie gebräuchlich ist Industrie 4.0 vier Jahre nach der Initiierung? Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach sind 90 Prozent der Abgeordneten und 74 Prozent der Führungskräfte mit dem Ausdruck Industrie 4.0 vertraut. Im Jahr 2014 gaben dies gerade einmal 57 Prozent der Abgeordneten und 38 Prozent der Führungskräfte an. Eine Studie der IMPULS-Stiftung geht noch einen Schritt weiter und hält fest, dass sich immerhin 22 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau intensiv und 35 Prozent am Rande mit der Thematik beschäftigten. Der Begriff Industrie 4.0 ist inzwischen der Mehrheit bekannt und ein akzeptierter Begriff.

Umsetzung – flächendeckend oder punktuell?

Sich mit dem Begriff auseinanderzusetzen ist ein erster Schritt, denn von der Theorie zur Praxis ist es oft ein weiter Weg. Wie steht es also um die Umsetzung von Industrie 4.0-Initiativen? Laut einer Umfrage der Deutschen Messe bezeichneten sich 22 Prozent der befragten Unternehmen als sehr weit vorangeschritten in der Anwendung digitaler Technologien und sogar 60 Prozent als weit vorangeschritten. Gerade einmal 15 Prozent gaben an, sie seien kaum vorangeschritten und bei ausschließlich drei Prozent sind keine digitalen Anwendungen vorhanden.

Weniger positiv sieht es die Studie des IT-Beratungsunternehmens IDC: Lediglich drei Prozent der befragten Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe sagten, Industrie 4.0-Initiativen umfassend umzusetzen. Zwölf Prozent bescheinigten sich eine begrenzte Umsetzung. Allerdings berichteten 15 Prozent von Pilotprojekten sowie 25 Prozent von der Planung und immerhin 45 Prozent von der Evaluierung von Maßnahmen.

Von einer flächendeckenden Umsetzung kann entsprechend keine Rede sein. Allerdings sind die meisten Unternehmen in der Startphase. Das Verständnis für den Begriff wächst ebenso wie seine Bedeutung. Entsprechend positiv ist die Entwicklung.

Investitionen – zurückhaltend oder angemessen?

Zu einer entschlossenen Umsetzung einer digitalisierten Industrie reichen nicht nur Know-how und der bloße Veränderungswille. Auch die zur Verfügung stehenden Ressourcen sind entscheidend. Im Auftrag der H&D International Group ermittelte das Marktforschungsunternehmen Research Now GmbH, dass 40 Prozent der befragten Industrieunternehmen erste kleinere und 15 Prozent hohe Investitionen tätigen werden. In Summe entspricht dies immerhin gut der Hälfte der interviewten Unternehmen.

Das Consultingunternehmen PwC und Stategy& fand außerdem in seinen Interviews heraus, dass die befragten Unternehmen 3,3 Prozent ihres Gesamtumsatzes in digitale Lösungen investieren wollen. Dies entspricht in etwa der Hälfte der geplanten Ausrüstungsinvestitionen.
Die Bedeutung der digitalen Industrie spiegelt sich also auch in den Investitionen wider.

Ausschnitt der Infografik Industrie 4.0
Das Stimmungsbarometer Indsutrie 4.0 gibt einen Überblick über die aktuellen Studien zum Thema – bei Klick öffnet sich die gesamt Infografik (Quelle: Flyacts GmbH)

Vor- und Nachteile – Was denken Unternehmen?

Was halten Unternehmer ganz allgemein von der vierten industriellen Revolution? Auch dies lässt sich aus einer Reihe von Studien herausfiltern und clustern. Positiv sahen Unternehmen vor allem:

Vorteile

  • effizientere Produktion und Logistik
  • fundiertere Datenanalyse (Big Data)
  • Kostenreduktion und Umsatzsteigerung
  • Flexibilität und verkürzte Produktentwicklungszyklen
  • Kundenzufriedenheit
  • Wettbewerbsfähigkeit
  • zukunftsweisendes Unternehmensimage

Auffällig ist, dass alle Vorteile in der Effizienz bestehender Prozesse gesehen werden. Die Möglichkeiten, gänzlich neue Produkte oder Dienstleistungen zu kreieren, werden an dieser Stelle kaum bzw. nicht genannt.

Bei aller Zuversicht gibt es neben den Vorteilen auch Aspekte, die kritisiert werden. Negativ fallen Unternehmen folgende Aspekte auf:

Nachteile

  • niedrige Datensicherheit
  • hohe Kosten
  • veraltete Mitarbeiterstrukturen

Die drei genannten Punkte wurden mit Abstand am meisten befürchtet. Darüber hinaus nannten die Befragten unter anderem:

  • fehlende technische Standards, Forschung und Praxisbeispiele
  • rechtliche Unsicherheiten
  • fehlende Aufmerksamkeit und mangelndes Know-how der Politik
  • Umstellungen der Prozesse

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Industrie 4.0 in den Fokus vieler Entscheider der IT- und Produktionsbranche sowie Politiker rückt. Das beweist, dass in Zukunft noch energischer an Lösungen für die bestehenden Probleme gearbeitet wird. Der Querschnitt der Industrie 4.0-Studien zeigt zwar kein euphorisches Bild, allerdings sehr wohl einen positiven Trend für die Entwicklung der digitalen Industrie.

Die Infografik wurde zuerst bei FLYACTS veröffentlicht.